Eucharistischen Kongress
Die Einfachheit des Brotes

Beim Abschlussgottesdienst am Budapester Heldenplatz betonte Papst Franziskus, dass sich in der Einfachheit des Brotes Gottes Liebe zeigt.
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Papst in Budapest. Franziskus feierte den Abschlussgottesdienst des 52. Eucharistischen Kongresses. Davor traf er Spitzen der ungarischen Politik und Religion.

Papst Franziskus landete am Morgen des 12. September zu seinem halbtägigen Besuch in Budapest. Anlass seiner 34. Auslandsreise ist die Schlussmesse des 52. Internationalen Eucharistischen Kongresses, der seit einer Woche in der ungarischen Hauptstadt tagte. Bevor der Papst auf dem zentralen Heldenplatz den Gottesdienst feierte, traf er mit Staatspräsident Janos Ader und Ministerpräsident Viktor Orban zusammen.

Themen des Gesprächs im Museum der Schönen Künste waren die Rolle der Kirche im Land, Engagement für Umweltschutz sowie Verteidigung und Förderung der Familie gewesen. Das zwischen Orban und Franziskus umstrittene Thema Migration wurde demnach ausgeklammert. Die private Unterredung dauerte dennoch zehn Minuten länger als geplant. Franziskus hatte von Beginn an betont, er komme nicht zu einem Ungarn-Besuch, sondern zum Abschluss des Eucharistischen Kongresses nach Budapest.

Papst mahnt zu Öffnung und Dialog
Im Anschluss an die Begegnung mit der Staatsspitze traf der Papst die ungarischen Bischöfe. Eindringlich rief er sie zu Öffnung und Dialog auf, denn angesichts kultureller, ethnischer, politischer und religiöser Unterschiede gebe es zwei Haltungen: „Entweder verschließen wir uns in einer starren Verteidigung unserer sogenannten Identität, oder wir öffnen uns auf die Begegnung mit dem Anderen und kultivieren gemeinsam den Traum einer geschwisterlichen Gesellschaft“, so Franziskus zu den Bischöfen.

Der Antisemitismus sei „eine Lunte, die gelöscht werden muss“, sagte Franziskus beim anschließenden Treffen mit Vertretern anderer christlicher Kirchen und des Judentums. An den Verantwortlichen der Mehrheitsreligionen liege es, „in diesem Land die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Religionsfreiheit für alle respektiert und gefördert wird“. Zwar ist Ungarn traditionell katholisch geprägt; der Anteil der Katholiken liegt aber bereits bei unter 40 Prozent. Evangelisch-reformierte sowie lutherische Christen machen die zweit- und drittgrößte Gruppe aus. Orthodoxe und freikirchliche Christen gibt es nur sehr wenige. Ihr Anteil liegt wie der der Juden jeweils unter einem Prozent.

Papst feierte Messe mit 100.000 Gläubigen
Mit rund 100.000 Gläubigen feierte Papst Franziskus schließlich die Abschlussmesse zum Internationalen Eucharistischen Kongress. „Die Eucharistie steht vor uns, um uns zu erinnern, wer Gott ist. Sie tut es nicht in Worten, sondern konkret, indem sie uns Gott als gebrochenes Brot, als gekreuzigte und dargebrachte Liebe zeigt“, predigte Franziskus. Man könne im Gottesdienst viel hinzufügen, „aber der Herr bleibt dort in der Einfachheit eines Brotes, das sich brechen, verteilen und essen lässt“. Die Frage von Jesus an Petrus, „Wer bin ich für dich?“, treffe heute jeden. Sie erfordere aber „nicht nur eine genaue Antwort aus dem Katechismus“, sondern „eine persönliche Antwort des Lebens“. Dabei müsse klar sein: „Das Kreuz war nie in Mode“, so der Papst. Zum Abschluss betete der Papst mit den Gläubigen das Angelusgebet.
Seine kurze Ansprache schloss er mit den Worten: „Isten, áldd meg a magyart! Gott segne die Ungarn!“

IM ORIGINALTON
Franziskus sprach beim Angelusgebet in Budapest unter anderem über das Kreuz als Brücke.

