Offen gesagt - Wolfgang Palaver
Friede und Widerstand
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Welchen Frieden lehrt die Bibel?
Zentrale biblische Texte wie die Bergpredigt lehren nicht etwa einen situationsblinden Frieden – vielmehr führen sie als Ziel einen messianischen Frieden an. Um diesen zu erreichen, braucht es die Bereitschaft zum aktiven Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Gewalt.
Lange Zeit stand die Bergpredigt mit ihrem ethischen Kompass im Schatten der Zehn Gebote. Neuere Deutungen allerdings geben längst Instrumente an die Hand, die alttestamentliche Aspekte aufgreifen und zeitgemäße Orientierung bieten. So eben die Unterscheidung zwischen einem gewaltbewehrten Frieden, der Frieden durch Recht zu gewährleisten versucht, ohne Gewalt völlig auszuschließen, und einem messianischen Frieden, der auf einen Frieden ohne Gewalt zielt. Diesen gilt es anzustreben – allerdings ohne vor dem Unrecht in der Welt zu kapitulieren und die eigene Würde aufzugeben.
Als Jesus selbst geschlagen wurde (Joh 19,23), hielt er nicht die andere Wange hin, sondern stellte den Schläger zur Rede. Er ist kein „scheinbar sanftmütiger Leisetreter“ sondern verkörpert vielmehr den Geist aktiver Gewaltfreiheit. Damit ist klar: Es geht um einen Widerstand gegen das Böse, ohne sich selbst von der Gewalt anstecken zu lassen.
Wolfgang Palaver ist Präsident von Pax Christi Österreich und Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theol. Fakultät der Uni Innsbruck.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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