Bischof Johann Weber
Er ist heimgegangen

„In seinen über 93 Lebensjahren war Johann Weber fast 70 Jahre Priester, über 50 Jahre Bischof: Sein Leben und Wirken war ein Segen für unser Land und die Kirche“.
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Prälat Heinrich Schnuderl würdigt seinen ehemaligen „Heimatpfarrer“ Johann Weber als Priester und Bischof im Geist des Konzils.

Am Freitag nach Christi Himmelfahrt konnten Prälat Leopold Städtler und ich Altbischof Weber im Landeskrankenhaus besuchen. Er sagte uns, dass er morgen oder in den nächsten Tagen heimgehen werde. Das war mehrdeutig zu verstehen. Am Samstag darauf war es klar: Er hat vom endgültigen Heimgehen gesprochen. Aus dem Glauben heraus dürfen wir sagen: Bischof Johann Weber ist heimgegangen.

Da gehen natürlich die Gedanken zurück
Ich habe den aus Graz stammenden Priester Johann Weber in der Zeit, in der er Diözesanseelsorger der Katholischen Arbeiterjugend war und als solcher unzählige Frauen und Männer geprägt hat, die in der Spiritualität von Kardinal Cardijn im Beruf ihr Apostolat ausgeübt haben und zu tragenden Säulen des kirchlichen Lebens in den steirischen Pfarren geworden sind, kennen gelernt. 1962 wurde er Pfarrer in der Grazer Vorstadtpfarre St. Andrä – mein Heimatpfarrer. Ich durfte erleben, wie Weber mit Laien und Priestern – in einem, wie man sagte, nicht einfachen Milieu – im Geist der kirchlichen Erneuerung des Konzils in unserer Pfarre gewirkt hat: Er hat Vorformen eines Pfarrgemeinderates ins Leben gerufen, die anfangs umstrittenen liturgischen Reformen seines Vorgängers konsequent weitergeführt, mit Überzeugung ökumenische Kontakte geknüpft. Weber hat einen Grazer Pfarrerkreis gegründet und mitbewirkt, dass sich die Grazer Pfarren zu einer besseren Zusammenarbeit als „Stadtkirche“ entschlossen haben. Ich konnte 1967 unter der priesterlichen Begleitung meines Heimatpfarrers in St. Andrä die erste heilige Messe feiern.

Überrascht
Von seiner Ernennung zum steirischen Diözesanbischof im Jahr 1969 waren viele zunächst überrascht: Aufgehorcht hat man über seinen Wahlspruch „Den Armen die Frohe Botschaft verkünden“, der bewusste Verzicht auf ein eigenes Bischofswappen hat erstaunt. Spirituell stand er damit in einer Linie mit den Konzilsvätern, die sich im „Katakombenpakt“ u. a. zum Verzicht auf feudale Umgangsformen verpflichtet hatten. Weber hat das Bischofsamt in einer schwierigen Phase nach dem Konzil angetreten. Das ominöse Jahr 1968 hatte auch in unserer Diözese seine Auswirkungen gezeigt. Es galt, die Beschlüsse des Konzils umzusetzen, manchen ging es zu langsam, anderen zu schnell. Dazu kam, dass in unserer Diözese viele Priester das Amt niedergelegt haben. Der neue Diözesanbischof hat aber auch in dieser Phase neue Impulse gesetzt oder zugelassen: Pfarrgemeinderäte und ein Diözesanrat wurden noch vor der Veröffentlichung des neuen Kirchenrechts gewählt. Der Bischof hat in diesen Gremien der Mitverantwortung das synodale Prinzip der Kirche verwirklicht gesehen.
Nach spannungsreichen Jahren hat Weber für das Jahr 1981 zu einem steirischen Katholikentag aufgerufen – es sollte ein „Fest der Brüderlichkeit“ (damals konnte man dieses Wort noch unbestritten gebrauchen) werden, bei dem wir aktuelle Fragen und Aufgaben diskutiert und mit dem Bischof im Stadtpark beim „Katholikentagskreuz“ die Messe gefeiert haben. Fröhliche Begegnungen der Christen aus dem ganzen Land und mit vielen auch aus dem Ausland angereisten Gästen haben sich ergeben. Diese Tage Ende Juni 1981 haben zum Erlebnis und der Erfahrung von christlicher Gemeinschaft geführt. Im Dreiklang „Beten, Arbeiten, Feiern“ ist dieser Katholikentag zu einem „Markenzeichen“ der steirischen katholischen Kirche geworden. 12 Jahre danach hat die steirische katholische Kirche zu einem „Tag der Steiermark“ unter ähnlichen Vorzeichen und mit starken ökumenischen Akzenten eingeladen. In diesem mit dem Charme des steirischen Diözesanbischofs verbundenen Geist konnte 1997 in Graz auch die zweite europäische Ökumenische Versammlung abgehalten werden.

Über die Steiermark hinaus gewirkt

Bischof Weber hat auch über die Grenzen des Landes hinaus als Mitglied der Bischofskonferenz Verantwortung getragen: Er war jahrelang Jugendbischof, hat als Referatsbischof für die Medien den Kontakt mit den Journalisten, der Presse und dem Rundfunk gepflegt und war auch über die Grenzen Österreichs hinaus gut vernetzt: in gutem Austausch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann von Mainz, befreundet mit dem Bischof von St. Gallen in der Schweiz, Ivo Fürer, und mit dem Nachbarbischof von Marburg/Maribor, Erzbischof Kramberger. 1995 musste er – wieder überraschend – den Vorsitz in der Österreichischen Bischofskonferenz übernehmen. Er hat sich mit Kräften, aber leider nicht angemessen unterstützt von manchen seiner bischöflichen Mitbrüder und von römischen Dikasterien, bemüht und angestrengt, in den Konflikten in der österreichischen katholischen Kirche zu vermitteln. Sein Wirken in der Steiermark war verbunden mit der Haltung des Dialogs. So hat er nun einen „Dialog für Österreich“ angeregt, der 1998 zu einer großen Dialogveranstaltung in Salzburg geführt hat. Das Bemühen Bischof Webers hat zwar zunächst nicht die erhofften Früchte, ein Reformprogramm, gebracht. Im Nachhinein kann aber gesagt werden, ohne dieses Engagement wären die Risse und Spaltungen in der Kirche unseres Landes tiefer und schädlicher gewesen. Die Kirche Österreichs, ja die Weltkirche hat Bischof Weber auch diesbezüglich viel zu danken.
2001 hat Bischof Weber um die Annahme seines Rücktritts als Diözesanbischof gebeten und sich wieder über mehrere Jahre in die pfarrliche Seelsorge eingegliedert. In seinen über 93 Lebensjahren war er fast 70 Jahre Priester, über 50 Jahre Bischof: Sein Leben und Wirken war ein Segen für unser Land und die Kirche. Wir sind ihm von Herzen dankbar. Gott wird es ihm lohnen.

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Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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