800 Jahre Graz-Seckau - Teil 14
Wegmarken 
zum Miteinander

 

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Der Stein der Versöhnung, der beim Festakt zu 500 Jahre Reformation im Grazer Landhaushof eingelassen wurde, dokumentiert den Wandel des Verhältnisses der christlichen Konfessionen vom Gegeneinander über ein Nebeneinander zum Miteinander. Hier (von links) Superintendent Hermann Miklas, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landtagspräsidentin Bettina Vollath, Super-
intendentialkurator Michael Axmann und Bischof Wilhelm Krautwaschl beim Deponieren des Gedenksteines am 14. Oktober 2017. Bischof Krautwaschl und Superintendent Miklas hatten im August 2017 auch eine vom „Sonntagsblatt“ veranstaltete Reise zu wichtigen Orten der lutherischen Reformation begleitet.Foto: Plankenauer

 

Schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) gab es freundschaftliche, ökumenisch gesinnte Begegnungen und Gesprächskreise. Stellvertretend für ökumenische Vorreiter seien Superintendent Leopold Achberger und Senior Gerhard Gerhold von der evangelischen Kirche, Pastor Hugo Mayr von den Methodisten sowie Hochschulseelsorger Ludwig Reichenpfader und der damalige Pfarrer von Graz-St. Andrä und nachmalige Diözesanbischof Johann Weber genannt.

Impulsgebend für eine zu praktizierende Ökumene wurde das Zweite Vatikanum mit seinem Konzilsdekret „Unitatis redintegratio“ (1964). Der offizielle Anfang des christlichen Miteinanders liegt bald nach dem Konzilsende. Einer damals ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft für Ökumene folgte 1969 der „Interkonfessionelle Arbeitskreis Ökumene in der Steiermark“.

Starke Zeichensetzungen in der steirischen Ökumene wurden seit der Amtszeit von Diözesanbischof Johann Weber vorgenommen. Gegenseitige Einladungen, so etwa des Bischofs in die steirische Superintendentialversammlung oder der Besuch des Superintendenten in den Diözesanrat, folgten. Beide christlichen Kirchen beteiligten sich 1981 beim Steirischen Katholikentag sowie der Feier zum Toleranzjubiläum. Anlässlich des „Tages der Steiermark“ im Juni 1993, der unter dem Motto „Dialog“ stand, hielt Diözesanbischof Weber die Predigt in der Heilandskirche und Superintendent Ernst-Christian Gerhold im Grazer Dom.

Bischof Weber errichtete 1987 die Sektion Graz der Stiftung Pro Oriente zur Förderung der Aufgaben jener Stiftung im Bereich der Diözese. Deren erster Vorsitzender war Philipp Harnoncourt, heute ist es Peter Piffl-Percevic. Im Fokus steht – auf der Ebene der Wissenschaft und Reisediplomatie – die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen Südosteuropas, insbesondere Rumäniens, Serbiens und Griechenlands zur Überwindung der Spaltung zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen.

Der orthodoxe Theologe Grigorios Larent-
zakis, der 1970 bis 2007 an der Grazer Katholisch-Theologischen Fakultät lehrte, war maßgeblich an Vorbereitung und Durchführung der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz 1997 beteiligt. 30.000 Menschen nahmen an der Schlussveranstaltung teil, darunter waren 5000 Gläubige aus den christlichen Kirchen Osteuropas. Eine Frucht der Grazer Versammlung ist die 2001 unterzeichnete Charta Oecumenica, ein gemeinsames Dokument aller christlichen Kirchen Europas. Larentzakis wirkte auch federführend bei der Verleihung des Ehrendoktorats an Patriarch Bartholomaios I. 2004 durch die Katholisch-Theologische Fakultät mit.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen im Jänner, das Ökumenische Wochenende, der ökumenische Kreuzweg der Jugend, das Sozialwort der christlichen Kirchen Österreichs, die 1975 gegründete Telefonseelsorge, die Initiative Autofasten und der ökumenisch ausgerichtete Weltgebetstag der Frauen – viele gemeinschaftliche Aktionen der christlichen Konfessionen in der Steiermark bezeugen das vorbildhafte Zusammenwachsen der christlichen Kirchen in der Ökumene. Zu einer wahren ökumenischen Großveranstaltung entwickelte sich die „Lange Nacht der Kirchen“, in der Steiermark koordiniert von Gertraud Schaller-Pressler. Seit dem Jahr 2000 wird einen Tag vor der „Weltgebetswoche“, am 
17. Jänner, der „Tag des Judentums“ begangen.

Beim Festakt anlässlich des Gedenkens an „500 Jahre Reformation“ am 14. Oktober 2017 mit der Setzung eines Gedenksteins bat Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer um Vergebung für das große Unrecht, das den Evangelischen zur Zeit der Gegenreformation und danach in der Steiermark angetan wurde. Bischof Wilhelm Krautwaschl bedauerte in der Grazer Evangelischen Heilandskirche am 31. Oktober 2017 „unsägliches Leid“, das katholische Kirchenführer bei Evangelischen verursacht haben.

Das beispielhafte Miteinander der christlichen Konfessionen in der Steiermark in den letzten Jahrzehnten verschafft der Ökumene über die Grenzen hinaus internationale Anerkennung. Vom 25. bis 28. Oktober 2018 werden sich unter dem Motto „Sharing Future“ im Rahmen des Regionalen Taizé-Jugendtreffens Brüder der Gemeinschaft und Jugendliche aus vielen Ländern für vier Tage in Graz versammeln.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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