Weizer Pfingstvision
Spuren des Himmels

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes wurden am Pfingstsonntag symbolisch mit sieben Kerzenschalen in die Basilika am Weizberg getragen. Bei der Wort-Gottes-Feier predigte der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner.
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Paul Zulehner predigte am Pfingstsonntag in der Basilika am Weizberg darüber, was das Pfingstereignis und die Corona-Krise miteinander zu tun haben.

Unter Getöse zogen sie ein: die Gaben des Heiligen Geistes, symbolisiert durch sieben große, lodernde Flammen in tönernen Kerzenschalen, getragen von sieben Menschen – einer von ihnen war der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner, der die Predigt in dieser Wort-Gottes-Feier hielt. Die Feier war der diesjährige Abschluss des pfingstlichen Programms der „Weizer Pfingstvision“.

Ungewisse Zeiten erfordern Empathie
Man befinde sich derzeit in einer ungewissen Zwischenzeit, so Zulehner, „eine Zeit, in der gewohnte Verhältnisse schlagartig enden und noch nicht klar ist, was kommen wird.“ Zulehner warnte, vorschnell von einer rosigen Zukunft zu träumen oder unreflektiert davon zu sprechen, dass jede Krise auch eine Chance in sich berge: „Für mich ist das ein gar schnell hingesagter und für manche Betroffene sogar unerträglicher Satz. Vor allem dann, wenn nicht unmissverständlich klar dazugesagt wird, dass solche pandemische Krisen herausfordern und mit hoher Anstrengung aller gemeistert werden müssen; und dass Chancen, wenn es sie gibt, hart zu erarbeiten sind.“
Der Theologe verwies auf das Pfingstereignis, wie es in der biblischen Apostelgeschichte beschrieben wird. Die Jünger befanden sich nach dem Tod Jesu und der Auferstehung, die sie noch nicht so recht verstanden hatten, auch in einer Art Zwischenzeit. Doch zu Pfingsten hätten sie gespürt: „Da tut sich etwas, da geschieht etwas mit uns, das uns erfasst hat.“
Das erste Ergebnis dieses Pfingstereignisses seien – modern übersetzt – internationale Sprachbegabung und ein erweitertes Einfühlungsvermögen gewesen, so Zulehner: „Die einfachen Galiläer begannen sich so empathisch auszudrücken, dass sich alle verstanden fühlen konnten, die sie hörten.“
Solche Erfahrungen würden auch der Kirche guttun: „Nicht die anderen müssen unsere Sprache als Wissenschaftler oder Kirchenleute und damit unsere Kultur und Ansichten lernen, sondern wir lernen Empathie in die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Anderen.“ Pfingsten habe aus Provinzlern Weltbürger gemacht. Zulehner: „Gottes Geist weitet unsere Blicke und unser Herz zu allen Völkern der Erde. Er macht uns im strengen Sinn dieses Wortes katholisch – alle umfassend.“

Aufruf zu einer Pandemie der Solidarität
Schon vor Corona sei die Weltgemeinschaft laut Zulehner vor enormen Herausforderungen gestanden: „Durch Corona sind diese in greller Deutlichkeit ans Licht getreten.“ Der Pastoraltheologe warnte in seiner Predigt: „Vor dem Virus sind alle gleich. Aber das Virus trifft nicht alle gleich! Es trifft die Schwarzen in den USA mehr als die Weißen. Das reiche Österreich kann sich weit besser helfen als das wirtschaftlich bedrängte Ecuador“.
Darum rief Zulehner auf: „Lasst uns die ‚Pandemie der Covid-19-Krise‘ umwandeln in eine ‚Pandemie der Solidarität‘. Solidarität ist aber kein frommes Gefühl, sondern eine handfeste Tauglichkeit, Tugend, Kompetenz. Die ermutigt, sich für jene einzusetzen, die das Virus mehr als andere trifft.“ Denn Jesus sei es nicht bloß darum gegangen, „dass die Menschen unbeschädigt in den Himmel kommen, sondern dass jetzt schon der Himmel zu uns kommt. In Spuren wenigstens.“

Katharina Grager/Kathpress

Weizer Pfingstvision online
Informationen zur Weizer Pfingstvision, die Predigt von Prof. Zulehner in schriftlicher Form, den Gottesdienst vom Pfingstsonntag zum Nachsehen und weitere Pfingst-Impulse finden Sie auf www.pfingstvision.at

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes wurden am Pfingstsonntag symbolisch mit sieben Kerzenschalen in die Basilika am Weizberg getragen. Bei der Wort-Gottes-Feier predigte der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner.
Prof. Paul Zulehner rief zur „Pandemie der Solidarität“ auf, als Einsatz für jene, „die das Virus mehr trifft als andere“.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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