Mutworte - Kardinal Christoph Schönborn
Gemeinsam das Dunkel tragen
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Ganz Österreich steht still. Fahnen wehen auf halbmast, Glocken läuten in Trauer, Kerzen brennen vor Schulen und Kirchen. Der Staat trauert – und mit ihm trauern wir alle. Die unfassbare Tragödie in Graz hat das Herz unseres Landes tief erschüttert. Viele Menschen in Österreich sind in diesen Tagen fassungslos und sprachlos – aber dennoch tief verbunden.
„Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind“ (Ps 34,19). In dieser biblischen Zusage liegt Trost. Gott ist denen nahe, die trauern. Auch wir sind einander nahe – in Gedanken, im Gebet, in der Stille.
In diesen Tagen zeigt sich, wie viel Mitgefühl in unserem Land lebt: Wir sind in stiller Trauer vereint. Graz ist nicht allein.
Ich bin überzeugt: Wir alle können zur Heilung beitragen – durch Zuwendung, durch Worte der Hoffnung, durch kleine Gesten der Menschlichkeit, auch durch Verzicht auf Gedanken und Worte des Hasses. Unsere stärkste Kraft ist der Zusammenhalt. Wenn wir füreinander da sind, tragen wir gemeinsam das Dunkel – und helfen einander zurück ins Licht. Mögen die Toten in Frieden ruhen – und mögen die Trauernden in der Liebe und Nähe der Gemeinschaft Halt finden.
Kardinal Christoph Schönborn
Auszug aus seinem Kommentar in der Kronen Zeitung (12.06.2025).
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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