Familie
Der Sonnenschein im Haus

Eine positive Stimmung im Haus, eine glückliche Familie, ist nicht selbstverständlich oder zufällig: Sie ist meistens das Ergebnis von mütterlicher „Emotionsarbeit“, wie Soziologie und Familienforschung das Bemühen von Müttern nennen. | Foto: BuyoutReese07/peopleimages.com/Adobe
  • Eine positive Stimmung im Haus, eine glückliche Familie, ist nicht selbstverständlich oder zufällig: Sie ist meistens das Ergebnis von mütterlicher „Emotionsarbeit“, wie Soziologie und Familienforschung das Bemühen von Müttern nennen.
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Was machen Mütter, damit die Stimmung in der Familie positiv ist? Eine Studie macht diese „Emotionsarbeit“ deutlich.

Eltern zu sein, bedeutet mehr als Sorge und Organisation. Eine Familie ist wesentlich geprägt von der emotionalen Stimmung im Haus: Wie kehrt nach einem Konflikt wieder Frieden ein? Können kindliche Bedürfnisse und Signale wahrgenommen und positiv gedeutet werden? Wie wird mit schwierigen Situationen umgegangen? Herrscht untereinander ein liebevoller Ton?

Bewusste Praktiken

Es kann der Eindruck entstehen, dass positive Gefühle selbstverständlich vorhanden oder leicht herzustellen seien – „stattdessen sind sie ein Ergebnis bewusster, mit Aufwand verbundener Praktiken“, wie es in einem Bericht des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Uni Wien heißt. In der Soziologie spricht man von „Emotionsarbeit“ von Müttern, die sich dabei an sozial geformten Normen orientieren – was Menschen in welchen Situationen fühlen und wie sie Gefühle zeigen dürfen – und daraus konkrete Praktiken entwickeln. Eine Studie hat Mütter in der frühen Phase ihrer Mutterschaft interviewt, wie sie im Alltag mit Gefühlen umgehen.
Das erste Bündel mütterlicher Verhaltensweisen zielt auf das Vermeiden von Druck, Belehrung oder missbilligenden Reaktionen sowie auf das Sich-Vorbereiten auf neue Situationen. Eine Frau schildert etwa, dass sie Gesprächen mit ihrer Schwiegermutter aus dem Weg geht – andere, dass sie sich vorab informieren, um ihre Sorgen zu mindern und den Alltag als Mutter berechenbarer zu machen.

Aus Unsicherheit und Angst werden Ruhe und Gelassenheit.

Das zweite Bündel an Verhaltensweisen betrifft die Gefühle selbst. Drei unterschiedliche Formen lassen sich unterscheiden: Unterdrücken, Tiefenhandeln und Abmildern. Einige Frauen unterdrücken spontane Impulse, um die mit ihnen verknüpften Impulse bewusst zu dämpfen, wenn sie nicht ins Bild „guter Mutterschaft“ passen. Bei der Praxis des Tiefenhandels hingegen geht es um das innere Verändern: Eine Mutter, die sich wegen der hohen Zahl an Kindern kritisch beäugt und dadurch gestresst fühlte, rief sich eine gegenteilige Stimmung ins Gedächtnis: Sie erinnerte sich an Komplimente über das Verhalten ihrer Kinder und arbeitete so lange an ihren Emotionen, bis Ärger und Unsicherheit sich durch dieses Tiefenhandeln in Ruhe, Gelassenheit und sogar Stolz wandelten. Beim Abmildern wiederum geht es vor allem um mütterliche Schuldgefühle, die entstehen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. „Das Abmildern der Schuldgefühle findet statt, indem Mütter die Belastungen in der jeweiligen Situation anerkennen, ihr Handeln nicht isoliert betrachten, sondern als Folge struktureller Gegebenheiten ausmachen“, schreibt die Soziologin Fabienne Décieux .
Die interviewten Mütter sind alle bestrebt, positive Emotionen zum Wohl ihres Kindes herzustellen: „Glückliche Eltern, glückliche Kinder“ laute das bewusste und unbewusste Motto. Eine 26 Jahre alte Mutter eines Mädchens und eines Buben stellte fest: „Ich glaube, eine glückliche Mutter macht schon viel aus.“ Umgekehrt hänge das eigene Glück daran, ob die Kinder sich gut entwickeln, ob Lachen, gutes Essen, Ruhe und Ordnung hergestellt werden konnten.
„Auffällig bleibt die Asymmetrie der Zuständigkeiten“, so die Soziologin. In den Erzählungen werden Väter oder Großeltern selten als verantwortlich für den „Sonnenschein“ in der Familie angesehen. Sie mögen unterstützen, beruhigen, einzelne Impulse geben – aber die letztliche Verantwortung liege bei den Müttern. Die Mutter biete eine Art emotionale Infrastruktur der Familie, deren – oft unsichtbare – Funktion erst auffällt, wenn sie ins Stocken gerät. Der Glaube, dass Glück eine Folge der richtigen Entscheidung und der richtigen Haltung ist, lässt „Emotionsarbeit“ leicht, fast natürlich erscheinen: Wer positiv denkt, wird glücklich. Dass sie anstrengend ist, Zeit braucht und auch scheitern kann, werde oft nicht gesehen, so Fabienne Décieux. https://oif.ac.at

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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