Kirche Steiermark
Söhne und Töchter Gottes

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Kirche und Arbeit. Vor 70 Jahren wurde die Katholische Arbeiterbewegung Steiermark gegründet. Für gute Arbeitsbedingungen braucht es sie nach wie vor.

Ein Job, von dem man leben kann. Arbeit, die Zeit lässt für Familie, Freundschaften und Hobbys. Ein Arbeitsplatz, der auch noch aufrecht ist, wenn man erkrankt ist oder Mutter wird. Forderungen wie diese leuchten ein und sind vermutlich ebenso alt wie die Lohnarbeit. Als mit der aufkommenden Industrialisierung im 18. Jahrhundert die Fabriken wuchsen und mit ihr die Arbeiterschaft, wuchs auch das Elend. Arbeitstage bis zu 16 Stunden, Leben in Elendsunterkünften: Der von Krankheiten und Hunger geprägte Alltag der schwerst arbeitenden Bevölkerung schrie zum Himmel und zog die Gründung erster „Arbeitervereine“ nach sich.

Neue Dinge. Nachdem in London im September 1864 die Internationale Arbeiterassoziation (IAA) als Zusammenschluss von Arbeitergesellschaften gegründet wurde – besser bekannt als Erste Internationale –, meldete sich auch die Kirche zu Wort. Mit der Enzyklika „Rerum Novarum“ (dt. „von den neuen Dingen“) veröffentlichte Papst Leo XIII. (1810–1903) im Jahr 1891 ein Lehrschreiben, auf das Christinnen und Christen in der Arbeitswelt reagierten.

Im selben Jahr fand in der Diözese Seckau der II. Steiermärkische Katholikentag statt, auf dem sich eine eigene Sektion für „Soziale Fragen“ gebildet hatte, die sich auch mit der „Arbeiter- und Handwerkerfrage“ auseinandersetzte. „Der erste, speziell den Arbeitern gewidmete katholische Verein in der Steiermark war der von Bad Aussee“, schreibt Alois Ruhri 2006 in „Blätter für Heimatkunde“. Den Wunsch nach einem katholischen Arbeiterverein hatten Christinnen und Christen 1868 an Johann Wöhr herangetragen, einem Priester mit hohem sozialem Engagement. Ein Jahr später wurde dieser erste katholische Arbeiterverein in der Steiermark von der Statthalterei bewilligt. Österreichweit gründeten sich erste katholische Arbeitervereine um 1893.

Arbeiterkardinal als Gründer. Ist von der Katholischen Arbeiterbewegung die Rede, darf ein Name nicht fehlen: Joseph Leon Cardijn (1882–1967). Der römisch-katholische Geistliche aus Belgien gilt als Begründer der internationalen Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). Die 1925 ins Leben gerufene Arbeiterorganisation im Vorfeld der KAB bildete sich in Österreich vorerst noch nicht. Hierzulande nämlich war die KAB unter den Nationalsozialisten verboten worden, und viele ihrer Mitglieder wurden verfolgt. Unter dem Dach der Katholischen Aktion (KA) erfolgt nach 1945 ihr Wiederaufbau; 1956 wurde die KAB auch in der Steiermark gegründet und entwickelte sich zu einer wichtigen Plattform für soziale Bildung und Solidarität.

„Uns verbinden unsere Erfahrungen in Arbeit und Beruf und unser Einsatz als mündige Christinnen und Christen für eine menschenwürdige, gerechte Arbeitswelt und Gesellschaft, ohne Ausbeutung von Mensch und Natur.“ Dieser Text am Umschlag des Buches über die KAB Steiermark (siehe Spalte links) gibt das Selbstverständnis dieser Organisation wieder: ein gutes Leben für alle Menschen, die arbeiten. Dass damit auch unbezahlte Pflegearbeit („Care“) gemeint ist, verdeutlichte die KAB Steiermark in den vergangenen 70 Jahren in zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen.

