26. Sonntag 2026: Sr. Elvira J. Reuberger
Jesus fragt nach unserer Einstellung

Am 11. Oktober feiern die Amstettner Franziskanerinnen um 14 Uhr ein besonderes Franziskusfest: Es ist der 800. Todestag (eigentlich am 4. Oktober) ihres Ordensgründers, des heiligen Franz von Assisi. Bild: Amstettner Klosterkirche.  | Foto: Wolfgang Zarl
  • Am 11. Oktober feiern die Amstettner Franziskanerinnen um 14 Uhr ein besonderes Franziskusfest: Es ist der 800. Todestag (eigentlich am 4. Oktober) ihres Ordensgründers, des heiligen Franz von Assisi. Bild: Amstettner Klosterkirche.
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Wenn ich das Evangelium von diesem Sonntag höre, kommt mir ein Ereignis aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi in den Sinn.

In der Legende von Perugia wird erzählt: „Eines Tages, als Franziskus sich im Laden seines Vaters befand, trat ein Bettler ein und bat um ein Almosen. Ganz in sein Geschäft vertieft, verweigerte ihm Franziskus ein Almosen und schickte ihn fort. Doch kaum war dieser weggegangen, machte Franziskus sich heftige Vorwürfe, hatte der Bettler ihn doch um der Liebe Christi willen um eine milde Gabe gebeten. Sofort eilte er dem Bettler nach und fand keine Ruhe, bis er ihn gefunden und ihm das Almosen gegeben hatte.“

Auch der erste Sohn im Evangelium will der Bitte seines Vaters, im Weinberg zu arbeiten, in einer spontanen Reaktion nicht entsprechen. „Später aber reute es ihn und er ging hinaus.“

Ich denke, manche Eltern und Erziehungsverantwortlichen werden diese oder ähnliche Verhaltensweisen von Kindern oder Jugendlichen schon kennengelernt und damit ihre Erfahrungen gemacht haben. „Ich will nicht“, werden sie nicht selten zu hören bekommen. Aber vielleicht genauso oft überraschend ist es dann für sie, wenn aus der ablehnenden Antwort nach einer Zeit der Einsicht ein zustimmendes Tun wird.

Schwieriger ist es, mit dem braven Sohn umzugehen

Viel schwieriger dagegen ist es, mit dem scheinbaren Gehorsam des zweiten Sohnes umzugehen. Brav „Ja“ zu sagen und das Erbetene doch nicht zu tun, das untergräbt die Vertrauensbasis und Eltern wissen dann nicht mehr, ob sie sich auf ihre Kinder verlassen können.

Doch es sind nicht nur Probleme der Erziehung, die uns bei diesem Evangelium in den Sinn kommen. Es ist für uns alle eine herausfordernde Botschaft diese Sache mit den zwei Söhnen. Unwillkürlich frage ich mich, wie es mir geht mit den Ansprüchen, die andere Menschen an mich stellen, mit Bitten, die an mich herangetragen werden. Weiche ich aus mit scheinbaren Lösungsvorschlägen oder mit einem vorschnellen Ja, dem aber keine Taten folgen? Gut, dass es mir manchmal auch wie dem ersten Sohn geht. Meinem unwilligen Verweigern kann dann doch eine helfende Tat folgen. Das Verhalten der zwei Söhne macht mir bewusst, wie sehr es auf das aufmerksame Zuhören ankommt, auf das einfühlsame Wahrnehmen, um in einer entscheidenden Situation der Stimme der Liebe zu gehorchen.

Jesus macht uns bewusst, dass Gott sein liebendes Ja zu jedem spricht und seine Zusage der Liebe keine Grenzen kennt.

Auch die Frage Jesu: „Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?“ fordert die Hohepriester und die Ältesten des Volkes zur Entscheidung heraus, das eigene Verhalten zu überdenken. Es muss für sie zudem eine enorme Provokation gewesen sein, dass Jesus ihnen im Vergleich mit den Zöllnern und Dirnen den Glauben abspricht. In ihren Augen sind diese Zeitgenossen eine abgeschriebene Randgruppe ohne jegliche Chance, vor Gott gerecht zu sein.

Wenn Jesus so provokativ die Rechtgläubigen der damaligen Zeit mit den Randständigen der damaligen Zeit vergleicht, so ist das auch für uns eine Frage nach unserer inneren Einstellung. Nicht selten fällt es uns schwer, den Menschen, die gesellschaftlich nicht so anerkannt sind, etwas Gutes zuzutrauen. Die Frage ist auch, wie es um unsere Vorurteile den zugewanderten Menschen gegenüber bestellt ist oder gegenüber Andersgläubigen oder gegenüber Menschen ohne religiöses Bekenntnis. Es ließen sich noch viele Gründe anführen, warum anderen Menschen das Recht der Zugehörigkeit oder der wahre Glauben abgesprochen wird.

Ich denke, durch die Geschichte von den zwei Söhnen macht uns Jesus bewusst, dass Gott sein liebendes Ja zu jedem Menschen spricht und seine Zusage der Liebe keine Grenzen kennt.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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