Liebe Brüder und Schwestern,
Eucharistie bedeutet „Danksagung“, und am Ende dieser Feier, die den Eucharistischen Kongress und meinen Besuch in Budapest abschließt, möchte ich von Herzen Dank sagen. Ich möchte dir, liebes Volk von Ungarn, köszönöm (danke) sagen. Der Hymnus, der den Kongress begleitet hat, wendet sich folgendermaßen an dich: „Über tausend Jahre war das Kreuz die Säule deines Heils, auch heute möge das Zeichen Christi für dich die
Verheißung einer besseren Zukunft sein“. Dies wünsche ich euch, dass das Kreuz eure Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft sei! Das religiöse Empfinden ist der Lebenssaft dieser Nation, die so treu zu ihren Wurzeln steht. Aber das Kreuz, das in den Erdboden eingepflanzt ist, lädt uns nicht nur dazu sein, uns gut zu verwurzeln, sondern es erhebt und breitet seine Arme für alle aus: Es mahnt dazu, feste Wurzeln zu bewahren, aber ohne sich zu verschanzen; aus den Quellen zu schöpfen und uns dabei den Dürstenden unserer Zeit zu öffnen. Mein Wunsch ist, dass ihr so sein möget: gefestigt und offen, verwurzelt und respektvoll.
Isten éltessen! (Gott bewahre euch!)

Heute werden nicht so weit von hier in Warschau zwei Zeugen des Evangeliums seliggesprochen: Kardinal Stefan Wyszynski und Mutter Elzbieta Czacka, die Gründerin der franziskanischen Dienerinnen vom Kreuz. Beide Zeugen kannten das Kreuz aus der Nähe. Der Primas von Polen, verhaftet und isoliert, war immer ein mutiger Hirte nach dem Herzen Christi, ein Herold der Freiheit und der Menschenwürde. Schwester Elzbieta, die in ganz jungen Jahren ihr Augenlicht verlor, widmete ihr ganzes Leben der Unterstützung der Blinden. Das Beispiel dieser beiden neuen Seligen rege uns an, die Finsternis mit der Kraft der Liebe in Licht zu verwandeln.
Mein Segen will von dieser großen Stadt aus alle erreichen, insbesondere die Kinder und jungen Menschen, die Alten und Kranken, die Armen und die Ausgestoßenen: „Isten, áldd meg a magyart! (Gott segne die Ungarn!)“

Budapest feierte Fest des Glaubens
Die Eucharistie stand beim IEC im Mittelpunkt – und noch viel mehr.

Alles Reden über Eucharistie ist begrenzt. Eucharistie müssen wir leben und feiern. Eucharistie müssen wir empfangen.“ Beim 52. Internationalen Eucharistischen Kongress (IEC) in Budapest wird zwar viel über Eucharistie gesprochen. Dennoch schafft die kirchliche Großveranstaltung den Bogen: Die ungarischen Veranstalter haben für das wegen Corona um ein Jahr verschobene Treffen eine Mischung aus theologischen Impulsen, Gottesdienstfeiern, Eucharistischer Anbetung und Glaubenszeugnissen sowie kulturellen Begleitveranstaltungen auf die Beine gestellt.

Vor allem für die 6000 registrierten Teilnehmer, die im Budapester Messezentrum
„Hungexpo“ den Katechesen, Workshops und Glaubenszeugnissen folgten und Gottesdienste feierten, tat sich ein Blick in die Weltkirche auf. Anders als bei vorangegangenen Eucharistischen Kongressen liegt das dieses Mal aber nicht so sehr an den angereisten Pilgern. Coronabedingt dominiert das Ungarische, da und dort hört man Englisch, Spanisch oder auch Deutsch.

Für die internationale Breite sorgten mehr als 60 RednerInnen aus fast 40 Ländern von fünf Kontinenten. Sie teilten ihre Einsichten zur Eucharistie, berichteten aber genauso von persönlichen Glaubenserfahrungen und der Lage der Kirche in ihren Heimatländern. Unter ihnen waren zahlreiche Bischöfe, wie der chaldäisch-katholische Patriarch aus dem Irak Kardinal Louis Raphael Sako, der emeritierte afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah, Kardinal Andrew Yeom Soo-jung aus Seoul oder Erzbischof Jose Palma von Cebu/Philippinen. Aber auch die US-Theologin Mary E. Healy, der Österreicher Georg Schwarz von der Gemeinschaft Cenacolo oder der Gründer des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, sprachen. Mit Alfredo Jose Espinoza Mateus ist der Erzbischof von Quito (Ecuador), wo 2024 der nächste Eucharistische Weltkongress stattfinden soll, nach Europa gekommen.
Der Eucharistische Weltkongress in Budapest ist jedoch nicht nur eine rein innerkatholische Veranstaltung, sondern beinhaltet auch ökumenische Perspektiven – Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel zählte zu den Gästen, und auch orthodoxe Liturgien standen auf dem Programm. Kurienerzbischof Piero Marini, scheidender Vorsitzender des Internationalen Komitees für den IEC, fasste zusammen: „Wir müssen lernen, dass die Zukunft unseres Glaubens nicht davon abhängt, wie wir die Liturgie feiern, sondern davon, wie wir diese Liturgie in unserem Leben nutzen können.“

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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