Weltkirche
Monster und Mitläufer
- „Gedenken fordert uns heraus“, betonte Scheuer. „Nicht nur zu erinnern – sondern aufmerksam zu bleiben.“
- Foto: Martin Jordan
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KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Beim ökumenischen Gottesdienst warnt der Linzer Bischof vor fehlendem Unrechtsbewusstsein.
Wo Opfer zu beklagen sind, da gibt es auch Täterinnen und Täter. Beim heurigen Mauthausen-Gedenken standen Letztere im Fokus. Der Linzer Bischof Manfred Scheuer warnt beim ökumenischen Gottesdienst in der KZ-Gedenkstätte vor „gewöhnlichen Menschen“ ohne Unrechtsbewusstsein – Gedenken fordere heraus, aufmerksam zu bleiben.
Bischof Scheuer erinnerte eindringlich daran, dass nationalsozialistische Gewalt nicht nur von wenigen fanatischen Ideologen ausging. Unter dem Jahresthema „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“ rückte er jene in den Mittelpunkt, die das System durch ihr Mitmachen, Wegschauen oder Schweigen erst möglich machten.
Scheuer zitierte den Auschwitz‑Überlebenden Primo Levi: „Monster gibt es, aber es sind zu wenige, um eine echte Gefahr darzustellen.“ Die eigentliche Bedrohung seien jene „gewöhnlichen Menschen“, die bereit seien, zu glauben und zu handeln, ohne Fragen zu stellen. Menschen, die Befehle ausführten, sich anpassten oder aus Angst schwiegen – und damit zu Täterinnen und Tätern wurden.
Der Bischof betonte, dass MitläuferInnen nicht als Randfiguren der Geschichte zu verstehen seien. „Wer Unrecht hinnimmt, macht sich mitschuldig“, sagte Scheuer. Das Gedenken an die Opfer fordere daher dazu heraus, die Mechanismen zu erkennen, die aus Gleichgültigkeit Beteiligung machen. Erinnerung sei kein bloßer Rückblick, sondern ein Auftrag, sensibel zu bleiben für jede Form von Ausgrenzung und Entwürdigung.
Gemeinsam gedenken. Im ökumenischen Gottesdienst erinnerten VertreterInnen verschiedener Kirchen gemeinsam an die mehr als 90.000 Menschen, die zwischen 1938 und 1945 in Mauthausen und seinen Nebenlagern ermordet wurden. Insgesamt nahmen heuer über 13.000 Menschen aus dem In- und Ausland teil – darunter ZeitzeugInnen, internationale Delegationen und viele Jugendliche. Bischof Scheuer rief dazu auf, sich nicht an Hass, Hetze oder Verrohung zu gewöhnen. Die Geschichte zeige, wie schnell demokratische und menschliche Grundwerte ins Wanken geraten können, wenn Menschen wegsehen oder sich anpassen. Gedenken bedeute daher, Verantwortung zu übernehmen – im persönlichen Umfeld ebenso wie in der Gesellschaft. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so der Bischof. „Sie braucht Menschen, die für sie eintreten, bevor es zu spät ist.“
Die evangelische Bischöfin Cornelia Richter wandte sich in einem Gebet an Gott: „Verzagt stehen wir vor Dir, weil wir wissen, dass diese Welt selten aus der Geschichte lernt.“ Mit Blick nach vorne schloss sie: „Deshalb kommt, lasst uns gehen und mit Gottes Hilfe an seinem Frieden bauen!“
Quelle: kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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