Weltkirche
Der Mensch als Ware

Wenn Menschen in ihrer Handlungsfreiheit so weit eingeschränkt werden, dass sie nicht mehr frei über ihre Arbeitskraft verfügen oder ihre Situation bestimmen können, spricht man von Menschenhandel. Um darauf aufmerksam zu machen, führte Papst Franziskus 2015 den kirchlichen „Welttag des Gebets und der Besinnung gegen Menschenhandel“ am 8. Februar ein. | Foto: Erzdiözese Wien
  • Wenn Menschen in ihrer Handlungsfreiheit so weit eingeschränkt werden, dass sie nicht mehr frei über ihre Arbeitskraft verfügen oder ihre Situation bestimmen können, spricht man von Menschenhandel. Um darauf aufmerksam zu machen, führte Papst Franziskus 2015 den kirchlichen „Welttag des Gebets und der Besinnung gegen Menschenhandel“ am 8. Februar ein.
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Menschenhandel bleibt oft unsichtbar. Eine Ordensfrau erklärt, wie Armut, Flucht und Manipulation Menschen in Gefahr bringen.

Sexuelle Ausbeutung und Zwangsprostitution, Nötigung zu Betteltätigkeit, erzwungene Organentnahme oder Leihmutterschaft, Zwangsverheiratung, illegale Adoption oder Arbeitsausbeutung: All das verbirgt sich hinter dem Wort „Menschenhandel“. Laut deutschem Statistischem Bundesamt sind weltweit etwa 50 Millionen Menschen davon betroffen.

Auf die immer noch viel zu wenig bekannten dramatischen Ausmaße des Menschenhandels machte am 8. Februar Marjolein Bruinen aufmerksam. Die Dominikanerin aus den Niederlanden setzt sich an vorderster Front ein für die Opfer. Im Interview mit Radio Vatikan berichtet sie als Generalsekretärin der Union der Europäischen Konferenzen der Höheren OrdensoberInnen (UCESM) – einer Organisation, die den Austausch zwischen Ordensleuten auf internationaler Ebene fördert.

Armut, Flucht und fehlende Nestwärme. „Wir engagieren uns unter anderem für Aufklärung“, erzählt Bruinen, „und stehen oft im direkten Umfeld von Familien. Wir sehen, was passiert, manchmal sogar früher als die eigenen Eltern, beispielsweise wenn es darum geht, dass die Kinder durch einen ‚Loverboy‘ oder ein ‚Lovergirl‘ verführt werden“. Diese würden andere erst emotional manipulieren und dann zu Prostitution oder sexueller Ausbeutung zwingen.

Armut sei ein wesentlicher Faktor für Menschenhandel. „Frauen, darunter auch promovierte Ärztinnen und Juristinnen, hoffen, in kurzer Zeit im wohlhabenden Ausland Geld zu sammeln, um in ihrem Heimatland eine Praxis aufzubauen. Aber sie haben keine Ahnung, wo sie landen werden“, erzählt Sr. Marjolein Bruinen. Eine weitere Rolle würden Krieg und damit verbundene erzwungene Flucht spielen – ebenso wie „das Fehlen eines eigenen warmherzigen Zuhauses“. Gerade „Loverboys und -girls“ würden das gezielt ausnutzen, um Menschen unter Vorspielen von Zuneigung abhängig zu machen.

Weitersagen hilft. Als größte Herausforderung weist Sr. Bruinen auf das Problem der Unsichtbarkeit hin: Die Delikte würden oft hinter der Haustür geschehen, die Betroffenen hätten Angst, zur Polizei zu gehen, „weil sie selbst schlechte Erfahrungen mit den Sicherheitskräften im eigenen Land gemacht haben“. Zur Frage, was jedeR Einzelne gegen Menschenhandel tun könne, meinte die Ordensfrau: „Nach einem Vortrag habe ich immer gesagt: ,Wenn jeder, der hier sitzt, diese Geschichte einer weiteren Person erzählt, und diese Person tut das auch, dann wird dieses Dorf bald sicherer sein.‘ Das gilt auch für unsere Breitengrade.“ In einem ersten Schritt gehe es darum, Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und die Augen vor derartigen Situationennicht zu verschließen.

Anna Maria Steiner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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