Weltkirche
Ein Vatikan-Gesandter in Russland

In Moskau traf der Friedensgesandte des Papstes, Kardinal Matteo Zuppi (in Rot) auf den russisch-orthodoxen Patriarchen und Vertrauten Putins, Kyrill I. (am Tisch gegenüber von Zuppi). Beide bemühten sich um eine harmonische Gesprächsatmosphäre. | Foto: KNA
  • In Moskau traf der Friedensgesandte des Papstes, Kardinal Matteo Zuppi (in Rot) auf den russisch-orthodoxen Patriarchen und Vertrauten Putins, Kyrill I. (am Tisch gegenüber von Zuppi). Beide bemühten sich um eine harmonische Gesprächsatmosphäre.
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Russland. Kardinal Zuppi, Gesandter des Papstes, traf in Moskau bei Friedensmission den politischen Berater Putins und Patriarch Kyrill.

Für Kompromisse zwischen der Ukraine und Russland hat der Friedensgesandte des Papstes, Kardinal Matteo Zuppi, geworben. „Für die Ukraine bedeutet ein gerechter Friede, die Verhältnisse von vor dem Krieg wiederherzustellen“, sagte Zuppi. „Für die Russen bedeutet es, die Gebiete zu annektieren, die ihrer Auffassung nach für Russland gestimmt haben.“ Für all diese Probleme müssten Lösungen gefunden werden.

Zuppi betonte zugleich, dass es einen Aggressor und einen Angegriffenen gebe. „Die Verantwortlichkeiten darf man nicht durcheinanderbringen“, sagte er. Der Kardinal warb zudem für eine großangelegte Friedensinitiative Europas sowie für den Dialog. „Dialog ist ein Stoff, den man auf verschiedene Weise weben kann“, so Zuppi. Es brauche viele Initiativen, um das „empfindliche Gewebe des Friedens“ wiederherzustellen.

Am 30. Juni hatte Zuppi, der auch Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz sowie Erzbischof von Bologna ist, seine Reise nach Moskau beendet. Dort sprach er unter anderem mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow und Russlands Kinderrechtsbeauftragter Maria Lwowa-Belowa über humanitäre Themen. Gegen die Politikerin liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder vor. Ob es in den Gesprächen auch konkret um dieses Thema ging, wurde nicht öffentlich mitgeteilt.

Nach Kriegsbeginn hatte sich die Stimmung zwischen Franziskus und dem Moskauer Patriarchen deutlich abgekühlt. Zuletzt sendeten aber beide Zeichen der Annäherung. Entsprechend bemühten sich Zuppi und Kyrill bei ihrem Treffen um eine harmonische Atmosphäre.

Das Patriarchat veröffentlichte am 29. Juni ein Video, das die beiden im Gespräch an einem Tisch mit Dolmetschern und weiteren Teilnehmern zeigt. In einer Lage, in der das Risiko für einen Konflikt großen Ausmaßes bestehe, sei es sehr wichtig, dass sich alle Kräfte vereinen, die sich von diesen Entwicklungen abheben wollen, sagte Kyrill. Die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche hätten Erfahrung in Zusammenarbeit. „Während des Kalten Krieges gab es einen Dialog“, so Zuppi. In der nun angeheizten Situation brauche es noch mehr und nicht weniger Kommunikation.

Friedensmission nicht zu Ende
Papst Franziskus hatte Zuppi Ende Mai zum Leiter einer vatikanischen Friedensmission ernannt. Vor vier Wochen war der 67-Jährige bereits in die Ukraine gereist und hatte dort unter anderen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj gesprochen. Dieser hatte den Papst um Hilfe gebeten, was die mutmaßlich verschleppten Kinder angeht.

Ob Zuppis Mission zum Frieden führen oder zumindest ein Baustein auf dem Weg dahin sein kann, muss sich zeigen. Der russische Bischof Clemens Pickel erinnerte in einem Blog daran, dass „kleine Schritte, keine großen Entwürfe“ das Ziel des Gesandten waren. Nach dessen Rückkehr in den Vatikan ist die Friedensmission des Papstes also noch nicht zu Ende.

Quelle: KATHPRESS/VATICAN NEWS

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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