Ethik
Damit Leben gelingt

Podiumsgespräch mit (v. l.) Prof. Dr. Kurt Remele, Prof. Dr. Leopold Neuhold, Kirchenkabarettist Mag. Josef Promitzer und Prof. Dr. Thomas Gremsl. | Foto: Neuhold
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  • Podiumsgespräch mit (v. l.) Prof. Dr. Kurt Remele, Prof. Dr. Leopold Neuhold, Kirchenkabarettist Mag. Josef Promitzer und Prof. Dr. Thomas Gremsl.
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Gerechtigkeit und gutes Leben. Das Institut für Ethik und Gesellschaftslehre feiert Fünfziger mit Symposium zu aktuellen sozial­ethischen Herausforderungen.

Seit 50 Jahren gehört das Institut für Ethik und Gesellschaftslehre zur Grazer Theologischen Fakultät. Seit seiner Gründung durch Prof. DDr. Valentin Zsifkovits stellt sich die Theologie gerade durch dieses In­stitut praktischen Lebensthemen, ethischen Herausforderungen und der Anwendung der Katholischen Soziallehre. Das spiegelt sich in einem Symposium am 24. und 25. Oktober im Grazer Meerscheinschlössl.

Für Dialog und Gemeinsamkeit in gegenseitigem Respekt plädiert Leopold Neuhold, von 2001 bis 2019 als Zsifkovits-Nachfolger Leiter des Instituts, im Eröffnungsvortrag. Es gehe darum, die Wahrheit zu suchen und nicht Gründe, selber Recht zu haben. Theologie und Glaube an Gott sollten von der Zwanghaftigkeit befreien, alles selbst tun zu müssen. Christliche Sozialethik gibt für Neuhold die Chance für Freude am Tun und für befreites Handeln, denn nicht alles hängt von uns ab.

Digitalisierung. Peter G. Kirchschläger (Luzern) spricht lieber von „datenbasierten Systemen“ als von „künstlicher Intelligenz“. Angesichts von Digitalisierung und Globalisierung und der Möglichkeit „digitaler Menschenrechtsverletzungen“ hält er eine regulierende internationale „Datenbasierte-Systeme-Agentur“ für notwendig. Weil wir heute Systeme bauen können, die wir nicht verwenden sollen, sind auch für Andreas Trügler von der TU Graz Ethikkommissionen nötig.

Subsidiarität und Politik. Den Ursprung der Demokratie im antiken Griechenland erläutert die Historikerin Margit Linder und korrigiert Irrtümer und Halbwahrheiten darüber. Die Rolle der sozialen Medien in der heutigen liberalen Demokratie beleuchtet Thomas Gremsl, der derzeitige Leiter des Instituts für Ethik und Gesellschaftslehre. Gegen die Gefahren, dass die Interessen der Plattform-anbieter und Gewinnmaximierung die Inhalte bestimmen, dass es zu einseitigen Per­spektiven, Echokammern und Abnahme der Diskursbereitschaft kommt, brauche es einen Rahmen für verantwortliches Handeln und die Förderung von Medienmündigkeit und Medienkompetenz.

Gerechtigkeit und Friede. Dass die Werte Frieden und Gerechtigkeit verschiedentlich miteinander verknüpft sind, hebt Johannes Frühbauer (München) hervor. Es brauche ein politisches Handeln, das durch Berücksichtigung von Gerechtigkeitserwägungen zu einem dauerhaften Frieden führt. Auf die aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten geht der Friedens- und Konfliktforscher Maximilian Lakitsch ein. Friedenskonzepte müssten immer die Realität berücksichtigen. Dem Themenkreis Solidarität und Macht gehen Katharina Scherke und Kurt Remele, 2019 bis 2021 Leiter des Instituts, nach.

Dank. Die Institutsleiter Leopold Neuhold, Kurt Remele und Thomas Gremsl finden sich am Abend zu einer Podiumsdiskussion ein. Grußworte des Landes Steiermark, der Stadt Graz, des Bischofs und des Rektorates danken für die Vielseitigkeit des Instituts und die Aktualität seiner Themen.

Herbert Messner


Gott sah, es war schlecht

Eine Bildung der Herzen wünscht die Theologin Julia Enxing.

Das Gemeinwohl als Zielsetzung christlicher Gesellschaftsethik betont beim Symposium zu „50 Jahre Ethik und Gesellschaftslehre in Graz“ der Innsbrucker Sozialethiker Wilhelm Guggenberger. Weitere Prinzipien der Katholischen Soziallehre unterstützen dies. Das Personprinzip schützt die Person in ihrer Würde. Solidaritäts- und Subsidiaritätsprinzip schützen den sozialen Zusammenhalt, das Nachhaltigkeitsprinzip schützt unsere ökologischen Existenzgrundlagen.

„Und Gott sah, dass es schlecht war“ lautet ein Buchtitel der Theologin Julia Enxing von der Technischen Universität Dresden. Natur ist, so Enxing, längst nicht mehr unbeeinflusst vom Menschen. „Wir“ haben die Schöpfung schwach gemacht. „Wir“, das sind oft Profiteure des Kapitalismus, die sich Wohlstand leisten, egal wer den Preis dafür zahlt. „Wir“ sind häufig männlich, wohlhabend und europäisch oder jedenfalls westlich.

Christlicher Glaube verpflichtet zu ökologischer Umkehr, schlussfolgert die Theologin. Es gelte, die Zeichen der Zeit zu sehen, auch den Klimawandel und das Artensterben. Der Mensch ist immer auf andere angewiesen. Wir sind Gast auf dieser Erde. „Verhalten wir uns so?“, lautet Enxings kritische Anfrage. Wir profitieren vom Fortschritt und exportieren dessen Kosten. Daher ihr Aufruf: „Wir brauchen eine Bildung der Herzen.“

Podiumsgespräch mit (v. l.) Prof. Dr. Kurt Remele, Prof. Dr. Leopold Neuhold, Kirchenkabarettist Mag. Josef Promitzer und Prof. Dr. Thomas Gremsl. | Foto: Neuhold
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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