Weltkirche
Edle Einfachheit
Des Papstes neue Kleider. Vor 60 Jahren informierte Kardinaldekan Eugene Tisserant über die neue Kleiderordnung, die bis heute hält.
Soutanen aus Wolle statt aus Seide, der schwarze Kardinalshut mit rotgoldenen Kordeln abgeschafft, und verbannt die rot eingefassten Schuhe. Diese und weitere Kleidervorschriften mussten Mitglieder der Kardinalskurie beginnend mit Februar 1965 über sich ergehen lassen. Im Zuge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ging es der Pracht des Kardinalsstandes buchstäblich an den Kragen. Die Prunkgewänder der päpstlichen Senatoren spiegelten nach alter Auffassung die jahrhundertealte Tradition der Kirche wider – das Konzil wies einen neuen Weg, auf dem es galt, Ballast auch in Form von edlem Tuche abzuwerfen.
Eine Krone für die Armen
Mit gutem Beispiel voran ging Papst Paul VI. (1963–1978), der seine Papstkrone, die Tiara, aus Gründen „edler Einfachheit“ ablegte und sie zum Verkauf freigab zugunsten Bedürftiger. „Die moderne Mentalität (…) möchte, dass Korrektheit und Anstand im Gleichklang seien mit Einfachheit, Zweckmäßigkeit und dem Geist von Demut und Armut“, ist in einem Schreiben seines Staatssekretariates zur Kleiderordnung in Zeiten der „68er“ zu lesen.
Im Zeichen dieser neuen Einfachheit stand auch das Pontifikat Johannes Paul II. (1978–2005). Benedikt XVI. (2005–2013) hingegen kleidete sich zwar privat bescheiden, „dienstlich“ kombinierte er die Insignien seiner Vorgänger aber oft subtil kirchenhistorisch – mit dem Ergebnis, dass viele an der Kurie dem modischen Vorbild ihres Souveräns folgten und Quast und Spitzenhäubchen quasi durch die Hintertür wieder Einzug hielten in den Vatikan.
Seit 2013 nimmt auch Papst Franziskus einen neuen Anlauf in Punkto Einfachheit. Der aktuelle Papst mahnt nicht nur in einer Brandrede über „Krankheiten in der Kurie“ zu Schlichtheit und authentischem Priestertum; Franziskus predigt auch eine verbeulte Kirche im Einsatz für die Bedürftigen und ermahnte neu ernannte Kardiäle sogar schon zu einer bescheidenen Feier. Ganz so, wie es dem dienenden Charakter ihrer neuen Würde entspreche.
Alexander Brüggemann/Kathpress (gek.)
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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