Glaube
Grenzenlos gütig
- Fünf Brote und zwei Fische. Die erste Darstellung des Abendmahls (um 500) auf einem Mosaik in Ravenna knüpft an die wunderbare Speisung an. Anhand frühchristlicher Motive zeigte Peter Trummer, dass das Christentum des ersten Jahrtausends ohne den Opfergedanken auskam.
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Jesus ohne Opfer. In seinem neuen Buch skizziert Peter Trummer Wesenszüge eines Glaubens, der befreit.
Der Gott, den Jesus gepredigt hat und den er vertraulich „Abba“ genannt hat, braucht und will keine Opfer. Davon ist Peter Trummer überzeugt. Im Gespräch mit Johannes Rauchenberger stellte er im KULTUM bei den Minoriten sein jüngstes Buch vor. Die Lehre, „dass Gott Jesus an unserer Stelle strafen musste“, bezeichnet der Bibeltheologe als „großen Sündenfall des Glaubens“.
Jesus habe einen grenzenlos gütigen Gott verkündet, der niemanden von seiner Gastfreundschaft und seiner Liebe ausschließt.Für diese Überzeugung habe er sein Leben eingesetzt, nicht hingegeben, er sei freiwillig und im vollen Bewusstsein der Konsequenzen ans Kreuz gestiegen, „um alle an sich zu ziehen“. Sein Glaube an einen ohne Opfer gnädigen Gott sei es ihm wert gewesen, dafür in den Tod zu gehen. Erlösung bestehe darin, „vertrauensvoll leben zu können mit der Bürde des Menschseins“ – ohne von Angst und Schuldgefühlen blockiert zu werden. Die Beteiligung Gottes am Kreuzesgeschehen könne „nur eine helfende sein, keine Opfer fordernde“.
Peter Trummer, der viele Jahre an der Universität Graz „Neues Testament“ lehrte, versucht, das Bild Jesu von späteren Übermalungen zu befreien. Anhand von frühchristlichen Darstellungen zeigte er auf, dass das Christentum lange ohne Opfer ausgekommen sei: „Wir können über Gott nicht mehr irren als mit dem Opferbegriff.“ Jesus habe gut dreißig Jahre gelebt und höchstens achtzehn Stunden gelitten. Es sei eine verhängnisvolle Verkürzung seines Lebenszeugnisses, Leiden und Opfer als „Nachfolge Christi“ zu legitimieren. Als sein „Testament“ habe Jesus keine Opferfeier hinterlassen sondern das Liebesmahl, das allen offensteht und erfahrbar macht: „Durch Teilen entsteht Überfluss.“ Am Brotbrechen werde der Auferstandene erkannt.
Der „Sündenfall“ sei geschehen, als im 11. Jahrhundert germanische Rechtsvorstellungen und der Gedanke von Rache und Sühne in die christliche Theologie eingeflossen sind. So hätte sich ein Opferbegriff etabliert, der mit Zerstörung verbunden ist – mit der unseligen Konsequenz, dass Obrigkeiten das Leid benutzen konnten, um Menschen klein zu halten. Ohne diese im mittelalterlichen Feudalwesen verwurzelten dogmatischen Hürden möchte Trummer Jesus „als Weisheitslehrer für alle Menschen akzeptabel machen“ und dessen Glauben in einer multireligiösen Gesellschaft so verkünden, „dass ihn auch Nichtchristen verstehen“.
Er mahnt zur Vorsicht bei Aussagen über Gott, „denn das, was wir von Gott fantasieren, ist oft die Destruktion des Menschen“. Mit ihrer Kreuzestheologie würde die Kirche „ein ziemliches Paket an Unterdrückung“ mit sich schleppen, statt einen befreienden Glauben und ein heilsames Gottesbild zu vermitteln.
Alfred Jokesch
Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, 192 S., Hardcover, Herder Verlag, 2026, ISBN 978-3-451-02450-4.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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