Kardinal Turkson im Interview
Die Welt verstehen

Der im heutigen Ghana geborene Kardinal Peter Turkson leitet die Päpstliche Akademie der Wissenschaften und gilt als oberster kirchlicher Klima- und Umweltschützer.
 | Foto: Richter Frank-Jurgen,  CC BY-SA 2.0, via wmc.
  • Der im heutigen Ghana geborene Kardinal Peter Turkson leitet die Päpstliche Akademie der Wissenschaften und gilt als oberster kirchlicher Klima- und Umweltschützer.
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Auszüge aus einem Interview mit Kardinal Turkson, Leiter der Päpstlichen Wissenschaftsakademie:

Die Klima- und Umweltkrise hat einzig und allein mit uns Menschen zu tun, mit unserem Hang zum Konsumismus“: Mit dieser Aussage nimmt Kurienkardinal Peter Turkson Wirtschaft, Industrie und Technologie in die Verantwortung. Jeder Einzelne sei dazu verpflichtet, die Natur als „gemeinsames Zuhause“ zu bewahren, forderte der Leiter der Päpstlichen Wissenschaftsakademie in einem Interview in der Wiener Zeitung. Dazu gehöre auch, dass der Profit nicht nur einigen wenigen vorbehalten sein solle, sondern allen zugutekommen müsse. „Ich bin nicht gegen den Markt. Aber wir sollten den Kapitalismus nicht absolut setzen“, so der 74-Jährige.

Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, denn er sei es, der „kreativ und innovativ ist, also muss sich auch immer alles um sein Wohl drehen“, betonte der Kardinal. Natur sei nach christlicher Auffassung etwas Erschaffenes: „Für alle, die an Gott glauben, heißt das, dass wir Geschöpfe Gottes sind. Für die anderen ist Natur die von Biodiversität gebildete Umgebung, in der sie leben, ja die alles Leben eigentlich erst ermöglicht.“
Folglich wäre die Natur ohne den Menschen „etwas ohne Sinn“. Der Mensch gäbe der Natur Sinn, indem er von ihr rede und sie „Natur“ nenne. Die Menschen seien damit aber auch verpflichtet, die Natur zu bewahren. Als dringenden Appell dazu nannte Turkson die Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus, in der das Bemühen um eine integrale Ökologie eine zentrale Stelle einnimmt.

Auch die Bibel beschreibe die Natur als einen besonderen Ort – als Garten Eden –, den wir Menschen „nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und deren Nachkommen bestellen müssen, damit auch für diese Leben möglich ist“. Der Kardinal wies dabei das Bild des Gartens als statisch oder gar hierarchisch zurück; vielmehr beanspruche er „viel Zeit, muss bepflanzt, gejätet, gegossen, ständig gepflegt werden. Tut man das nicht, verwildert er“. Die Aufgabe des Menschen sei es dabei, für die Natur da zu sein, so Turkson.

Explosion an Innovation und Wissen
Den Ursprung der Klimakrise sieht Turkson in der Industriellen Revolution und der Erfindung der kohlebetriebenen Dampfmaschine. Er stellte jedoch klar, dass es der Kirche nicht darum ginge, beides zu verteufeln, „denn die Entdeckung der neuen Technologien führte zu einer Explosion an Innovation und Wissen. Und das war gut so“, so Turkson im Interview, das im Rahmen des Pfingstdialogs „Geist und Gegenwart“ geführt wurde.

„Business und Technologie stehen nicht in Widerspruch zu Gott. Vielmehr sollten sie sich als seine Partner, als Mitschöpfer begreifen.“ So seien Konsum oder Kapitalismus nicht per se schlecht, jedoch sollte Profit „nicht das einzige Ziel sein“. In die Kritik nahm Turkson die Pharmaindustrie, die kein Interesse an den vielen vergessenen Krankheiten auf der Welt habe, „weil sich kein Geld damit machen lässt“.

Kritik äußerte er an der Überzeugung, dass es die Idee von Gott nicht mehr brauche. „In meinen Augen ist das ein großer Irrtum. Wer heute sagt, er glaube an Gott, der wird von vielen als ignorant oder unwissend betrachtet. Wir wenden uns aber an Gott, weil wir erkennen, dass all die Wissenschaften und Technologien für sich nicht ausreichen, um die Welt zu verstehen.“

KATHPRESS

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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