Glaube
Das Erbe von Nicäa
- Kaiser Konstantin eröffnet die Versammlung der Bischöfe in Nicäa und deutet auf das in der Mitte aufgestellte Schriftstück, Symbol für die im Konzil erkannten Glaubenswahrheiten. Das Gemälde von Cesare Nebbia (1536–1614) befindet sich in der Vatikanischen Bibliothek.
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Vor 1700 Jahren berief Kaiser Konstantin ein Konzil ein, um Streitigkeiten in der Kirche zu klären.
Im Jahr 325 nach Christus rief der römische Kaiser Konstantin der Große rund 220 bedeutende christliche Bischöfe in die Stadt Nicäa (heute İznik in der Türkei) zusammen. Seine Absicht war klar: Er wollte Streitigkeiten innerhalb der jungen, aber rasant wachsenden Kirche beenden.
Das frühe Christentum hatte in den ersten drei Jahrhunderten eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Was mit einer kleinen Gruppe von Nachfolgern Jesu begann, wuchs – trotz schwerer Verfolgung – bis zum Jahr 350 auf schätzungsweise 33 Millionen AnhängerInnen an.
Eine junge Kirche in der Krise
Doch mit diesem Wachstum kam auch Verwirrung. Eine einheitliche Lehre gab es noch nicht. Die Christen hatten sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, wer Jesus eigentlich war. Für manche war er ein außergewöhnlicher jüdischer Prophet, aber ganz Mensch. Andere hingegen glaubten, dass Jesus ganz und gar göttlich war.
Besonders der Priester Arius aus Alexandria sorgte für große Unruhe. Er lehrte, dass Jesus nicht ewig existiert habe, sondern von Gott erschaffen worden sei – und damit dem Vater untergeordnet. Damit lehnte er auch die Vorstellung der Dreieinigkeit ab. Seine Lehren fanden viele Anhänger, stießen aber auch auf heftige Gegenwehr.
Die Spaltungen innerhalb der Kirche drohten, das ganze Reich zu destabilisieren – und das konnte sich Kaiser Konstantin nicht leisten.
Auf der Versammlung in Nicäa, die als erstes ökumenisches Konzil in die Geschichte einging, legten die Bischöfe das Bekenntnis zur Wesenseinheit Jesu Christi und des Vaters fest. Der Standpunkt der Kirche lautete somit: Christus existiert seit Ewigkeit und kann daher nicht geschaffen sein. Die Lehre der göttlichen Dreifaltigkeit wurde damit zum Dogma erhoben, und Arius unterlag den „trinitären“ Bischöfen. Der Streit wurde jedoch erst bei einem zweiten Konzil in Konstantinopel anno 381 beigelgt.
Ein weiteres Thema des Konzils war der Wunsch des Kaisers nach einem einheitlichen Ostertermin. Es erschien ihm unerträglich, dass einige Christen „sich mit Fasten und Entbehrungen plagten, während die anderen ihre Zeit bereits der festlichen Entspannung widmeten“, schrieb er. Leider gelang es bis heute nicht, eine einheitliche Lösung zu finden.
Aktualität
Die Auffassung von Arius ist keineswegs veraltet. Noch heute finden sich Stimmen, die Jesus auf die Seite des Menschen stellen. Er sei zwar ein besonderes, hohes Geschöpf, doch zwischen dem Vater und dem Sohn bleibe eine unüberbrückbare Kluft. Denjenigen erklärt das Konzil von Nicäa klar: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind eins.
Maria Wilbrink
- Das Ergebnis des Konzils, das Glaubensbekenntnis von Nicäa, wird bis heute in der Liturgie verwendet.
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Wann ist Ostern?
Protokoll einer Annäherung
Ein positives Resümee der jüngsten internationalen ökumenischen Nicäa-Tagung an der Päpstlichen Universität Angelicum zog Pro Oriente-Präsident Clemens Koja: „Bei vielen der behandelten Themen zeigte sich eine beeindruckende Konvergenz zwischen den Beiträgen aus den verschiedenen orthodoxen, orientalisch-orthodoxen und katholischen Kirchen, teilweise auch aus anderen ‚westlichen‘ Schwesterkirchen“.
Das Konzil von Nicäa sei dabei für viele im ökumenischen Dialog anstehende Fragen als ein zentraler Bezugspunkt und wichtige Basis für weitere Arbeiten und Dialoge herausgestellt worden. Ein Thema war die Bedeutung der gemeinsamen Feier von Ostern für die Einheit der Christen. Der in Oslo forschende orthodoxe Theologe Aleksandr Andreev zeigte auf, dass sowohl der Gregorianische als auch der Julianische Kalender zu Osterterminen führen können, die nicht mit dem astronomisch korrekten Datum übereinstimmen. Er schlug deshalb vor: Wenn alle Kirchen bereit seien, Ostern am astronomisch korrekten Datum zu feiern, werde es keine „Sieger“ oder „Verlierer“ geben, da alle einer anderen Berechnungsweise als der bisher angewandten zustimmen müssten.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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