Dramatische Situation in Jerusalem
Gewalt sät Gewalt

Am Damaskustor zur Altstadt Jerusalems kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Dabei wurden mehrere hundert Menschen verletzt.
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„Multireligiöses“ Jerusalem soll ein Ort der Begegnung, des Gebets und des Friedens sein.

Papst Franziskus hat ein Ende der gewaltsamen Ausschreitungen in Jerusalem gefordert. „Gewalt bringt nur Gewalt hervor“, sagte er beim sonntäglichen Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Nachdrücklich mahnte er alle Beteiligten, einen „Weg des Friedens“ zu suchen und die Heiligkeit des Ortes zu respektieren. Er bete darum, dass Jerusalem „ein Ort der Begegnung und nicht des Zusammenstoßes, ein Ort des Gebets und des Friedens“ sei, fuhr Franziskus fort. Er lud zur Suche nach gemeinsamen Lösungen ein, „damit die multireligiöse und multikulturelle Identität der Heiligen Stadt respektiert wird und Geschwisterlichkeit herrscht“.
In den vergangenen Tagen war es in Jerusalem wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Die Lage in der Stadt ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg und in anderen Teilen Ost-Jerusalems wurden Anfang Mai laut Medienberichten mehr als 300 Palästinenser – viele davon durch Gummigeschoße oder Blendgranaten der Polizei – und 20 israelische Polizisten verletzt.
Jüdischen Israelis blieb zum sogenannten „Jerusalemtag“ am 10. Mai der Zugang zum Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt verwehrt. Damit solle eine weitere Eskalation der Gewalt verhindert werden, berichteten örtliche Zeitungen. Der traditionelle Flaggenmarsch jüdischer Israelis durch das muslimische Altstadtviertel bis zur Klagemauer wurde jedoch gestattet. Der Jerusalemtag erinnert an die Annektierung Ostjerusalems durch Israel im Sechstagekrieg (1967).
Die Polizei hinderte rund 150 Juden am Zugang zu der heiligen Stätte. Zugleich kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Polizei. Nach Schätzungen der Polizei verbarrikadierten sich rund 8000 Palästinenser mit Steinen, Metallstangen und Molotowcocktails auf dem Haram al-Scharif (Edles Heiligtum), wie der Tempelberg auf Arabisch bezeichnet wird. Medien berichteten von 200 Verletzten seit den Morgenstunden. Laut dem Roten Halbmond mussten 50 Personen behandelt werden. Ebenso kam es an der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg zu einer Straßenschlacht. Palästinenser des benachbarten Stadtteils Isawijah warfen unter anderem mit Steinen auf Polizisten. Zuvor hatten laut Berichten mehrere jüdische Israelis einen arabischen Bewohner Isawijahs angegriffen.
Hintergrund der Spannungen ist unter anderem die drohende Räumung mehrerer palästinensischer Häuser im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Jarrah zugunsten jüdischer Siedler. Am Sonntag, 9. Mai, vertagte Israels oberstes Gericht eine für Montag geplante Anhörung zu dem Fall auf Antrag von Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit um 30 Tage. Die palästinensischen Familien dürfen bis zur Anhörung in ihren Häusern bleiben. Anwälte der Betroffenen hatten aufgrund der politischen und rechtlichen Folgen des Falls den Einbezug der Generalstaatsanwaltschaft gefordert. Der Streit um den Grundbesitz dauert seit 30 Jahren an. Die Familien wurden als palästinensische Flüchtlinge nach der Staatsgründung Israels in einem Gebiet angesiedelt, das im 19. Jahrhundert von Juden gekauft worden war.

Kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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