Weltkirche
Zwei Steirerinnen zum Sozialeinsatz auf den Philippinen
- Linnea Maier und Stelle Köck waren für einen Sozialeinsatz drei Monate auf den Philippinen.
- Foto: privat
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Salamat Pilipinas!
Unsere Zeit auf den Philippinen war intensiv, manchmal chaotisch, oft berührend, immer spannend und vor allem voller Erlebnisse, die wir so schnell nicht vergessen werden. Im Rahmen unseres Sozialarbeits-Studiums haben wir - Linnea Maier und Stella Köck - drei Monate in Cebu City verbracht und dort unser Langzeitpraktikum bei Salvatorian Pastoral Care for Children (SPCC) - einem Partnerprojekt der Dreikönigsaktion - absolviert.
Trotz all der Unterschiede zu Österreich haben wir uns in unserer neuen Umgebung sofort wohlgefühlt. Schwüle Hitze, dichter Verkehr und ein scheinbar endloser Kabelsalat über den Straßen aber auch unglaublich freundliche, offene Menschen sowie ein buntes und vielfältiges Land, das uns sofort begeistert hat. Wir sind mit Motorradtaxis durch die Stadt gedüst, haben uns in riesigen Malls verlaufen, wunderschöne Orte gesehen und viel über die philippinische Kultur, den Alltag und Gewohnheiten gelernt.
Das Team von SPCC in Cebu ist mit nur fünf Mitgliedern recht klein, und wir wurden sofort herzlich aufgenommen und eingebunden. Auch wenn zwischendurch mal weniger zu tun war oder während der eineinhalbstündigen Mittagspause ein kleines Mittagsschläfchen eingelegt wurde, kam der Spaß definitiv nicht zu kurz. Es wurde viel gelacht, getratscht und gemeinsam unternommen.
Das Team hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, uns ein bisschen in das tägliche philippinische Leben einzuführen. Sie nahmen uns mit zu Jollibee, einem philippinischen Fast-Food-Restaurant, haben uns mit Halo-Halo - ein verbreitetes philippinisches Dessert - vertraut gemacht, erklärten uns soziale Gepflogenheiten und brachten uns ein wenig Bisaya - die zweitwichtigste Sprache des Inselstaates - bei. Außerdem kauften sie für uns gekochten Mais am Straßenrand, gingen mit uns auf den Markt und halfen uns sogar dabei, die richtigen Mangos auszuwählen, denn angeblich erkennt man am Geruch, welche wirklich gut sind. (So weit sind wir leider noch nicht).
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der wir das Team vor allem zu Terminen und Veranstaltungen begleiteten und bei Arbeiten im Büro unterstützten, durften wir schon bald auch eigenständig Aufgaben übernehmen. Wir bekamen Sitio Damianas, eine Siedlung im Stadtteil Guadalupe zugeteilt, in dem wir eine Befragung durchführen sollten. Gemeinsam mit Ate Emma waren wir teilweise mehrmals pro Woche in der Community unterwegs. „Ate“ bedeutet „große Schwester“ und ist, genauso wie „Kuya“ für „großer Bruder“, eine respektvolle Anrede für ältere Personen, die einem auf den Philippinen ständig im Alltag begegnet. Ate Emma ist eine sogenannte "Child Rights Advocate" (Kinderrechte-Anwältin). Diese werden von SPCC geschult, setzen sich innerhalb ihrer eigenen Community für Kinderrechte ein, dienen als Ansprechpersonen und fungieren als wichtige Verbindung zwischen SPCC und den Mitgliedern der Community.
Wenn wir mit Ate Emma in der Community unterwegs waren, war sie stets voller Energie und Tatendrang und ließ sich auch von der Sprachbarriere nicht aufhalten. Sie kannte jede Person in Sitio Damianas und wusste genau wer wann wo zu finden ist. Oft konnten wir gar nicht so schnell schauen, wie sie uns irgendwo „absetzte“, während sie schon die nächsten BewohnerInnen organisierte, um unseren Fragebogen auszufüllen. Gleichzeitig stellte sie immer sicher, dass es uns an nichts fehlte, brachte uns Wasserflaschen, Obst oder kleine Snacks und gab uns oft noch etwas für zuhause mit. Diese Gastfreundschaft und Großzügigkeit haben unsere Zeit auf den Philippinen besonders geprägt.
