Corona
Koste es, was es wolle

Jesus als barmherzigen Heiland auf Seite der Kranken zeigte das große Fastentuch von Sepp Jahn und Edith Hirsch im Dominikanerinnenkloster Kirchberg am Wechsel.
3Bilder
  • Jesus als barmherzigen Heiland auf Seite der Kranken zeigte das große Fastentuch von Sepp Jahn und Edith Hirsch im Dominikanerinnenkloster Kirchberg am Wechsel.
  • Foto: Rupprecht
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Rettung um jeden Preis ist zutiefst christlich, betont der Theologe Józef Niewiadomski. Ein Konzept der „Herdenimmunität“ erinnere dagegen an alte Opferkulte.

Barmherzigkeit
Barmherzigkeit findet man „überall dort, wo Menschen sich von Not berühren lassen, Hilfe leisten oder gar ihr eigenes Leben riskieren, um andere zu retten – mit oder auch ohne Berufung auf Gott.“

Als „Zeichen der Barmherzigkeit Gottes“ können laut dem Innsbrucker Theologen Józef Niewiadomski auch politische Strategien gesehen werden, die sich unter Einsatz enormer Mittel um Minimierung der Infektionen mit dem Coronavirus bemühen. Ein Merkmal der Barmherzigkeit sei nämlich, „dass sie rettet, koste es, was es wolle“, sagte der Dogmatiker bei einem Interview mit „Kathpress“. Das sei im christlichen Verständnis auch der „tiefste Grund für die Menschwerdung Gottes, für sein Mitgehen mit uns und auch sein Kreuz“ gewesen.
Zu einer ganz anderen Beurteilung kommt der Theologe bei der alternativen Zugangsweise der sogenannten „Herdenimmunität“: Dabei würden Infektionen bewusst in Kauf genommen, und man kalkuliere eine „berechenbare“ Menge an Menschenleben, die zur Beendigung der Pandemie nötig sind. Für Niewiadomski ist dies „die moderne Variante des alten Opferkultes“: Um den Zorn der Götter zu besänftigen, opfere man bewusst eine kleinere Menge an Menschenleben – wobei im aktuellen Fall die Pandemie die Rolle des „Götzen“ übernehme.

Niewiadomski äußerte sich dazu mit Blick auf den „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“, den die katholische Kirche am Weißen Sonntag, 19. April, beging. Barmherzigkeit als ein „Spezifikum christlichen Glaubens“ sei heute mehr denn je angefragt, so die Empfindung des Theologen und Priesters. Soziale Krisen brächten stets Aufwind für Verdächtigungen, Schuldzuweisungen, Sündenbockjagden und Hetze, für eine „Rette sich, wer kann“-Mentalität und auch für das Kollektivgefühl, ein ungerechtes Opfer zu sein. Als Folge entstünden Sammelklagen, und kaum jemand entschuldige sich noch öffentlich – aus Angst, dafür dann auch zur Rechenschaft gezogen zu werden. Niewiadomski: „Eine Kultur, die nur auf Gerechtigkeit aufbaut, kann in einer Krise schnell zur Hölle werden.“

Die Kirche sei von solchen Dynamiken der Selbstgerechtigkeit nicht ausgenommen, bekannte der Wissenschaftler. „Wir schaffen es oft nicht, überzeugend von den Guten und Heiligen unserer Tage zu reden, ohne gleich die Gegenfolie dafür zu liefern.“

Völlig zu Recht würden derzeit Bischöfe, Priester und Theologen „fast gebetsmühlenartig“ der von manchen Kreisen vertretenen These, die Corona-Pandemie sei eine „gerechte Strafe Gottes“, widersprechen. Dies schaffe freilich neuen Erklärungsbedarf, wie es denn um die Barmherzigkeit Gottes nun konkret bestellt sei – was eine enorme Herausforderung sei. Konzepte von einem „abwesenden“, „schweigenden“ oder gar „ohnmächtigen“ Gott wies Niewiadomski zurück, denn: „In der Bedrohung nicht präsent zu sein, bedeutet, für die unter der Bedrohung leidenden Menschen irrelevant zu werden.“

Die Antwort des Innsbrucker Theologen: „Das christliche Gottesbild zwingt, Gott im menschgewordenen Sohn zu glauben und sein Involviertsein in die Leiden der Katastrophe in den Vordergrund zu rücken.“ Damit verbunden sei ein Bezeugen der Hoffnung, „dass die Katastrophe und der Tod nicht das letzte Wort haben, sondern Gott selber und nur er“. Nicht nur zu Ostern sei es nötig, an die Auferweckung der Toten zu erinnern – „eine Hoffnung, die selbst den Bildern von Massengräbern, wie sie in manchen Regionen jetzt nötig sind, standhält“. In diesem Glauben zu leben, mache gelassener und resistenter gegen eine Anschuldigungs-Kultur.

kathpress

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen