Katholisch-Theologische Faktultät Graz
(Ein-)Blicke in die Vergangenheit
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Ordensgeschichtlicher Forschungstag an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz.
Einen ordensgeschichtlichen Forschungstag, der „(Ein-)Blicke in die Vergangenheit“ und gleichzeitig ein „Nachdenken über die Zukunft“ ermöglichen sollte, veranstaltete die Leiterin des Instituts für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz, Professorin Michaela Sohn-Kronthaler. Die Tagung wurde in Kooperation mit der Ordenskonferenz der Diözese Graz-Seckau am 17. November 2025 im Universitätszentrum Theologie durchgeführt.
Hieran nahmen zahlreiche Mitglieder steirischer Orden und Studierende teil, so unter anderem die Generaloberinnen der Elisabethinen, Bonaventura Holzmann, und der Vorauer Schwestern, Mirjam Schmedler, die Provinzoberinnen der Barmherzigen Schwestern, Sr. Katharina Laner, und der Schulschwestern, Sr. Sonja Dolesch, der Abt von Rein, Philipp Helm, der emeritierte Abt von St. Lambrecht, Benedikt Plank, der Propst von Vorau, Bernhard Mayrhofer, der Guardian der Franziskaner, Andreas Holl, und der ehemalige Präsident der österreichischen und steirischen Caritas Franz Küberl. Die Grazer Ursulinen waren durch Hausoberin Sr. Franziska Trummer und der ehemaligen Oberin Sr. Andrea Eberhart vertreten. Grußworte sprachen Dekanin Professorin Katharina Pyschny, die Vorsitzende der Ordenskonferenz der Diözese Graz-Seckau, Sonja Dolesch, und Christine Rod von den Missionarinnen Christi, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz.
- Zahlreiche Teilnehmende aus Ordensgemeinschaften v. l.: Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz Sr. Christine Rod (Missionarinnen Christi), P. David Christian Zettl (Zisterzienserstift Rein), Sr. Anna Kurz (Ursulinen Graz), Propst Bernhard Mayrhofer (Augustiner Chorherrenstift Vorau), Dekanin Katharina Pyschny (Katholisch-Theologische Fakultät Graz), Institutsleiterin Prof. Michaela Sohn-Kronthaler (Insitut für Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte) und Sr. Sonja Dolesch, Vorsitzende der steirischen Ordenskonferenz und Franziskanerin von der Unbefleckten Empfängnis.
- Foto: privat
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Sohn-Kronthaler wies in ihrer Einführung daraufhin, dass die Ordensgeschichte in Mittelalter und Neuzeit bis hin zur Gegenwart einen Schwerpunkt in Lehre und Forschung des Instituts für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte darstellt. Damit ist das Grazer Institut das einzige der Kirchengeschichte-Institute an den Universitäten Österreichs, das einen ausgewiesenen thematischen Schwerpunkt in der Ordensgeschichte hat. Unter ihrer Leitung gibt es am Institut im Hinblick auf den Seligsprechungsprozess der Grazer Barmherzigen Schwester Leopoldine Brandis (1815–1900) das Projekt zur Sammlung, Dokumentation, Transkription und Digitalisierung des umfangreichen Aktenmaterials.
Bei der Veranstaltung wurden vielfältige Aspekte ordensgeschichtlicher Forschung im Rahmen von wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten, die kürzlich am Kirchengeschichte-abgeschlossen wurden oder noch in Arbeit sind, einer größeren Öffentlichkeit engagiert vorgestellt.
Propst Bernhard Mayrhofer schilderte anhand seines Dissertationsprojektes das Schicksal des Augustiner-Chorherrenstiftes Vorau während des josephinischen Staatskirchentums und verwies auf die große Bedeutung leitender Persönlichkeiten von Klöstern. Jan Mooswalder berichtete über den hohen Anteil von Ordensmännern im Domkapitel des ehemaligen obersteirischen Bistums Leoben. Thomas Roth und David Zettl befassten sich in ihren Forschungsarbeiten mit dem benediktinischen Kloster Admont und dem Zisterzienserstift Rein in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, letzterer stellte zugleich seine kürzlich publizierte Dissertation als Buch vor. Welche Aufschlüsse ein „Reliquienschatz“, der von den Grazer Elisabethinen an das Franziskanerkloster Graz übergeben wurde, ermöglicht und Zugänge zur Volksfrömmigkeit eröffnet, zeigte Doktorandin Angelika Lantzberg auf. Die Rezeption vinzentinischer Spiritualität in den Schriften von Schwester Leopoldine Brandis behandelte Universitätsassistent Sebastian Mörzl. Das seit den 1970er Jahren etablierte Modell der Ordensfrauen als Gemeindeassistentinnen in der Diözese Graz-Seckau stellte Pastoralreferentin Andrea Reich, selbst aus einer „Schwesternpfarre“ stammend, anhand ihrer Masterarbeit vor. Direktorin Sr. Anna Kurz wandte sich der Geschichte des 1930 gegründeten Gymnasiums der Grazer Ursulinen bis in die Gegenwart zu.
In einem bilanzierenden Schlusswort zu den ordensgeschichtlichen Forschungsergebnissen unterstrich Sohn-Kronthaler, dass derartige Studien zur Identität der jeweiligen Gemeinschaft beitragen und oftmals verborgene geistliche Quellen und Wurzeln freilegen, aber auch Dunkles und Belastendes zutage fördern könnten. Klöster und Orden seien vielfach in Zeiten der Blüte und der Reform entstanden, spiegelten Umbrüche in Kirche und Gesellschaft wider, zeigten Wandlungen und Veränderungen und wiesen, auch mit dem ständigen Gebet beziehungsweise der Tagzeitenliturgie, Wege in eine hoffnungsvolle Zukunft. Bei der Bewältigung großer Herausforderungen einer Epoche sollte die reichhaltige Ordensgeschichte, ihre Niedergänge und Abbrüche eingeschlossen, nicht unbefragt bleiben. Sohn-Kronthaler plädierte für weitere intensive Forschungen zur Ordensgeschichte, auch im eigenen Interesse der Ordensgemeinschaften.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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