Glaube
Neues Konzil fällig?
- Papst Paul VI. wird zum Ende des II. Vatikanischen Konzils am 8. Dezember 1965 auf seiner Kathedra sitzend aus dem Petersdom getragen. Ist die Zeit reif für ein weiteres Konzil? Der Grazer Dogmatiker Bernhard Körner betont: „Es gibt in der Kirche keine höhere Autorität als die eines Konzils, das vom Papst approbiert ist.“
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Als Ort der Problemlösung hätten sich die Konzilien bewährt. Theologen denken nach, ob ein weiteres Konzil sinnvoll wäre.
Sechzig Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils am 8. Dezember 1965 ist die Zeit reif, über ein neues Konzil nachzudenken. Dies betonten die Salzburger Theologen Gregor Maria Hoff und Dietmar Winkler sowie die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger in einer neuen Folge des Theologie-Podcasts Diesseits von Eden. Konzilien seien stets Orte der Problemerörterung und -lösung gewesen – und heute habe sich ein Problemüberhang in Form von Spaltungstendenzen eingestellt, der nach einer konziliaren Debatte und Entscheidung verlange, sagte der Kirchenhistoriker Winkler: „Das Konzil ist der genuine Platz zur Überwindung von Spannungen.“
Der begonnene Synodale Prozess sei ein guter Auftakt, er könne auch eine entsprechende kirchliche Dialog- und Beteiligungskultur bereiten und die kirchliche Transformation vorantreiben, aber irgendwann, so Hoff, werde der Moment kommen, Entscheidungen zu treffen: Dies gelte etwa für Fragen wie die Frauenordination, den Umgang mit Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und auch bei Themen, die sich so vor 60 Jahren noch nicht stellten, wie die Schöpfungsverantwortung angesichts der Klimakrise, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie das heute stärker werdende „rechts-katholische Moment“, das danach trachte, „eine offene Kirche in eine geschlossene Gesellschaft zu verwandeln“.
Auf Dauer könne sich die katholische Kirche gerade bei den „heißen Eisen“ nicht einer lehramtlichen Entscheidung entziehen, zeigte sich Hoff überzeugt. Und das bedeute, „dass wir an einem Konzil nicht vorbeikommen – wenn es gut vorbereitet ist durch synodale Transformationsprozesse“.
Zugleich unterstrichen die drei Theo-logInnen die Aktualität gerade der letzten Dokumente, die das Konzil verabschiedet hat – darunter die drei laut Quast-Neulinger aufeinander bezogenen Dokumente Gaudium et spes, Dignitatis humanae und Nostra aetate. Während Gaudium et spes eine Art „hermeneutischen Schlüssel“ zum gesamten Konzil biete und die „kopernikanische Wende“ der kirchlichen Hinwendung zur Welt beschreibe, seien die Dokumente über die Religionsfreiheit und den Dialog mit den nicht-christlichen Religionen Entfaltungen eben dieses neuen kirchlichen Verhältnisses zur Welt, erörterte die Theologin.
Der Grazer Dogmatiker Bernhard Körner hält hingegen ein Drittes Vatikanisches Konzil für unwahrscheinlich – aus ganz praktischen Gründen. Gegenüber der Kärntner Kirchenzeitung Sonntag gab er zu bedenken: „Zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils gab es in der katholischen Kirche rund 2800 Bischöfe. Heute sind es über 4000.“ Ihm scheint „das Modell der durch Laien erweiterten Bischofssynoden von Papst Franziskus für die heutige Zeit ein sehr viel besseres“ zu sein.
Kathpress/Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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