Stichwort: Krankensalbung
In das Kraftfeld Jesu eintauchen
- An der Stirn und an den Händen gesalbt wird der oder die Kranke vom Priester, der dabei die heilsame und liebevolle Berührung durch Jesus Christus weitergibt.
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Nicht „Letzte Ölung“, sondern umfassende Heilung. Das Sakrament der Krankensalbung ist kein Sterberitual, sondern Stärkung zum Leben.
Bei mir ist es noch nicht so weit!“ Jeder Priester wird schon erlebt haben, dass ihm beim Betreten eines Krankenzimmers diese Worte entgegenschallen. Wenn der Pfarrer kommt, so schlussfolgern viele, dann steht das Ende unmittelbar bevor. Wenn Ärzte und Pflegende nichts mehr ausrichten können und jede Hoffnung begraben ist, dann soll der Priester „übernehmen“, der Verwalter der letzten Dinge, der Begleitschutz zur Himmelspforte. Reinhard Mey würde beim Empfang der Krankensalbung vielleicht singen: „Und ich hoffe sehr dabei, dass die Ölung, die ich kriege, doch noch nicht die letzte sei.“
Nach wie vor ist der Begriff „Letzte Ölung“ sehr tief im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Und nicht selten wird mit der Verständigung des Priesters so lange gewartet, dass es einerseits zum Wettlauf gegen die Zeit wird, ob er noch vor dem Dahinscheiden des Sterbenden eintrifft, und dass andererseits jener nicht mehr in der Lage ist, das Geschehen bewusst mitzuvollziehen. Dann liegt der Fokus der Handlung nicht auf dem Menschen, der das Sakrament empfängt, sondern auf der Tröstung der Angehörigen, die mit der Ohnmachtserfahrung zu kämpfen haben, dass sie nichts mehr für ihren Sterbenden tun können.
Natürlich ist auch deren Begleitung eine wichtige seelsorgliche Aufgabe, aber dafür sind andere Formen zu finden, die beim Abschiednehmen und Loslassen helfen, die Kostbarkeit dieses Menschen würdigen oder zur Heilung von unversöhnt Gebliebenem beitragen.
Heilsam berührt von Christus
Die Krankensalbung ist jedoch nicht als Sterberitual gedacht, sondern als Sakrament der Heilung. Darin ereignet sich die heilsame Zuwendung Jesu Christi zu einem Menschen. Sakramente sind kein Hokuspokus, sondern ein Beziehungsgeschehen. Und es wird in ihnen erfahrbar, dass Glaube und Christusbeziehung keine rein geistigen, spirituellen Angelegenheiten sind, sondern alle Dimensionen des Menschseins einschließen, auch die leibliche. Zum sakramentalen Geschehen gehören deshalb immer auch Elemente, die die sinnliche Wahrnehmung ansprechen.
In seinem irdischen Leben ist Jesus Menschen immer in einer Weise begegnet, die für sie heilsam war, die ihnen zu mehr Lebendigkeit, zu einem tieferen, umfassenderen Menschsein verholfen hat. Wenn wir uns biblische Heilungserzählungen vor Augen halten, dann merken wir, dass darin immer auch die Dimension der Berührung vorkommt. Jesus berührt den Menschen dort, wo sein Unvermögen und seine Heilgungsbedürftigkeit verortet sind. Er berührt die Augen des Blinden, die Ohren und den Mund des Taubstummen. Und seine Berührung zeichnet sich durch eine Zärtlichkeit und Behutsamkeit aus, die Heilung ermöglicht.
Immer wieder betont Jesus dabei: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Heilung geschieht nicht, weil von Jesus Wunderkräfte ausgehen, sondern weil er diesen Menschen spüren lässt: „Du bist wertvoll. Du bist geliebt. Ich will dir Gutes.“ Heilung geschieht, weil eine Vertrauensbeziehung wächst.
Als ganzer Mensch heil werden
Als Auferstandener wirkt Christus in den Gliedern seines Leibes weiter, die in seinem Namen handeln und Menschen in der gleichen Weise begegnen. In den Sakramenten setzt sich das sinnliche Erleben des Berührtwerdens durch Jesus fort. Bei der Krankensalbung geschieht dies in der konkreten Situation einer existenziellen Grenzerfahrung durch Krankheit oder Verletzung, durch eine massive Beeinträchtigung in der Lebensentfaltung. Die Berührung mit Christus wird hier durch Handauflegung und Salbung vermittelt. Das Salböl lässt an eine Arznei-Salbe denken. Wie diese schenkt das Sakrament auf seine Weise Schmerzlinderung, Stärkung der Abwehrkräfte und Wohlempfinden.
In der Begegnung mit Jesus Christus geht es freilich immer um das umfassende Heil des Menschen, um eine ganzheitliche Heilung. Die Krankensalbung ist kein Patentrezept für eine schnelle Genesung, keine Zauberformel zur Wiederherstellung körperlicher oder psychischer Gesundheit. Sie ist vielmehr eine Einladung, in das heilsame Kraftfeld Jesu einzutauchen, sich mit ihm auf das Wagnis des Vertrauens einzulassen und sich dem verwandelnden und befreienden Wirken Gottes auszusetzen.
Was dabei geschieht, ist nicht absehbar. Das Resultat muss nicht gleich das wundersame Verschwinden einer Krankheit sein. Es muss nicht exakt das eintreffen, was wir uns wünschen. Vielmehr wird die sakramentale Berührung ein Impuls sein, als ganzer Mensch heil zu werden, eine Stärkung auf dem Weg zum vollkommenen Menschsein.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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