Im Gedenken
Univ.-Prof. Franz Zeilinger

In memoriam Univ.-Prof. Franz Zeilinger. Der viele Jahre in Graz lehrende Neutestamentler starb in seiner Heimat Eggenburg.

Ernte nach reicher Saat.
Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“ Diesen Satz aus Psalm 126 zitierte Univ.-Prof. P. Dr. Franz Zeilinger als Rektor der Grazer Karl-Franzens-Universität oft bei der Feier von Promotionen und Sponsionen. Nun kann der Lehrer des Neuen Testaments an der Seite des auferstandenen Herrn die Ernte seines Lebens einbringen. Und er hat auch eine reiche wissenschaftliche und persönliche Ernte hinterlassen. Am
15. Februar legte der Professor und Redemptoristenpater im Pflege- und Betreuungszen-trum Eggenburg im 87. Lebensjahr sein Leben und Wirken in Gottes Hand zurück.

In der niederösterreichischen Stadt Eggenburg war Franz Zeilinger 1934 geboren worden. 1952 trat er in den Redemptoristenorden ein und wurde 1960 zum Priester geweiht. In die Steiermark hatte ihn zuvor schon das Studium an der damaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule seines Ordens in Mautern geführt. Später führten ihn weitere Studien nach Graz, Rom und Jerusalem. Auch seine Lehrtätigkeit begann 1965 bis 1972 in Mautern, ehe er sich in Graz für Neutestamentliche Exegese und Bibeltheologie habilitierte.
Von nun an war die Theologische Fakultät in Graz sein wissenschaftlicher Wirkungsort. 1973 bis 1981 lehrte er als außerordentlicher Universitätsprofessor „Neutestamentliche Biblische Theologie“ an der von seinem Ordenskollegen Claus Schedl geleiteten Lehrkanzel für Biblische Theologie, ab 1978 Institut für Religionswissenschaft. 1981 wurde er als Nachfolger von Franz Zehrer ordentlicher Universitätsprofessor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft, bis zu seiner Emeritierung 2002. Von 1987 bis 1989 war er Dekan der Theologischen Fakultät und 1999 bis 2001 deren Studiendekan, von 1991 bis 1993 war er Rektor der Karl-Franzens-Universität.

Zu seinen Publikationen gehören Untersuchungen zum Kolosserbrief, zum 2. Korintherbrief („Krieg und Frieden in Korinth“), zur Bergpredigt, zum biblischen Auferstehungsglauben oder zuletzt „Die sieben Zeichenhandlungen Jesu im Johannesevangelium“. Im Buch „Zum Lobpreis seiner Herrlichkeit“ erschloss er die neutestamentlichen Gesänge (Cantica) der Tagzeitenliturgie bzw. des Breviergebetes. Zeilinger war auch Mitglied des Leitungskollegiums für die Revision der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Das Land Steiermark und die Republik Österreich würdigten seine Verdienste als Wissenschaftler, Dekan und Rektor mit hohen Auszeichnungen.

Franz Zeilinger wusste zahlreiche Studierende für das Neue Testament zu interessieren, zu begeistern und zu fördern. Er verband wissenschaftliches Interesse und exakte Forschungsarbeit mit priesterlicher Existenz und seelsorglicher Denkweise. So zelebrierte er regelmäßig die sonntägliche „Spätmesse“ in der Grazer Dompfarre und half auch andernorts aus. Er zeigte sich als Mann des Humors und schätzte den gepflegten Witz mit überraschenden Pointen.
2010 kehrte er in seine Heimat Eggenburg zurück, wo er im Redemptoristenkloster, in Pfarren und Heimen gerne priesterliche Aufgaben übernahm, solange es seine Gesundheit erlaubte. Hier wurde er auch am 19. Februar verabschiedet und in der Grabstätte der Redemptoristen beigesetzt.

Herbert Messner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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