Kirche Steiermark
Demokratie ist eine Lebensform
- Schmökern, zuhören, weiterbilden: An der Privaten Pädagogischen Hochschule (PPH) Augustinum in Graz trafen sich evangelische und katholische Religionslehrende.
- Foto: Gerd Neuhold / Sonntagsblatt für Steiermark
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Sommer.Bildung 2025. Mit einem Vortrag über Demokratie-Vermittlung eröffnete die Theologin Regina Polak die diesjährige ökumenische Weiterbildung für ReligionslehrerInnen.
Die Welt ist schwierig“, sagte Regina Polak. Und: „Kinder wissen das.“ Auch, wenn die Aussage banal klingt, spricht sie damit eine der Kernaufgaben des Religionsunterrichtes an: Das Vermitteln von Zuversicht in einer zusehends komplexer werdenden Welt.
In einem vollen Festsaal am Bischöflichen Campus Augustinum in Graz eröffnete Regina Polak am 1. September 2025 die Weiterbildung der evangelischen und katholischen ReligionslehrerInnen und damit deren Start ins neue Schuljahr. Innerhalb des Dreijahresthemas „Mensch sein“ stellte sie in ihrem Vortrag die Frage „Demokratie – Mittel zum Zweck oder Voraussetzung?“ und bot Ansätze zur Demokratievermittlung im Religionsunterricht.
Notwendige Weiterentwicklung. Es sei einfach, demokratisch zu sein und zu agieren, solange man in Sicherheit lebe und in relativem Wohlstand. Doch was, wenn Demokratie Gefahr läuft, durch autoritäre Strukturen abgelöst zu werden? Die 2024 durchgeführte Studie mit dem Titel „Was glaubt Österreich?“ verdeutliche, dass auch in Ländern wie Österreich der Wunsch nach einem „starken Mann“ durchaus vorhanden sei. Zwar seien es hierzulande nur etwa sieben Prozent, die eine autoritäre Regierungsform gegenüber einer demokratischen bevorzugen würden. Doch auch die dieser Minderheit zahlenmäßig klar überlegenen ÖsterreicherInnen, die ein „Weiß-nicht-Verhalten“ an den Tag legen, würden zu Demokratieverlust beitragen. Genau hier, so Polak, beginne freilich auch der „Kampf“ im Sinne einer Anstrengung zum Demokratie-Erhalt. „Es geht um eine innere Anstrengung und um den Mut, dasjenige, was ich als wahr und richtig erkannt habe, auch in schwierigen Zeiten zu bewahren“, sagt die Uniprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog. Damit verbunden sei, Demokratie nicht als abgeschlossenen Zustand aufzufassen, sondern als Lebensform, die stets weiterentwickelt werden müsse – auch dann, wenn scheinbare Sicherheiten damit verloren gingen.
Sehnsucht und Resilienz. „Wir werden immer wieder vertrieben aus unseren Heimaten und Sicherheiten“, so Polak. „Das tut weh und ist schmerzhaft – auch für mich. Die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, ist unwiderruflich vorbei.“ Mit dieser Tatsache würden sich viele plagen – Erwachsene und bereits Kinder. Dass der Religionsunterricht hier nicht nur Trost spenden, sondern auch helfen könne, liegt für die Theologin auf der Hand: „strukturell im Ermöglichen von Teilhabe, und inhaltlich im Erzählen von Hoffnungsgeschichten.“ Letztere würden aufzeigen, dass Gutes möglich sei und Sehnsucht danach wecken. „Lassen Sie die Kinder träumen von einem guten Leben“, schließt Regina Polak ihren Vortrag. „Das tun sie eigentlich von selbst, wenn man es ihnen nicht durch vorzeitig vermittelten Realismus austreibt.“
Anna Maria Steiner
„Wie wir leben wollen“
Das von Regina Polak u. a. herausgegebene Buch erscheint im Oktober. Beiträge von ExpertInnen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zeichnen das Zukunftsbild einer demokratischen Gesellchaft. (ca. € 26,–)
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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