300. Todestag von Jakob Prandtauer
Prandtauer: brandaktuell

Das Gemälde von Jakob Prandtauer befindet sich im Melker Stift. | Foto: Stift Melk
3Bilder
  • Das Gemälde von Jakob Prandtauer befindet sich im Melker Stift.
  • Foto: Stift Melk
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Jakob Prandtauer prägte mit seinen Barockbauten St. Pölten und ganz Niederösterreich. Anlässlich seines 300. Todestages laden das Kulturland Niederösterreich, das Museum am Dom und das Stadtmuseum St. Pölten am 18. September zu einem umfassenden und informativen Festprogramm ein.

Barockstadt St. Pölten: Es ist vor allem einem Mann zu verdanken, dass die niederösterreichische Landeshauptstadt ihr barockes Gepräge erhalten hat: Jakob Prandtauer, dessen Todestag sich am 16. September zum 300. Mal jährt, wird nicht zuletzt deshalb mit einem Festprogramm geehrt.

Der gefragte Barockbaumeister wirkte in St. Pölten unter anderem bei der Barockisierung des Doms und dem Bau der Institutskirche der Englischen Fräulein. Doch auch die Baulandschaft Niederösterreichs prägte er entscheidend mit. „Wer Prandtauers Werk kennenlernen möchte, sollte vor allem sein Hauptwerk, das Stift Melk, besuchen“, sagt die Leiterin des Museums am Dom, Barbara Taubinger. An dem eindrucksvollen Prachtbau arbeitete er 24 Jahre lang. Doch Prandtauer beherrschte nicht nur den großen Prunk, sondern auch die feineren architektonischen Töne. An der Wallfahrtskirche Sonntagberg zeige sich eindrucksvoll sein Gespür für die Verbindung von Architektur, Landschaft und religiöser Inszenierung, betont Taubinger. An den Bauten Prandtauers offenbart sich der Facettenreichtum barocker Baukunst, in der sinnenfreudige Prachtentfaltung durch Stein, Holz und Metall auf etwas Höheres verweist.

Karriere und bleibender Ruhm

Prandtauers Karriere begann dabei gar nicht als Kirchenarchitekt. Er fing als junger Mann eine Maurerlehre an, verdiente sich anschließend wahrscheinlich als Saisonarbeiter seinen Lebensunterhalt – genau ist das nicht überliefert. Der gebürtige Tiroler übersiedelte 1692 nach St. Pölten, wo er seine ersten Bauaufträge erhielt. Handelte es sich erst noch um Umgestaltungen bestehender Gebäude, entwarf er 1696 Brücken über Donaunebenflüsse. Obgleich von den Entwürfen nur einer realisiert wurde, brachte ihn diese Arbeit in Kontakt mit den Mönchen des Stifts Melk. Das Kloster gab ihm mehrere Aufträge, der bedeutendste war 1702 der Neubau der Stiftskirche.

„Seine Bauten waren Orte der Begegnung, Bildung und Gemeinschaft.“

Nach dem Tod Carlo Antonio Carlones, des großen Stiftsbaumeisters Oberösterreichs, übernahm Prandtauer die Bauleitung in dessen hochkarätigen Projekten. Die prächtigen Stifte Kremsmünster, Garsten und St. Florian gingen durch seine Hände.

Pfarrhöfe, Schüttkästen, Gartengebäude, auch das Schloss Hohenbrunn bei St. Florian erbaute Prandtauer in den Folgejahren. 1726 starb der Baumeister. Sein steingewordenes Vermächtnis zeugt von seinem Ruhm als begnadeter Barockarchitekt – und ist bis ins Heute beispielhaft.

Sozialer Raum

„Prandtauer verstand Architektur als sozialen Raum. Seine Kloster-, Kirchen- und Stiftsanlagen waren Orte der Begegnung, Bildung und Gemeinschaft“, erklärt Barbara Taubinger. Dass er diesen Sinn für das Ganzheitliche gehabt habe, in dem nicht nur ästhetische Gefälligkeit, sondern auch Wohnlichkeit und Alltagstauglichkeit ihren Platz haben, zeichnet ihn besonders aus. „So etwas spürt man, wenn man in einen von ihm geschaffenen Raum tritt: Nicht nur der große Gestus ist da zu bemerken, auch Geborgenheit und Wärme“, so die Museumsdirektorin.

Noch etwas ist an dem Barockmeister interessant. Anders als viele seiner Zeitgenossen ging Prandtauer bei der Arbeit an bestehenden Gebäuden oftmals mit großer Sorgfalt heran und verband traditionelle Handwerkstechniken mit den baulichen Innovationen seiner Zeit. Darüber, wie wir heute mit bestehender Bausubstanz umgehen, wie wir das Erbe einer vergangenen Zeit bewahren, lässt sich anhand des Beispiels Prandtauers nachdenken.

Die Relevanz von Jakob Prandtauer heute

Barbara Taubinger resümiert: „Prandtauer ist also heute nicht nur deshalb relevant, weil seine Bauwerke erhalten geblieben sind, sondern weil die Fragen, die ihn beschäftigten, noch immer dieselben sind: Wie bauen wir nachhaltig? Wie gehen wir mit historischem Bestand um? Und wie schaffen wir Räume, die Menschen zusammenbringen?“

FESTPROGRAMM am 18. September 2026

Museum am Dom (Eintritt frei von 10 bis 17 Uhr, Domplatz 1, St. Pölten)
14 bis 16 Uhr – Museumswerkstatt für Kinder
Gestalte deine eigene Barockstadt mit Fassaden und Garten. Gemeinsamer Workshop mit dem Stadtmuseum.
14.30 Uhr – Spezialführung
Auf den Spuren Prandtauers geht es unter anderem in die Bischofsgruft!
16:00 Uhr – Stadtspaziergang
Erkunde mit Thomas Pulle die Barockfassaden St. Pöltens! Treffpunkt: Museum am Dom, Domplatz 1.

Stadtmuseum St. Pölten (Eintritt frei von 10 bis
17 Uhr, Prandtauerstraße 2, St. Pölten).
17.15 Uhr – Spezialführung
Entdecke in der neuen Ausstellung zur Stadtgeschichte den Werdegang St. Pöltens zur Barockstadt!
18 Uhr – „Prandtauer brandaktuell“
Podiumsgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kunst und Kultur, Design und Denkmalpflege über den heutigen Umgang mit dem Werk Prandtauers.

Rathausgalerie (Eintritt frei von 14 bis 18 Uhr, Rathausplatz 1, St. Pölten).
Austellung „A tribute to JP“ von Norbert Steiner.

Das Gemälde von Jakob Prandtauer befindet sich im Melker Stift. | Foto: Stift Melk
1702 bekam Prandtauer seinen ersten großen Auftrag: den Neubau der Stiftskirche Melk. | Foto: dudlajzov/Adobe
Das Innere der Wallfahrtskirche Sonntagberg, die von 1706 bis 1732 nach den Plänen von Josef Munggenast und Jakob Prandtauer errichtet wurde. | Foto: Wolfgang Zarl
Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