Religionsfreiheit
Vatikan in Sorge über steigende Intoleranz gegen Religionen

Der Vatikan-Diplomat Janusz Urbanczyk sprach sich vor der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die gleiche Aufmerksamkeit für alle Formen religiöser Diskriminierung aus – unabhängig vom Mehrheits- oder Minderheitsstatus. | Foto:  IAEA/Dean Calma
  • Der Vatikan-Diplomat Janusz Urbanczyk sprach sich vor der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die gleiche Aufmerksamkeit für alle Formen religiöser Diskriminierung aus – unabhängig vom Mehrheits- oder Minderheitsstatus.
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Beunruhigt über eine steigende Zahl von Verbrechen gegen religiöse Menschen und religiöse Stätten hat sich der Vertreter des Heiligen Stuhls bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geäußert. Terroranschläge, Hassverbrechen und andere Erscheinungsformen von Intoleranz gegen Kirchen, Synagogen, Moscheen, Friedhöfe und sonstige religiöse Stätten seien immer häufiger und antichristliche Straftaten „kein Randphänomen mehr“, mahnte der Vatikan-Diplomat Janusz Urbanczyk bei der Sitzung des Ständigen Rates der OSZE in Wien. Die Länder des Staatenbündnisses hätten die „gemeinsame Pflicht, den Schutz dieser Gemeinschaften vor Angriffen zu gewährleisten“, sagte er mit Blick auf den am 10. Dezember begangenen „Welttag der Menschenrechte“.

Nicht nur Minderheiten sind Opfer

Mit Intoleranz und Diskriminierung konfrontiert seien in zunehmendem Maße „Menschen, die in Übereinstimmung mit ihrem von religiösen Überzeugungen inspirierten Gewissen leben und handeln wollen“, sagte Urbanczyk. Genährt würde diese Art von Intoleranz und Diskriminierung oft durch „negative Stereotypen über den Glauben und die Überzeugung, dass religiös inspirierte Verhaltensweisen wie Beschneidung, rituelles Schlachten, das Tragen religiöser Kleidung oder Verweigerung aus Gewissensgründen keinen Platz in der modernen und säkularisierten Gesellschaft haben sollten“.

Dabei werde meist ignoriert, „dass Religion ein positiver und stabilisierender Faktor für unsere Demokratien sein kann“, so der Vatikan-Diplomat. Kritik äußerte der polnische Geistliche daran, dass in dem Zusammenhang der Begriff „Minderheiten“ oft ungerechtfertigt als Synonym für „Opfer“ verwendet werde. Durchaus könnten auch Mehrheiten in einer Gesellschaft zum Opfer von Hassverbrechen werden, hob Urbanczyk hervor. Der Heilige Stuhl fordere gleiche Aufmerksamkeit für alle Formen religiöser Diskriminierung.

An den mit 1. Jänner beginnenden polnischen Vorsitz in der OSZE appellierte Urbanczyk, die Praxis der Ernennung von persönlichen Beauftragten für die Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Intoleranz und Diskriminierung von Muslimen, Christen und Angehörigen anderer Religionen fortzusetzen. Den drei von Schweden als derzeit amtierender OSZE-Vorsitz ernannten dafür Beauftragten – es sind dies der Rabbiner Andrew Baker, der Botschafter Mehmet Pacaci und die Wiener Theologin Regina Polak – dankte der Vatikanvertreter für ihren Einsatz.

Pandemie verschlimmere Diskriminierung
Bei der aktuellen Sitzung des Rates der OSZE formulierte die Theologin Regina Polak Wünsche für die Zukunft. Da die weitere Zunahme von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Diskriminierung in den kommenden Monaten infolge der Pandemie absehbar sei, müssten die internationalen Bemühungen intensiviert werden, sagte sie. Hilfreich könnte dafür die Einrichtung einer Dialogplattform sein, welche die internationale Weitergabe gelungener Maßnahmen in den Bereichen Rechtsprechung, Politik und Gesellschaft erleichtere.

KATHPRESS

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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