Glaube
Pfingsten: Gott in uns

Taube in der Heilig-Geist-Kirche Telfs-Schlichtling (Tirol). Die künstlerische Gestaltung stammt von Maurizio Bonato (geb. 1953). | Foto: Rosenkranz
  • Taube in der Heilig-Geist-Kirche Telfs-Schlichtling (Tirol). Die künstlerische Gestaltung stammt von Maurizio Bonato (geb. 1953).
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Über den Heiligen Geist, sein Wesen, seine Gestalt und seine Wirkung denkt der Franziskaner-Pater Willibald Hopfgartner nach.

Der Heilige Geist ist für viele etwas schwer Verständliches. Auch die Tatsache, dass er in der christlichen Ikonographie als Taube erscheint, macht es uns nicht leichter.
Außer wir denken daran, dass er biblisch zum ersten Mal fassbar ist im Moment der Taufe Jesu im Jordan. Denn die Stimme, die das Erscheinen der Taube begleitet, kommt vom Himmel und ist die Stimme des Vaters: „Das ist mein geliebter Sohn.“

Es ist also die Zusage der Gottessohnschaft an Jesus von Nazareth, die vom Heiligen Geist begleitet wird. Für ihn ist es die Sicherheit, jenseits seiner persönlichen Erfahrung – die natürlich vorher schon da war – Gottes Sohn zu sein. Etwas, das jedem Christen, jeder Christin, zuteil wird in der Taufe.

Ich kann mich persönlich ja als gläubiger Mensch empfinden – und manche sagen: Das genügt mir, ich brauche dazu „nichts Kirchliches“. Die Taufe ist aber das Zeichen dafür, dass Gottes Zusage, „du bist ein Kind Gottes“ von oben verbürgt wird, dass es ab diesem Moment eine innere Verbindung zwischen meiner Existenz und Gott gibt. Nicht dass diese Verbindung immer aktiv ist, aber sie ist – so wie beim Handy – immer möglich. Und meistens gibt es viel häufiger Anrufe von „oben“ als das Abheben „unten“.

Gott in uns
Vor seinem Abschied aus der irdischen Welt gibt Jesus seinen Jüngern die Zusicherung, dass sie nun einen „anderen Beistand“ (Joh 14,16) empfangen werden, da er selbst, persönlich, nicht mehr unter ihnen sein wird. Er wird nicht mehr sichtbar VOR ihnen, als ihr Lehrer und Mentor, da sein. Er wird jetzt IN ihnen wirken, durch den einen Geist, der in ihm und den Jüngern wohnt.
Das ist das eigentliche Wunder des Heiligen Geistes: Gott ist in seinem Sohn nicht mehr vor uns, sondern durch seinen Geist in uns. Gott zeigt seine Liebe nicht mehr durch Worte und Taten von außen (das auch!), sondern, indem er innerlich bei uns ist, zu uns spricht, uns ermuntert, tröstet, gute Ideen gibt, Zusammenhalt und Vergebung wirkt – in uns, im Herzen und im Kopf.

Neues Dasein in der Welt
Und das ist jetzt auch die Grundlage dafür, dass die Jünger hinausziehen können, die Botschaft Jesu verkünden, unter den Menschen Gemeinschaft aufbauen, ein von seinem Geist geleitetes neues Dasein in der Welt bezeugen. Jetzt wird das Evangelium konkret sichtbar in der Welt, durch das Leben seiner Gemeinschaft, der Kirche.
Die Kirche ist nicht eine NGO zur Erweckung religiöser Gefühle, sie ist die Praxis der Botschaft Jesu, die von seinem Geist gewirkt wird. Das deutsche Wort „Kirche“ ist ja in seiner Lautgestalt ein griechisches Wort – to kyriakón – „das dem Herrn Gehörige.“ Dem Herrn gehörend, also nicht „autonom“, sondern lebendig aus dem Hören auf den Hirten dieser Herde. Und in seinem Bildwort haben wir es wieder: „Wer in mir – dem Weinstock – bleibt, bringt reiche Frucht.“ (Joh 15,5)

Es ist sein Geist IN uns, der allein unser Tun fruchtbar macht, also etwas von Gott Kommendes erscheinen lässt. Grund genug also, die großen Hymnen zum Heiligen Geist aus ganzem Herzen zu singen und uns ihre Bitte zu eigen zu machen: „Dein Schöpferwort rief uns zum Sein, nun hauch uns Gottes Leben ein.“

P. Willibald Hopfgartner
Franziskaner in Graz

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

2. Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.
3. Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

4. Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.
5. Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

6. Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.
7. Den Vater auf dem ew’gen Thron
und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist. Amen.

Nach „Veni, creator Spiritus“,
Hrabanus Maurus zugeschrieben,
Übersetzung: Friedrich Dörr.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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