Theologische Fakultät Graz
Hilfe ist Gottesdienst

Der Studientag zum Thema „Kirche ohne 
Gottesdienst? Corona und die Liturgie“ am 
11. Dezember fand online statt. Mehr als 
70 Personen folgten der Einladung und hörten neben praktischem Erfahrungsaustausch konzentrierte Analysen und liturgiewissenschaftliche und pastoraltheologische Thesen.
  • Der Studientag zum Thema „Kirche ohne
    Gottesdienst? Corona und die Liturgie“ am
    11. Dezember fand online statt. Mehr als
    70 Personen folgten der Einladung und hörten neben praktischem Erfahrungsaustausch konzentrierte Analysen und liturgiewissenschaftliche und pastoraltheologische Thesen.
  • Foto: Grager
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Liturgie und Corona – die Theologische Fakultät Graz veranstaltete dazu einen Online-Studientag.

Die sozialen Wunden, die durch die Corona-Pandemie sichtbar geworden oder neu entstanden sind, müssen an erster Stelle stehen – nicht nur für die Politik, sondern auch auf der kirchlichen Agenda. Das hat der Grazer Liturgiewissenschaftler Peter Ebenbauer im Rückblick auf den von ihm mitveranstalteten Online-Studientag „Kirche ohne Gottesdienst? Corona und die Liturgie“ der Grazer Uni betont. Wo Leben massiv gefährdet und bedroht ist, hat konkrete Hilfe Vorrang vor allem anderen – auch vor der Liturgie. „Diese Hilfeleistung selbst wird zum Gottesdienst“, wies der Theologe hin.

Lockdown der Liturgie
Zugleich ließ Ebenbauer in seinem Resümee Kritik an den kirchlichen Repräsentanten und deren Agieren in der Corona-Krise anklingen: Liturgie im christlichen Sinn werde immer körperlich-sinnliche Präsenz und reale physische Zusammenkunft für sich beanspruchen. Darauf verzichten zu müssen, sei ein „schmerzlicher Verlust, der nur hingenommen werden kann, wenn es um die Vermeidung akuter Gefahren geht“. Ebenbauer weiter: „Was der Lockdown von Kunst und Kultur für die Gesellschaft bedeutet, das bedeutet der Lockdown der Liturgie für die Kirchen und Religionsgemeinschaften.“ Bei Stellungnahmen kirchlicher Verantwortungsträger würde sich der Theologe – „bei allem Verständnis für strenge Maßnahmen“ – eine ähnlich differenzierte und kritische Haltung erwarten, wie sie Kulturvertreter zeigten.
Der Rückgriff auf „priesterzentrierte Solo-Liturgien“ spiegle jedoch ein Kirchen- und Liturgieverständnis, „in das wir nicht mehr zurückfallen dürfen“. Ebenbauer plädierte demgegenüber für eine netzwerkförmige, basiskirchliche Glaubenspraxis und Gottesdienste sowie für offene Angebote der Begegnung, der Besinnung, des Gebets und des Gottesdienstes. Die Überzeugung des Theologen: „Mit oder ohne Corona: Das wird eine Überlebensfrage der Kirchen in den nächsten Jahrzehnten sein.“

Raum für konkrete Erfahrungen
Mehr als 70 Interessierte, darunter auch Bischof Wilhelm Krautwaschl, hatten an dem von den beiden Instituten für Systematische Theologie und Liturgiewissenschaft sowie für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie veranstalteten Studientag teilgenommen. Referierende waren neben Ebenbauer unter anderen die Pastoraltheologen Rainer Bucher (Graz) und Johann Pock (Wien), die Grazer LiturgiewissenschaftlerInnen Basilius J. Groen und Saskia Löser und der Grazer Religionspädagoge Wolfgang Weirer sowie Bruno Almer (Liturgiereferent der Diözese Graz Seckau), Elisabeth Fritzl (Pastoralreferentin, Seelsorgeraum Graz-Südwest) und Pfarrer Stefan Ulz (Seelsorgeraum Graz-Südost).
Neben liturgiewissenschaftlichen und pastoraltheologischen Beobachtungen und Thesen, wurde viel Raum für konkrete Erfahrungen aus der Pastoral während des ersten Lockdowns und der Zeit danach gegeben. Auch eine angeregte Diskussion war per Onlineplattform möglich. Besonders Fragen zu Online-Gottesdiensten und Hauskirche wurden intensiv diskutiert. Bruno Almer wünschte statt des Gegeneinanders ein Miteinander von digitalem Raum und Kirchenraum. Pfarrer Stefan Ulz schloss seinen Erfahrungsbericht mit einer wichtigen Botschaft: „Christus ist realpräsent in der Eucharistie, aber auch in jedem Menschen, dem ich begegne.“
KATHPRESS / KATHARINA GRAGER

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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