Unsere Besuche in der Community gehören für uns mit Sicherheit zu den eindrücklichsten Erfahrungen des Praktikums. Natürlich gab es auch herausfordernde Momente, die uns nachdenklich gemacht haben, aber alles in allem wurden wir unglaublich offen empfangen, haben schöne und berührende Gespräche geführt und tiefe Einblicke in das Leben der Menschen bekommen.
Ein echtes Highlight war für uns auch die Community Validation. Dabei stellten wir die Ergebnisse unserer Befragung in Sitio Damianas vor und diskutierten sie gemeinsam mit den BewohnerInnen. Für uns war es toll zu sehen, wie aktiv sich alle einbrachten. Die Ergebnisse präsentierten wir anschließend auch in der Kirchengemeinde und übergaben sie an die Bezirksvorsteherin. Dass dort auch konkrete Lösungsmöglichkeiten besprochen wurden für die von der Community formulierten Probleme, war für uns ein besonders schöner Abschluss unserer Arbeit.
Ein Ereignis, das uns ebenfalls besonders im Kopf bleiben wird, war das schwere Erdbeben Anfang Oktober 2025. Wir waren in unserer Wohnung als das Beben am späten Abend begann und binnen Sekunden immer heftiger wurde. So heftig, dass alles wackelte und schwankte und die Türen auf und zu schlugen. Gemeinsam mit hunderten anderen BewohnerInnen verließen wir überstürzt das Gebäude. Wir hatten großes Glück, uns war nichts passiert und wir konnten wenige Stunden später wieder in unsere Wohnung zurückkehren.
Viele Menschen auf Cebu verloren in dieser Nacht allerdings ihr Zuhause oder sogar ihr Leben. In den Tagen und Wochen danach kam es immer wieder zu Nachbeben und die Stimmung war angespannt. Gleichzeitig war es beeindruckend zu sehen, wie sich in kürzester Zeit eine Bewegung bildete, um die besonders stark getroffene Bevölkerung im Norden Cebus zu unterstützen. Auch SPCC startete einige Tage nach dem Erdbeben eine "Relief Operation" bei der wir im Norden fertige Mahlzeiten, Wasser und Decken an die Menschen verteilten. Die Dankbarkeit der Menschen, aber auch die Notlage, in der sie sich befanden, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Neben diesen sehr einschneidenden Erfahrungen gab es aber auch viele leichte und schöne Momente. Wir haben enge Freundschaften geschlossen, waren sogar auf einer Hochzeit eingeladen und haben Orte gesehen, die aussahen wie aus einem Reisemagazin.
Was uns auch immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat, war die große Liebe für Karaoke. Nicht selten standen an einem Strandabschnitt mehrere Familien nebeneinander und veranstalteten gleichzeitig ihre eigenen Karaoke-Sessions - laut, manchmal ziemlich schief, aber immer mit beeindruckendem Selbstbewusstsein. Einfach überall wurde gesungen.
Am Ende unserer Zeit auf den Philippinen bleibt vor allem eines, große Dankbarkeit. Dankbarkeit für all die Begegnungen, für das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde und für die vielen kleinen und großen Momente, die diese Zeit so besonders gemacht haben. Wir haben nicht nur einen Einblick in die Arbeit von SPCC und in die philippinische Kultur bekommen, sondern wieder einmal gesehen, wie schön es ist, sich auf neue Erfahrungen einzulassen, den Moment zu genießen und einen neuen Ort unser Zuhause zu nennen. Die Erfahrungen, die wir auf den Philippinen sammeln durften, werden uns noch lange begleiten und immer wieder ein „Salamat Pilipinas“ in uns auslösen - Danke Philippinen!
Linnea Maier und Stella Köck
Mehr Infos zu Solidareinsätze der Dreikönigsaktion auf www.soliddareinsatz.at.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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