Offen gesagt: Kardinal Christoph Schönborn
Kann christlich-muslimisches Zusammenleben funktionieren?
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Atmen Muslime eine andere Luft als Christen? Warum sollte es uns nicht gelingen, zusammenzuleben? Natürlich ist das herausfordernd. Europa war großmehrheitlich christlich. Aber wenn sich bei uns so viele Menschen vom Christentum verabschieden, dürfen sie sich nicht aufregen, dass eine andere Religion im Wachsen ist und es Menschen gibt, die ihre Religion ernst nehmen.
Wir haben inzwischen eine ganze Reihe Kirchen verschenkt oder verkauft: an Rumänen, Serben oder die Kopten. Die Christen sterben nicht aus. Weltweit steigt ihre Zahl stark an, nur in Europa nimmt sie ab. Ich finde diese Entwicklungen sehr spannend und nicht nur besorgniserregend.
Die radikalen Strömungen des Islam machen auch vielen Muslimen Angst. Ich fühle mich auf deren Seite. Wir leben in derselben Stadt, wir haben dieselben Sorgen. Wenn ich ein verletztes Knie habe, ist das nicht ein katholisches Knie, sondern ein menschliches Knie. Wir müssen einander als Menschen begegnen: mit Respekt, mit Wohlwollen und mit Toleranz für die Unterschiede. Das erwarten wir von den anderen. Das dürfen wir aber auch selber nicht ausblenden.
Auszug aus einem Interview mit dem Wiener Online-Medium „Zwischenbrücken“
www.zwischenbruecken.at
Kardinal Christoph Schönborn wohnt seit seiner Emeritierung als Wiener Erzbischof in einem Kloster im Bezirk Brigittenau.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.