Dramatische Lage in Myanmar
Unvorstellbar brutal

Ein interreligiöses Gebet für Myanmar fand auf dem Wiener Stephansplatz statt. Auf Einladung der buddhistischen Religionsgemeinschaft nahmen Vertreter der katholischen Kirche (im Bild Bischof Werner Freistätter), der Muslime, der Mormonen und der hinduistischen Gemeinde in Wien teil.
  • Ein interreligiöses Gebet für Myanmar fand auf dem Wiener Stephansplatz statt. Auf Einladung der buddhistischen Religionsgemeinschaft nahmen Vertreter der katholischen Kirche (im Bild Bischof Werner Freistätter), der Muslime, der Mormonen und der hinduistischen Gemeinde in Wien teil.
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Proteste, Todesgefahr und Hoffnung.

Franziskanerpater Johannes Unterberger schildert die dramatische Lage in Myanmar.

Armut, Gewalt und Angst prägen aktuell die Lage der Menschen in dem südostasiatischen Land nach dem Militärputsch von Anfang Februar. Das berichtet der österreichische Franziskanerpater Johannes Nepomuk Unterberger in der Linzer KirchenZeitung. Der gebürtige Bad Ischler und frühere österreichische Tennis-Staatsmeister lebt seit 2016 in Myanmar, aktuell in Rangun, der größten Stadt des Landes, wo bereits Demonstrierende getötet wurden. Selbst Einkaufen sei nur unter Lebensgefahr möglich, sagt der Franziskaner, der eine Ausreise aus dem Land aktuell jedoch noch ausschließt: „Ich als Europäer verstehe mich als Unterstützung für meine Ordensbrüder aus Myanmar und als Brücke zu den Ländern des Westens.“
Unterberger sieht sich als Zeuge dessen, „was hier passiert, was ich durch meine einheimischen Mitbrüder und die Familien, mit denen ich in Kontakt bin, erfahre“. Das Vorgehen des Militärs beschreibt der Ordensmann als „unvorstellbar brutal“. Jeder Protestierende werde als Terrorist eingestuft. „Soldaten auf der Straße zu treffen, ist sehr gefährlich. Wenn ihnen irgendetwas nicht passt, kannst du das Kreuzzeichen machen.“ Auch das Handy bleibe bei Einkäufen in der Wohnung, da Soldaten kontrollieren, was darauf gespeichert ist: „Finden sie aus ihrer Sicht Verdächtiges, wird man verhaftet.“
Die Gewaltereignisse hinterlassen auch bei Unterberger bereits psychische Folgen: „Als Mensch habe ich mein Limit schon überschritten. Ich bin emotional am Boden. Brutales Morden kann ich nicht aushalten“, erzählt der Franziskaner. Kraft gebe ihm das Gebet, die heilige Messe sowie das Tagebuch der heiligen Sr. Faustyna Kowalska. Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Lage in Myanmar hat Unterberger kaum. „Ich glaube eher, dass es noch schlimmer wird.“ Nur UNO-Soldaten könnten die Zerstörung des Landes stoppen, jedoch würden sich China und Russland gegen die Entsendung von Blauhelmen aussprechen.
Neben der Gewalt gehöre die extreme Armut zu den Hauptproblemen des Landes. Um die Menschen finanziell zu unterstützen, hat der Pater ein Projekt initiiert, bei dem drei Großfamilien – rund 50 Personen – Rosenkränze und Armbänder herstellen. Diese Arbeit sei ein „ganz wichtiger Beitrag zu ihrem Überleben“. Aktuell sei aber kein Export nach Österreich möglich, wo der Großteil verkauft wird.
Unterberger wollte früher Tennisprofi werden und war 1996 österreichischer Staatsmeister. 2001 trat er in den Franziskanerorden ein und empfing 2013 die Priesterweihe. In Myanmar gehört er zu einer kleinen Gruppe von Franziskanern, die die Ordensgemeinschaft in dem buddhistisch geprägten Land einwurzeln sollen. Zusammen mit dem Österreicher leben derzeit sieben weitere Franziskaner-Brüder und sechs Kandidaten, die aus verschiedenen Orten des Landes kommen, in der Fünf-Millionen-Stadt Rangun. Aktuell wohnt P. Unterberger nicht im Haus der Gemeinschaft, da dies die Stadtverwaltung nicht gestattet, sondern allein in einer Wohnung, nachdem ein indonesischer Mitbruder vor einem Monat das Land verlassen hat. „Mit der Gemeinschaft halte ich telefonisch Kontakt“, schildert der Ordensmann.

Kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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