Familie
Blaues Fahrrad, rosa Rucksack

Nur rosarot und himmelblau? Elternbildung auf einen Klick – Kurzvideo und Online-Workshop zum Thema „Geschlechtergerechte Erziehung“. | Foto:  Menhart
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  • Nur rosarot und himmelblau? Elternbildung auf einen Klick – Kurzvideo und Online-Workshop zum Thema „Geschlechtergerechte Erziehung“.
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Plädoyer für mehr Farbe in der Kinderwelt.

Haben Sie schon einmal versucht, für einen dreijährigen Buben ein T-Shirt mit Katzenmotiv zu kaufen? Ich kann Ihnen verraten: Das ist schwierig. Denn Katzenmotive werden meist von Rosatönen begleitet. Und rosa, das wissen schon Dreijährige, ist nichts für Buben.
Hinter der kategorischen Einteilung in „für Buben“ und „für Mädchen“ steckt eine Strategie: das Gendermarketing. Dabei geht es nicht um die Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse – sondern um das Füllen der Kasse. Denn wenn es Produkte in Mädchen- und Bubenversionen gibt, kaufen Familien mit Kindern unterschiedlichen Geschlechts doppelt ein. Da kann der rosa Rucksack mit Fee nicht an den kleinen Bruder weitergegeben werden, er ist ja ein „Mädchenprodukt“.

Das problematische am Gendermarketing ist: Kindern wird suggeriert, wie Mädchen und Buben sein sollen, was sie machen „dürfen“ und was nicht. In der Elternbildung zur geschlechtergerechten Erziehung geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um Sprache und Verhalten. Diese drei Dinge haben einen großen Einfluss auf Kinder. Denn überspitzt gesagt: Wer nur Geschichten von Polizisten hört, wird annehmen, dass es bei der Polizei keine Frauen gibt. Wenn ausschließlich Mädchen Puppen zum Spielen bekommen, verfestigt sich die Idee, dass nur Frauen sich um Kinder kümmern.
Unsere Kinder lernen durch Wiederholung und Nachahmen, sie lernen die Welt so kennen, wie wir sie ihnen ausmalen. Lassen wir diese Welt kunterbunt sein – nicht nur rosa und blau.

Julia Rust, dipl. Elternbildnerin

Nur rosarot und himmelblau? Geschlechtergerechte Erziehung
Wird es ein Bub oder ein Mädchen? Dies ist oft die erste Frage an Mütter und Väter, wenn sie ein Kind erwarten. Damit Kinder eine selbstsichere und selbstbewusste Persönlichkeit entwickeln können, braucht es eine sensible Erziehung fern von Rollenklischees und Stereotypen. Wie entstehen Rollenklischees, und wie beeinflussen diese mich in meiner Erziehung?
Die diplomierte Elternbildnerin Mag.a Julia Rust erklärt im Kurzvideo, worauf es bei geschlechtergerechter Erziehung ankommt: https://bit.ly/3iH4mcF
Online-Workshop mit Mag.a Julia Rust: Donnerstag, 15. Oktober, 19.30 bis 21 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen: Tel. (0 31 6) 80 41-345.
kbw@graz-seckau.at

FÜR SIE GELESEN
Die Rosa-Hellblau-Falle

Schnerring/Verlan
17,50 Euro Kunstmann Verlag

Rollenklischees im Familienalltag – und wie man ihnen entkommt. Rosa ist für Mädchen, hellblau für Jungs, nach diesem Prinzip sind ganze Kaufhausabteilungen geordnet. Als emanzipierter Erwachsener hat man Geschlechterklischees längst für überwunden gehalten, doch Eltern werden derzeit wieder unerbittlich mit ihnen konfrontiert. Das Buch ist ein Aufruf zum Widerstand, der ganz konkrete Tipps bietet, wie sich die Genderfalle im Alltag umschiffen lässt.

ZUM NACHDENKEN

Fußball ist für alle da
„Ist das ein süßes Mädchen, wie heißt es denn?“ „Er heißt Theodor und ist ein Bub!“ Diese Art der Konversation kennen viele Eltern, die ihre Kinder fern von gesellschaftlichen Vorgaben kleiden. In den Mode- und Spielzeuggeschäften wird streng kategorisiert: diese Sachen sind für Buben, jene für Mädchen.
Eine große Anzahl von Menschen meint, dass die Kleider- und Spielzeugwahl der Kinder wohl keinen weiteren Einfluss auf die persönlichen Interessen des Kindes haben. Allerdings drängen Spielzeuge sowie Motive und Aufschriften auf den Kleidungsstücken Buben und Mädchen in vorgegebene Rollen: Erstere sind stark und tapfer, zweitere sind schlank und süß. Unsere Kinder gemäß ihren individuellen Interessen zu fördern, vollkommen unabhängig von Rollenklischees, ist meinem Mann und mir wichtig.
Unsere Erfahrung zeigt, dass sich Kinder dadurch respektiert und wertgeschätzt fühlen und ihre Persönlichkeit unbeschränkt entfalten können.
Im Rahmen meiner Ausbildung zur Elternbildnerin wurden mir die Themen der geschlechtersensiblen Erziehung sehr wichtig. Einerseits, weil ich als Frau, die selbst Fußball spielt, immer wieder belächelt werde, und andererseits, weil unsere Kinder uns zeigen, dass Buben auch ängstlich und Mädchen mutig sein dürfen wollen. Daher kümmert sich unser Sohn genauso liebevoll um die Puppen wie seine Schwestern, und unsere Jüngste kann es kaum erwarten, bis sie alt genug ist, um mit dem Fußballtraining zu beginnen.

Ulrike Schellander

Die Autorin ist Kindergartenpädagogin, AHS-Lehrerin und diplomierte Elternbildnerin.

Nur rosarot und himmelblau? Elternbildung auf einen Klick – Kurzvideo und Online-Workshop zum Thema „Geschlechtergerechte Erziehung“. | Foto:  Menhart
Ulrike Schellander
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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