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Mess' gehen oder schauen?
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Gottesdienst-Übertragungen in Radio und Fernsehen oder über das Internet haben besonders seit der Pandemie zugenommen. Welche Chancen in diesen digitalen Möglichkeiten stecken, erklärt Saskia Löser. Was den Gottesdienst in Präsenz ausmacht, beschreibt Bruno Almer.
Live dabei?
660.000 ZuhörerInnen übers Radio, durchschnittlich 41.000 ZuseherInnen auf ORF III, rund 2200 beim Youtube- und 150 beim Facebook-Livestream – das sind die Quoten des Palmsonntags-Gottesdienstes 2025 aus Hartberg. Von vielen Seiten gab es Lob und positive Resonanz für diese Zahlen, die Quantität anzeigen, aber auch von Qualität zeugen. Es ist schön, wenn unsere Gottesdienste Resonanz erfahren, in einer Zeit, in der es viele andere „Optionen“ – andere TV-Sendungen, Beschäftigungsmöglichkeiten, Freizeitangebote ... – gibt. Wie fällt Ihre Entscheidung? Messe gehen oder Gottesdienst „anhören/-schauen“? Bruno Almer und Saskia Löser finden für beide Möglichkeiten gute Argumente.
Gottesdienste in Präsenz: eine gemeinschaftliche
spirituelle Erfahrung.
Bruno Almer
leitet den Bereich Seelsorge im Ressort Seelsorge & Gesellschaft der Diözese Graz-Seckau.
Es ist gut, dass es Gottesdienstübertragungen in Radio, Fernsehen und Internet gibt. Damit ermöglicht man vielen Menschen, einen Gottesdienst auf diesem Weg mitzufeiern. Gleichzeitig gilt es, auch den eigenen Wert von Gottesdiensten in Präsenz zu betonen.
Gottesdienste haben zuallererst eine spirituelle Dimension – denn in ihnen geht es um die persönliche und gemeinschaftliche Begegnung mit Jesus Christus. Der Kirchengesang, die Schönheit sakraler Gegenstände und Gewänder, die Riten und die Anwesenheit in einem heiligen Raum schaffen eine besondere Atmosphäre, in der diese Dimension intensiviert wird.
Der Mensch, ein soziales Wesen
Zentral ist – neben der religiösen Dimension – ebenso der soziale Aspekt, da wir Menschen auch soziale Wesen sind. Gottesdienste in Präsenz schaffen einen Raum, in dem Gläubige gemeinsam beten, singen, schweigen und sich austauschen können. Dieses Miteinander stärkt nicht nur das Zugehörigkeitsgefühl zur jeweiligen Gemeinde, sondern trägt und unterstützt auch das eigene Christsein. Nicht wenige, besonders ältere Menschen betonen, dass der Sonntagsgottesdienst für sie oft der einzige intensive soziale Kontakt ist, den sie in der Woche haben.
Rund um Gottesdienste in Präsenz – zum Beispiel beim Pfarrcafé oder am Kirchplatz – können Menschen ihre Bereitschaft zu einem freiwilligen Engagement unkompliziert bekunden und Mitarbeit anbieten. Der persönliche Kontakt, vor allem nach dem Gottesdienst, und das Miteinander vor Ort können motivierend sein, sich zu engagieren. Denn in einer Pfarre bzw. einem Seelsorgeraum gibt es viele Möglichkeiten, wie jemand „seine Berufung“ leben kann.
Gottesdienst-Übertragungen ermöglichen eine spirituelle Verbundenheit.
Saskia Löser
ist Referentin für Liturgie und Diakonie im Fachbereich Pastoral & Theologie im Ressort Seelsorge & Gesellschaft der Diözese Graz-Seckau
Ich bin so glücklich, dass es Fernsehgottesdienste gibt! So kann ich am Sonntag eine heilige Messe mitfeiern!“ In den letzten Wochen haben mir zwei Frauen erzählt, dass sie jeden Sonntag am Vormittag im Wohnzimmer eine Kerze anzünden, das Gotteslob in den Händen halten und glücklich sind, auf diese Weise spirituell verbunden mit anderen Gottesdienst feiern zu können.
1929 fand in Österreich die erste Gottesdienstübertragung über das Radio statt. Neben der Übertragung im Radio werden Gottesdienste auch über das Fernsehen – in Österreich über ORF III, ORF 2 und Servus TV – übertragen sowie im Internet gestreamt.
Digital verbunden
Insgesamt feiern mehr als 1 Mio. Menschen sonntags über die unterschiedlichen Formate bei übertragenen Gottesdiensten mit, davon ca. 660.000 über das Radio. Seit der Coronazeit gibt es ein immens gestiegenes Angebot von Gottesdienst-übertragungen mit einer Vielfalt von Gottesdienstformen: hl. Messen, ökumenische Gottesdienste, Tagzeitenliturgie. Die Gemeinschaft von Taizé öffnet beispielsweise regelmäßig ihre digitalen Türen und ermöglicht es Menschen aus der ganzen Welt, via Livestream den Evening Prayer (Abendgebet) mitzufeiern. Durch die Gottesdienstübertragungen ist für alle, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Kirche gehen können oder wollen, möglich, mit einer konkreten Gemeinde verbunden zusammen zu beten. Dies ist auch körperlich-sinnlich über das Sehen und Hören wahrnehmbar. Die gastgebenden Gemeinden öffnen einen gemeinsamen Raum des Glaubens, geben Einblicke und teilen etwas von ihrem persönlichen Glauben und Leben.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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