Kirche Steiermark
Erzählen, wer und wie Gott ist

Bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ist die religiöse Verortung der Menschen von großer Bedeutung. Junge Menschen zeigen eine größere Unbefangenheit gegenüber kirchlichen Themen. Wesentlich ist für sie oft die Suche nach Gemeinschaft, Orientierung und Ritualen. | Foto: Uni Wien
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  • Bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ist die religiöse Verortung der Menschen von großer Bedeutung. Junge Menschen zeigen eine größere Unbefangenheit gegenüber kirchlichen Themen. Wesentlich ist für sie oft die Suche nach Gemeinschaft, Orientierung und Ritualen.
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Regina Polak setzte bei der steirischen Priesterwoche in Seggau die Wegmarken des Zweiten Vatikanischen Konzils mit der Glaubenspraxis heutiger Menschen in Beziehung.

Die Welt anzunehmen, wie sie ist, dazu fordere die Konzilskonstitution „Gaudium et spes“ die Kirche auf. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils beleuchtete Regina Polak bei der steirischen Priesterwoche Texte dieser richtungsweisenden Kirchenversammlung aus dem Blickwinkel heutiger Herausforderungen und bevorstehender globaler Krisen. Die Professorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog an der Universität Wien gestaltete den Studienteil der Tagung.
Die Kirche erfahre sich „als Teil der Menschheit in ihren Krisen – aber mit einer Heilsbotschaft“. Sie müsse sich daher nach außen wenden und sei nicht für sich selbst da. Es gehöre zum Kern der biblischen Erzählung, dass die Welt durch Jesus Christus aus der Herrschaft des Bösen befreit sei: „Das Böse ist schon besiegt.“ Aus dieser Gewissheit heraus gelte es, die Fragen, was der Sinn des gegenwärtigen Lebens sei und worauf wir in Zukunft hoffen dürfen, wahrzunehmen. Nur dann könne man auch die Übel benennen, ohne zu beschönigen.

Religion – gut für die anderen. Den Konzilstexten stellte Regina Polak die Ergebnisse der großen Studie „Was glaubt Österreich?“ zur Seite (siehe auch SONNTAGSBLATT_plus, Seiten 4–5), die unter ihrer Patronanz durchgeführt wurde. Dabei sei aufgefallen, dass eine Sinnfindung, die über das persönliche Leben hinausreicht, kaum noch vorkomme. Österreich sei ein religiös durchaus positiv gestimmtes Land, „doch eher nach dem Motto: Religion ist gut, aber für die anderen“. Pfarren würden in Zukunft „Orte sein, die viel stärker gefordert sind, Wissen über Religion zu vermitteln“.
Als Schlüsselthemen der Kirchenkritik benannte die Theologin und Soziologin: „Macht“ und „Frauen“. Solange diese Strukturfragen als Hindernis im Weg stünden, sei es schwer, überhaupt zur Gottesfrage durchzudringen. Der Gottesglaube sei laut der Studie in den letzten Jahren extrem zurückgegangen. Wer jedoch an Gott glaubt, würde dies „zunehmend erfahrungsgestützt und überzeugungsgesättigt“ tun.

„Wir brauchen dringend Räume, in denen ohne Druck ethische Fragen diskutiert werden können“, fordert Regina Polak. Ethik und Religion würden zunehmend entkoppelt | Foto: Jokesch
  • „Wir brauchen dringend Räume, in denen ohne Druck ethische Fragen diskutiert werden können“, fordert Regina Polak. Ethik und Religion würden zunehmend entkoppelt
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Faktor Gemeinschaft
In Sportvereinen und religiösen Gemeinschaften kommen Menschen verschiedener Schichten zusammen. Gesellschaften mit hoher Gemeinschaftszugehörigkeit sind in Krisen widerstandsfähiger.

Erzählen, wer Gott ist. Daraus leitete Polak die pastorale Aufgabe ab, mehr davon zu „erzählen, wer und wie Gott ist“. Und zwar nicht nur durch Reden, sondern mehr noch durch das kirchliche Tun: „Können wir benennen, auf welche Frage Christus die Antwort sei, und dies sichtbar machen durch die Art, wie wir leben?“ Die Erfahrung, dass Gott ein „Du“ ist, ein persönliches Gegenüber, sei keineswegs selbstverständlich.
Glaube sei nicht bloß eine Weltanschauung, sondern viel mehr eine Lebensform, er sei keine Sachinformation, sondern Beziehung und Nachfolge in Gemeinschaft. In diesem Jahrtausend bestehe auch die Gefahr, Religion „allein als Identitätsstiftung zu verstehen“, doch Glaube sei ebenso eine Verheißung.

Alfred Jokesch

Bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ist die religiöse Verortung der Menschen von großer Bedeutung. Junge Menschen zeigen eine größere Unbefangenheit gegenüber kirchlichen Themen. Wesentlich ist für sie oft die Suche nach Gemeinschaft, Orientierung und Ritualen. | Foto: Uni Wien
„Wir brauchen dringend Räume, in denen ohne Druck ethische Fragen diskutiert werden können“, fordert Regina Polak. Ethik und Religion würden zunehmend entkoppelt | Foto: Jokesch
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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