Offen gesagt
Tage der Ehrfurcht
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Tobias Divack Moss (l.) stammt aus den USA und ist Rabbiner der „Or Chadasch“, der jüdischen liberalen Gemeinde in Wien. Lea Kalisch (r.) ist eine Schweizer Sängerin und Songwriterin. Das Paar lebt seit drei Jahren in Wien.
Tobias: Wir befinden uns gerade in einer besonderen Zeit des Jahres, kurz nach Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest (heuer von 11. bis 13. September). Wir nennen diese Zeit „Jamim Noraim“, die Tage der Ehrfurcht. Diese Tage sollen uns aus unserem alltäglichen Rhythmus herausholen. Sie laden uns ein, darüber zu staunen, dass wir leben und Menschen sind, fähig, Gutes zu tun, aber auch Schlechtes. Und vielleicht am wichtigsten: Wir sind fähig, aus etwas, das zunächst schlecht war, etwas Gutes entstehen zu lassen. Das ist das zentrale Thema dieser Zeit, „Teschuwa“, Umkehr, das jüdische Verständnis von Sühne.
Lea: Das Schöne an den Hohen Feiertagen ist für mich, dass es eben „Jamim“ sind, also mehrere Tage. Man ist nicht einfach plötzlich in einem neuen Jahr angelangt, sondern es ist ein zehntägiger Prozess, dem man sich wirklich hingeben kann. Und wenn man heute keine Zeit für
Reflexion hat, dann ist morgen auch noch die Möglichkeit dazu.
Auszug aus der Radio-Sendung „Gedanken für den Tag“ vom 14. 9. 2026. Nachzuhören auf religion.orf.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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