Kirche Steiermark
Sprache des Glaubens
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Impulstag Kirchenmusik zu Paul Gerhardt und J. S. Bach.
Wie man innovativ mit der Tradition umgehe, das könne man vom barocken Liederdichter Paul Gerhardt (1607-1676) und dem wohl bekanntesten Tonsetzer seiner Texte, Johann Sebastian Bach (1685-1750), wunderbar lernen, meinte der Theologe, Kirchenmusiker und Musikwissenschafter Meinrad Walter beim neunten Impulstag Kirchenmusik am 31. Jänner. Über neunzig Personen waren der Einladung vom Referat für Kirchenmusik gefolgt und zu einem Tag der Inspiration und des Austausches ins Grazer Augustinum gekommen.
Walter lies den vor 350 Jahren verstorbenen Paul Gerhardt – Schöpfer von Liedern wie „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Ich steh an deiner Krippe hier“ – lebendig werden. Die Hälfte seines Lebens verbrachte Gerhardt im 30-jährigen Krieg. Trotz des unfassbaren Leids seiner Zeit sei das inhaltliche Zentrum seines Werks immer die Lebenslust gewesen. Dass seine Lieder gleichermaßen aus dem Buch der Bibel, wie aus dem Buch der Natur schöpfen, ließe sie auch zu Menschen sprechen, die mit der biblischen Sprache nicht vertraut seien, so Walter.
In die Welt hinaus getragen wurden seine Texte durch das Werk Bachs, der vor allem in seinen Passionen an Schlüsselmomenten ganz bewusst die Lieder Gerhardts einsetze. Gemeinsam entwarfen Bach und Gerhardt eine Sprache des Glaubens. Aber sie akzentuierten nicht so sehr das, was wir glauben, sondern sie inszenierten förmlich, wie wir glauben. Beide seien sie der Meinung gewesen, dass in der Kunst etwas vom „neuen Lied“ aufklingen solle, so dass im Irdischen schon etwas Himmlisches erlebbar werde.
Seinen besonderen Abschluss fand der Impulstag Kirchenmusik im ökumenischen Gottesdienst in der Grazer Heilandskirche. Studierende der Kunstuniversität musizierten mit dem Chor des Diözesankonservatoriums die, auf einem Text von Paul Gerhardt beruhende, Bach-Kantate „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“. Beim Schluss-Choral wurde deutlich, was Meinrad Walter als Möglichkeit angedeutet hatte: „Mit Paul Gerhardt können wir uns schon hier auf Erden in den Himmel singen.“
Michael Schadler
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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