70 Jahre Sonntagsblatt | Teil 02
1956 bis 1965

Vom Konzil berichtete das Sonntagsblatt auch vor Ort. Zweimal besuchte das Redaktionsteam die steirischen Konzilsväter in Rom.
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  • Vom Konzil berichtete das Sonntagsblatt auch vor Ort. Zweimal besuchte das Redaktionsteam die steirischen Konzilsväter in Rom.
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Es war schwer, an Bilder zu kommen

Das zweite Jahrzehnt des Sonntagsblatts war geprägt von einem historischen weltkirchlichen Ereignis: Das Zweite Vatikanische Konzil bescherte der Kirche einen fundamentalen Perspektivenwechsel. Papst Johannes XXIII. überraschte viele, als er im Jänner 1959 ein neues Konzil ankündigte. „Die Erwartungen waren sehr hoch“, erinnert sich Gerhard Ohrt, der damals beim Sonntagsblatt mitarbeitete, „man hat sich gewünscht, dass sich etwas ändert“.

Mit den damaligen technischen Möglichkeiten sei es aber nicht leicht gewesen, aktuell über das Geschehen im fernen Rom zu berichten: „Nachrichten sind sehr spät gekommen.“ Die Katholische Presseagentur habe maschingeschriebene Berichte mit der Post versandt. Noch schwieriger sei es gewesen, an Bilder heranzukommen. Da habe man sich von der Kleinen Zeitung helfen lassen, die von Bildagenturen mit per Telefonleitung übermittelten „Funkbildern“ beliefert wurde.

„Zweimal sind wir auch selbst nach Rom gefahren,“ erzählt der Redakteur und Fotograf. Dort sei es möglich gewesen, Bilder von römischen Fotografen zu bekommen, die steirischen Konzilsväter Bischof Schoiswohl und Weihbischof Pietsch zu treffen und an Pressekonferenzen teilzunehmen: „Das war ein Riesenbetrieb, für uns Steirer war das sehr ungewohnt und aufregend.“ Es habe ihm sehr imponiert, dass der Pressesprecher des Konzils den Journalisten in den verschiedensten Sprachen antworten konnte. Die Ausstattung sei auch hier aus heutiger Sicht recht altmodisch gewesen, man habe auf eine Tafel wie in der Schule Stichwörter aufgeschrieben.

Bei dieser Gelegenheit habe er auch die steirischen Bischöfe in ihren bescheidenen Unterkünften fotografieren können. Nach einer Konzilssitzung, so schrieb Prof. Fastl, der mit ihm am Petersplatz auf den Bischof gewartet hat, in einem Bericht, sei „eine violette Traube“ aus der Basilika geströmt. „In die Konzils­aula selbst durften wir nicht hinein.“ Einmal habe Bischof Schoiswohl dem Redaktionsteam eine Stadtführung durch Rom gegeben, und über interessante Fragen habe er selbst Kommentare geschickt: „Er hat mit der Hand geschrieben, nicht mit der Maschine, in einer sehr gut lesbaren Schrift.“

Besonders in Erinnerung sind Ohrt die Konzilsberater, zu denen die damals jungen Professoren Hans Küng und Joseph Ratzinger gehörten: „Das war schon interessant, wie diese beiden immer wieder vorgeprescht sind und dann wieder eingebremst wurden.“ Kardinal Ottaviani sei eher der „Bremser“ gewesen und habe auf vielen Bildern recht mürrisch dreingeschaut. Die Redaktion habe immer mit großer Spannung auf Berichte vom Konzil gewartet.

Geradezu „gelechzt“ habe Gerhard Ohrt mit vielen interessierten Christen hierzulande nach den Rundfunkberichten des Jesuiten Mario von Galli, der in dieser Zeit auch mehrmals zu Vorträgen in Graz war: „Der war so temperamentvoll und hat große Gesten mit seinen Händen gemacht.“ Seine Kommentare seien sehr prägnante Zusammenfassungen des Konzilsgeschehens gewesen und mehrmals im Sonntagsblatt abgedruckt worden.

Prof. Anton Fastl, der als erster Schriftleiter im Jahr 1957 Gerhard Ohrt zum Sonntagsblatt geholt hatte, damit es über einen eigenen Fotografen verfügen kann, sei sehr interessiert an den Neuerungen gewesen, die das Konzil verheißen habe. Auch heimische Fachleute wie der Kirchenhistoriker Prof. Karl Amon und der Liturgiker Prof. Philipp Harnoncourt hätten geholfen, diese mit klaren und einprägsamen Analysen den Menschen nahe zu bringen. Sehr spannend hat Ohrt die Zeit erlebt, als Papst Johannes XXIII. gestorben ist und ein neuer Papst gewählt wurde: „Da wusste niemand so genau, ob nun das Konzil weitergeht und wie.“

Während das Konzils sei jedoch „kein Wirbel im Haus“ gewesen und der Betrieb nicht hektischer als sonst: „Wir waren eine gemütliche Wochenzeitung.“ Der Umfang der Zeitung sei nicht so groß gewesen, „zwölf Seiten waren aus Kostengründen das Maximum“. Auch die Möglichkeit, Farbdruck zu verwenden, sei erst in den Anfängen gewesen und nur sporadisch eingesetzt worden. Das Sonntagsblatt-Team habe damals aus Prof. Fastl und ihm sowie je einer Sekretärin für die Redaktion und für die Verwaltung bestanden.

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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