Sonntagsblatt+Plus | Kontrapunkte
Für das Klima auf die Straße

Selbstbemalte Schilder und Banner, Sprechchöre, Trommeln, Musik – das findet man bei Klimademos. Was Anton Tauschmann und Nora Skrabania dazu motiviert, auf die Straße zu gehen, erzählen sie uns – anlässlich der kirchlichen Schöpfungszeit.

Klimademo
Das Wort „Demonstration“ kommt vom lateinischen Verb „demonstrare“, was „deutlich zeigen“, bedeutet. Der Ursprung liegt im Lateinischen „monstrare“ (zeigen) und dem Präfix de- (ganz, vollständig), das die Bedeutung verstärkt. Menschen gehen für unterschiedliche Themen „auf die Straße“, also zu einer Demonstration (kurz: Demo). In den letzten Jahren vermehrt für mehr Klimaschutz. In der kirchlichen Schöpfungszeit (1. 9. bis 4. 10.) haben wir zwei Menschen, die regelmäßig auf Klimademos gehen, nach ihrer Motivation gefragt. Wenn Sie auch dabei sein wollen, haben Sie die Chance beim nächsten Klimastreik in Graz: Freitag, 14. November, 10 Uhr, Treffpunkt: Europaplatz am Hauptbahnhof Graz.


Da treffen sich Menschen, denen die Zukunft unseres Planeten ein Anliegen ist.


Anton Tauschmann

 ist Theologe und leitet den Bereich Seelsorge im Ordinariat der Diözese Graz-Seckau.

Vergangenen Sonntag ging ich laufen. Es war schön, entlang der Mur die Natur in ihrer frühherbstlichen Buntheit zu erleben. Diese Laufrunde zeigte mir wieder einmal, wie schön das „gemeinsame Haus“ Erde ist, von dem der verstorbene Papst Franziskus immer wieder gesprochen hat. Ein Haus, auf das es gut aufzupassen gilt, dessen Fundament durch menschliche Mitwirkung Risse aufweist. Franziskus sprach in seiner Enzyklika „Laudato siʼ“ unter anderem Themen wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, die Wasserfrage, den Verlust der biologischen Vielfalt sowie die weltweite Ungerechtigkeit an. „Die dringende Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen, schließt die Sorge ein, die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen“, heißt es in der Enzyklika.

Klimaschutz, ein Dauerlauf
Bei Klimademos trifft sich wohl nicht die „gesamte Menschheitsfamilie“, doch viele Menschen aus unterschiedlichen Generationen, denen Fragen einer solidarischen und nachhaltigen Zukunft unseres Planeten ein Anliegen sind. Auch mir als Mitglied des diözesanen „Arbeitskreises Nachhaltigkeit“ ist es wichtig, ein öffentliches Zeichen zu setzen und an Klimademos aktiv teilzunehmen. Vielleicht ist diese „Sorge um das gemeinsame Haus“ ähnlich wie ein sonntäglicher Dauerlauf. Es gibt mühsame Kilometer, bei denen der Widerstand einiger gegenüber Zukunftsfragen spürbar wird. Zum Glück gibt es aber auch die „leichten Kilometer“, bei denen – wie etwa auf den Klimademos – die Solidarität vieler sichtbar wird. Bleibt zu hoffen, dass diese „leichten Kilometer“ deutlich überwiegen.


Ich mache mir Sorgen, bin betroffen und möchte Verantwortung tragen.


Nora Skrabania

ist Medienwissenschaftlerin und „Lean & Green“-Managerin, Konzeptkünstlerin und als Kuratorin tätig.

Klimaschutz halte ich für eines der wichtigsten Themen derzeit, parallel zu den momentanen Problematiken der Friedensbewegung und den andauernden Fragen einer gerechten Verteilung. Sich konsequent einsetzen bedeutet ,Bewusstsein zu schaffen, besonders im Bezug auf die drohenden Konsequenzen, wenn Klimaschutzmaßnahmen weiter nicht beschlossen und befolgt werden. Der zu erwartende Schaden betrifft uns als Menschheit jetzt schon lokal und global und hat enormen Einfluss, vor allem auf vulnerable Gruppen.
Ich mache mir Sorgen, bin betroffen und möchte Verantwortung tragen. Politisch, im Privaten und gesellschaftlich passiert zu wenig und viel Kontraproduktives. Deswegen gehe ich auf die Straße. Sich öffentlich dazu zu bekennen, dass man für Klimaschutz einsteht, finde ich wichtig.

Kreativer Protest
Außerdem organisiere ich für ARTISTS FOR FUTURE GRAZ eine Online-Kampagne, bei der Kunstschaffende und Kreative mit einem persönlichen Statement dauerhaft Zeichen für Klimagerechtigkeit und Frieden setzen können. Als digitale Künstlerin sehe ich das Internet als eine „virtuelle Straße“, auf die man gehen kann.
Bei den Grazer Klimaprotesten ist auffällig, dass viel Kreativität der Teilnehmenden da ist. Von Reden bis zu künstlerischen Interventionen wie Musik und Performances ist vieles dabei. Am besten gefallen mir aber nach wie vor die vielen verschiedenen Plakate, Banner und Protestschilder, die immer wieder sehr ausdrucksstark und konsequent kommunizieren, was gesagt werden muss: „Wir brauchen mehr Klimaschutz! Jetzt!“

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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