24. Sonntag 2026: P. Matthäus Kern
Vergebung verändert etwas

Wer selbst einen neuen Anfang erfahren hat, kann ihn auch anderen ermöglichen. | Foto: Farknot Architect-stock.adobe.com
  • Wer selbst einen neuen Anfang erfahren hat, kann ihn auch anderen ermöglichen.
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Heute ist Dirndlgwandsonntag. Viele Menschen zeigen damit ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat und ihrer Gemeinschaft. Heimat kann ein schönes Gefühl sein. Sie gibt Halt und lässt uns spüren, wohin wir gehören. Aber Gemeinschaft ist nicht immer einfach. Wo Menschen miteinander leben, lieben und feiern, gibt es auch Verletzungen, Enttäuschungen und Streit. Dann stellt sich die Frage: Wie können wir wieder zueinanderfinden?
Das Evangelium dieses Sonntags führt uns mitten hinein in diese Frage. Petrus möchte von Jesus wissen: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ Jesus antwortet: „Nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.“

Das klingt zunächst nach einer einfachen Aufforderung: Du sollst immer wieder vergeben. Doch dann erzählt Jesus ein Gleichnis, das einen tieferen Blick eröffnet. Er beginnt nicht mit der Vergebung, sondern mit dem Himmelreich: „Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.“

Der König erlässt einem Knecht eine unermesslich große Schuld. Dieser erlebt etwas, das er selbst niemals hätte leisten können: Er wird aus einer ausweglosen Situation befreit. Doch kaum ist er selbst davongekommen, verlangt er von einem anderen eine vergleichsweise kleine Schuld zurück. Er hat offenbar vergessen, was ihm selbst geschenkt worden ist.

Quelle der Liebe

Vielleicht liegt genau darin die Pointe des Gleichnisses: Wer Vergebung erfährt, erfährt etwas vom Himmel. Und wer vergibt, kann auch einem anderen Menschen ein Stück Himmel eröffnen. Wer vergibt, pflegt nicht nur seine Gottesbeziehung, sondern auch die Beziehung zu sich selbst. Er entlässt seinen Mitmenschen aus der inneren Umklammerung und findet so auch selbst eine innere Freiheit. Ich würde sogar sagen: So findet man zur Quelle der Liebe zurück.

Das ist ein großer Gedanke, aber zugleich eine große Zumutung. Denn Vergebung gehört zu den schwierigsten Übungen des menschlichen Lebens. Besonders dann, wenn wir tief verletzt worden sind. Unser Verstand kann vielleicht längst wissen, dass Vergebung gut wäre, während unser Herz noch nicht dazu bereit ist.

Wer Vergebung erfährt, erfährt etwas vom Himmel.
Und wer vergibt, kann auch einem anderen Menschen ein Stück Himmel eröffnen.

Darum sollten wir uns nicht vorschnell verurteilen, wenn Vergebung schwerfällt. Der erste Schritt kann darin bestehen, dass ich mir eingestehe: Ich bin verletzt. Dann kann ich versuchen, meine Verletzung nicht immer wieder neu zu pflegen. Und schließlich kann daraus der Wunsch erwachsen, vergeben zu können, auch wenn mein Herz noch nicht dazu bereit ist. Das Gebet ist mir dabei eine große Stütze.

Vielleicht müssen wir Vergebung nicht als einmalige große Tat verstehen. Sie kann ein Weg sein, auf dem wir Schritt für Schritt lernen, loszulassen.

Nicht an Schuld festhalten

Am heutigen Dirndlgwandsonntag feiern viele ihre Verbundenheit mit Menschen und Heimat. Das Evangelium erinnert uns daran, dass Gemeinschaft dort stark wird, wo Menschen nicht nur zusammengehören, sondern einander auch vergeben können.

Denn Vergebung verändert etwas. Sie macht die Vergangenheit nicht ungeschehen, aber sie verhindert, dass sie unsere Zukunft bestimmt. Wo ein Mensch den Mut findet, eine Schuld nicht für immer festzuhalten, entsteht neuer Raum für Leben, für Beziehung und für Hoffnung. Vielleicht ist das eine der schönsten Erfahrungen des Himmelreiches: dass Gott uns nicht auf unsere Schuld festlegt, sondern uns immer wieder einen neuen Anfang schenkt.

Wer selbst einen solchen neuen Anfang erfahren hat, kann ihn auch anderen ermöglichen. Das gelingt nicht immer sofort und nicht immer vollständig. Aber jeder Schritt in diese Richtung öffnet ein wenig mehr den Raum, in dem Gottes Himmel unter uns erfahrbar wird.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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