Noch viel zu tun. Seit der Gründung der KAB Steiermark vor sieben Jahrzehnten hat sich viel getan. Kollektivvertrag, Homeoffice oder flexible Zeitmodelle haben die Arbeitswelt mitunter stark verändert. Doch noch immer gibt es Ungleichheit, die ausgeräumt werden muss. „Wir … stehen erst am Anfang“, soll Kardinal Cardijn am Totenbett gesagt haben. Den Satz, der die KAB bis heute prägt, sprach er Jahrzehnte früher: „Nicht Sklaven, nicht Maschinen, nicht Lasttiere seid Ihr. Ihr seid Söhne und Töchter Gottes.“

Anna Maria Steiner

70-Jahre KAB Steiermark. Beim Studientag am 17. Jänner in Graz referierten der Arbeitsjurist Werner Anzenberger(l.), der Sozialethiker Leopold Neuhold (r.) und die KI-Expertin Monika Fuchs (2. v. r.). In den AK-Saal gekommen waren auch KA-Präsident Andreas Gjecaj (2. v. l.) und KA-Generalsekretärin Anna Hollwöger (4. v. l.). Durch die Veranstaltung führte KAB-Vorsitzende Anneliese Pieber (3. v. l.). | Foto: Labner
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Im Originalton


Wissen, Kritik und Bei-den-Menschen-Sein

Genauso wie die Arbeit ist auch die „Arbeiterbewegung“ Veränderungen unterworfen. Darüber diskutierten rund 50 Interessierte beim KAB-Studientag am 17. Jänner 2026 in Graz. Hier einige Antworten auf die Frage, was eine „Katholische ArbeiterInnen-Bewegung“ aktuell leisten soll:

Sich austauschen, in Resonanz gehen
„Sich auf die wesentlichen Grundwerte der Menschen fokussieren – das ist die Aufgabe der KAB, ja der katholischen Kirche. Es ist wichtig, das Geheimnis des Menschen zu wahren, und wir dürfen nicht nachlassen, zu fragen: ‚Was ist besser für den Menschen?‘. Junge Menschen müssen mit dieser Frage konfrontiert werden – nicht von Internet und neuen Medien, sondern im zwischenmenschlichen Austausch. Wir müssen miteinander in Resonanz gehen.

Leopold Neuhold,
Sozialethiker und Theologe

Wissen vermitteln, für Demokratie eintreten
„Der inhaltliche Austausch und das Stellen von Fragen, die den offenen Diskurs fördern, sind wichtig in Zeiten, in denen Trump, Putin und zahlreiche andere glauben, sie können die Demokratie mit Füßen treten. Es braucht starke Stimmen gegen solche totalitären Systeme. Wir müssen informieren, uns zusammentun und die Grundwerte der Menschen einfordern!“

Monika Fuchs,
Unternehmensberaterin und KI-Expertin

Die Welt verbessern durch Solidarität
„Die Arbeiterbewegung hat stark an sozialstaatlichen und demokratiepolitischen Aspekten mitgewirkt und arbeitsrechtlich viel erreicht. Aktuelle Herausforderungen bestehen in der Neuvermessung, der Neuverbesserung der Welt. Das setzt eine Solidarität unter uns voraus wie noch nie zuvor. Als KAB müssen wir bestehende Bündnisse beleben.“

Martin Hochegger,
ehem. Vorsitzender der KAB Steiermark

Das Buch über die Anfänge von Katholischer Arbeiterjugend und -bewegung in der Steiermark erschien 2023. Es kostet 18 Euro und ist erhältlich unter Tel. 0316 / 8041-395 oder kab@graz-seckau.at
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KAB Steiermark

Die Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB) Steiermark versteht sich als Bewegung engagierter Christinnen und Christen, die Gerechtigkeit und Glauben im Alltag verbinden. Bald nach ihrer Gründung im Jahr 1956 wurde die KAB zu einer wichtigen Plattform für soziale Bildung, Solidarität und christliche Gesellschaftspolitik.

kab.graz-seckau.at

Jubiläen. Feier anlässlich 40 Jahre KAB in Graz Liebenau. Bild darüber: Joseph-Cardijn-Feier am 6. Nov. 1982 in Leoben. | Foto: Archiv
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Jubiläen. Feier anlässlich 40 Jahre KAB in Graz Liebenau. Bild darüber: Joseph-Cardijn-Feier am 6. Nov. 1982 in Leoben. | Foto: Archiv
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Im Dialog mit Politik und Gesellschaft. Seit vielen Jahren organisiert KMB-Mitglied Johannes Labner (r.) Gesprächsabende in Graz-Andritz unter dem Titel „Reden über Gott und die Welt“.  | Foto: Archiv
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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