Kirche Steiermark
Wie wir miteinander reden
- Am 14. Mai, im Rahmen des Tags der offenen Tür im Minoritenzentrum in Graz, stellte Ingrid Brodnig (Mitte) ihr Buch „Wider die Verrohung“ (Brandstätter Verlag) vor. Im anschließenden Talk mit Kathrin Karloff (l.) und Florian Traussnig (r.) gab die Journalistin auch Tipps für eine bessere Gesprächskultur.
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Minoritenzentrum. Inspirierende Auftaktveranstaltung mit der Journalistin Ingrid Brodnig.
Am 14. Mai öffnete das Bildungsforum bei den Minoriten, mit dem Bischöflichen Amt für Schule und Bildung und dem KULTUM, erstmals am neuen, gemeinsamen Standort, dem Minoritenzentrum Graz, seine Tore. Ingrid Brodnigs Präsentation ihres jüngsten Buches „Wider die Verrohung“ und der anschließende Talk mit knapp 200 Gästen bildete den Höhepunkt.
„Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen. Seid vernünftig.“ Mit diesem Appell der kürzlich verstorbenen Margot Friedländer erläuterte Kathrin Karloff, Pädagogische Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten, das Ziel der Veranstaltung: Das Verbindende in den Vordergrund zu rücken – und zugleich, aufgrund des Erstarkens rechts- und linkspopulistischer Kräfte, geeignete, aufklärerische Wege und Mittel zu finden, unsere Gesellschaft menschlich und lebenswert zu gestalten. Vor allem gelte es vor dem Hintergrund digitaler Herausforderungen, so Karloff, der zunehmenden Härte im Netz klar, reflektiert und entschieden zu begegnen.
Dynamisch-humorvoll setzte die Top-Journalistin und Bestsellerautorin Ingrid Brodnig genau hier an und erläuterte, wie die Verrohung bewusst herbeigeführt werde: Durch „Bullshit“-Debatten, populistische Diskussionsmuster, Diffamierung und Hetze gegen öffentliche Personen sowie rechtsextreme Kampagnen, angetrieben von Mechanismen sozialer Medien.
Werkzeuge der Kommunikation. Mit alltagspolitischen Beispielen ging Brodnig auf die „Taktiken der Meister der Beleidigungen“ ein, deren „Methoden der Eskalation“ nichts anderes als „die Zerstörung öffentlicher Debatten“ anvisierten. Als notwendigen Gegenpol packte Brodnig ihr hilfreiches Rüstzeug aus: Strategien, wie die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit und Achtsamkeit sich selbst und dem/der Anderen gegenüber sowie praktische Tipps, wie Faktenchecks, um Eskalationsmuster zu erkennen und mit Klarheit darauf reagieren können.
Im Gespräch mit Kathrin Karloff und Florian Traussnig erläuterte Brodnig mögliche Reaktionen, wenn der „innere Ruhepol“ fehle und man in einer eskalierenden Situation keinen klaren Kopf bewahren könne. Hinsichtlich der zukünftigen Auswirkungen äußerte sich Brodnig besorgt, betonte aber die Bedeutung individueller Verantwortung: „Jede und jeder Einzelne von uns kann einen positiven Einfluss darauf ausüben, wie in unserer Gesellschaft miteinander gesprochen wird!“ Ko-Moderator Traussnig arbeitete zwei hilfreiche Grundhaltungen bei (digitalen) Debatten heraus: weltanschauungsübergreifende Empathie und intellektuelle Demut.
Was können wir verändern? Die Einführung qualitätsvoller Medienkunde als Unterrichtsfach sei laut der Journalistin im Schulbereich hilfreich, damit SchülerInnen „Fake News“ erkennen und sich klar distanzieren können. So würden „Polemik, irreführende Argumente oder reißerische Überschriften“ nicht noch weitere Kreise ziehen. Auf die Frage, ob wir erst wieder „wie die Kinder“ lernen müssten, höflich miteinander zu sprechen, ging Brodnig auf eine Gesprächsmethode aus den USA namens „Deep Canvassing“ (dt. intensives Werben) ein, die ergebnisoffene, respektvoll geführte Gespräche auf Augenhöhe erzeuge.
Mit Betonung der persönlichen Verantwortung schloss Ingrid Brodnig den Talk, der bei Speis und Trank in gemütlicher Gesprächsatmosphäre weiterging: „In gewisser Weise halten Menschen selbst den Schlüssel in der Hand, was ihre eigene Wahrheit ist. Wir laden Sie nur ein, sich mit dem auseinanderzusetzen.“
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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