Positionen - Elisabeth Wimmer
Floskelfasten

„Lassen Sie mich zuerst auf eines hinweisen: Wir gehen die Sache mit gesundem Menschenverstand an und tun alles in unserer Macht Stehende, um Schritte in die richtige Richtung zu setzen.“ – Alles klar?
Floskeln nennen wir Wörter, die einen Inhalt im Unklaren oder ihn überhaupt vermissen lassen. Butterweich flutschen sie in den Gehörgang, klingen im ersten Augenblick eh ganz gut, schon ist man einverstanden … doch, Moment! … Was wird denn hier eigentlich gesagt? Wer tut was, was ist „alles“ und welche ist die „richtige Richtung“? Es ist nur ein Beispiel, ich – ganz subjektiv – empfinde es als floskelhaft.
Gegen solcherart leere Wort-hülsen sind auch Alltagsunter-haltungen nicht immun („Und sonst? Passt alles?“ – „Ja, was soll ma sag’n... es ist, wie’s ist.“). Und ab und zu soll so etwas schon in Interviews mit politischen FunktionsträgerInnen vorgekommen sein.
Floskeln können mit vielen Worten verschleiern, dass nichts gesagt wird. Sie vernebeln den Inhalt und höhlen unsere Sprache aus. Das macht uns ärmer.
Denn wir füllen die Sprache mit Leben, prägen ihr unsere Gedanken ein und teilen diese so anderen Menschen mit. Sprache ist großartig, sie kann auch Widersprüchliches oder unfertig Gedachtes in Worte fassen. Deshalb begehren Leben und Sprache einander, gerade für das Mehrdeutige und Widersprüchliche, das beiden vertraut ist. Was uns berührt, innerst be-trifft, erfüllt Sprache mit Leben. Diese Nähe brauchen wir – auch damit wir uns nicht von Floskel-Profis etwas einreden lassen.
Darum lasst uns Floskelfasten: echte Worte verwenden, gefüllt mit Gedanken aus Bodennähe.

Elisabeth Wimmer

Autor:

Ingrid Hohl aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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