Bauernbundwallfahrt nach Mariazell
Bischof Schwarz: Kein Erntedank wie immer
- Seit 80 Jahren führt die Bauernbund-Wallfahrt nach Mariazell. Bischof Alois Schwarz hielt die Festpredigt. Superior Michael Staberl konnte u. a. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Österreichs Bauernbundpräsident Georg Strasser, LH-Stv. Stephan Pernkopf und NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek begrüßen.
- Foto: NÖ Bauernbund / Anna Schuecker
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In seiner Predigt bei der 80. Bauernbundwallfahrt erinnerte Bischof Alois Schwarz an die historischen Wurzeln der Wallfahrt, sprach über Herausforderungen eines von extremer Hitze geprägten Sommers und rief zu Hoffnung, Zusammenhalt und gelebtem Glauben auf.
Es war eine Zeit, in der niemand wusste, wie es mit unserem Land weitergehen würde. Doch sie wussten, dass sie zur Gottesmutter nach Mariazell gehen und sie bitten mussten, schützend ihre Hand über Österreich zu halten.“ Mit diesen Worten erinnerte Bischof Alois Schwarz in seiner Predigt an das Gelöbnis der Bauernbundpolitiker Leopold Figl und Josef Reither. Während ihrer Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau versprachen sie, im Falle der Wiedererlangung von Freiheit und Souveränität Österreichs jedes Jahr eine Wallfahrt der niederösterreichischen Bauern nach Mariazell zu führen. Aus diesem Versprechen wurde eine Tradition, die bis heute fortlebt. Heuer fand die Bauernbundwallfahrt zum 80. Mal statt.
Schwarz ging in seiner Predigt auch auf den heuer außergewöhnlich heißen Sommer ein. Er habe zum Gebet um Regen aufgerufen, erzählte der Bischof. „Da hat eine Zeitung geschrieben: ,Bischof, wir brauchen Regen und kein Gebet.‘ Aber der Regen ist dann gleich gekommen. Beten hilft“, sagte Schwarz und fügte hinzu: „Gott sei Dank.“
Mit Blick auf die Folgen der langen Trockenheit betonte der Bischof, dass die heurigen Erntedankfeste anders ausfallen würden als in den vergangenen Jahren. „Man kann nicht einfach die Erntedankkrone vom Vorjahr nehmen, abstauben und wieder hintragen“, sagte er mit Verweis auf die geringeren Erträge. Zugleich erinnerte er an die biblische Erzählung von der Speisung der Vielen. Das wenige, das vorhanden sei, gelte es Gott hinzuhalten und miteinander zu teilen. „Herrgott, nimm es und schenke uns die Kraft zum Teilen“, so Schwarz. Dies gelte nicht nur für materielle Güter, sondern auch für persönliche Erfahrungen und Lebensweisheiten.
Gerade in unsicheren Zeiten sind Christinnen und Christen gefordert, Hoffnung zu säen.
Schwierige Lebensphasen könnten Menschen prägen und stärken, zeigte sich der Bischof überzeugt. Schicksalsschläge, Todesfälle oder zerbrochene Beziehungen stellten das Leben auf die Probe. Entscheidend sei jedoch die Frage, was man aus solchen Erfahrungen lerne. „Der Härtetest im Leben ist manchmal der größte Lehrmeister“, sagte Schwarz.
Ein weiteres Bild seiner Predigt nahm die Landwirtschaft selbst auf. Saat, Wachstum und Ernte seien Sinnbilder für menschliches und gesellschaftliches Leben. Die Landwirtschaft wisse, dass Entwicklung Zeit brauche. „Das Korn braucht die dunkle Erde und wächst dann von selbst“, so der Bischof. Dem stehe eine Gesellschaft gegenüber, in der vieles sofort verfügbar sein müsse. Umso wichtiger sei eine „Kultur der Aussaat“, die auf Geduld, Vertrauen und Hoffnung setze.
Gerade in unsicheren Zeiten seien Christinnen und Christen gefordert, Hoffnung zu säen und ihrem Glauben sichtbar Gestalt zu geben. Schwarz rief dazu auf, das Christsein als ein „Lebensprogramm“ zu verstehen und klar Profil zu zeigen. Mit Blick auf die junge Generation betonte er, dass junge Menschen durchaus bereit seien, Leistung zu erbringen. Sie wollten jedoch wissen, wofür sie sich engagieren und welche Perspektiven sich daraus ergeben. Deshalb brauche es heute mehr Orientierung und glaubwürdige Antworten auf die Fragen nach Sinn und Zukunft. In diesem Zusammenhang verwies der Bischof auch auf die 80-jährige Geschichte der Landjugend, die Glauben, Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinde.
Die Wallfahrt bezeichnete der Bischof als ein „Programm der Hoffnung“. Die Pilgerinnen und Pilger seien eingeladen, diese Hoffnung in eine zunehmend unübersichtliche Welt hineinzutragen. Unter dem Motto „Glauben leben – Hoffnung säen“ erinnerte er daran, dass Hoffnung dort wachse, wo Menschen im Glauben verwurzelt bleiben und Verantwortung füreinander übernehmen.
An der Jubiläumswallfahrt nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Bauernbund teil. Unter den Wallfahrern waren u. a. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und der frühere Landeshauptmann Erwin Pröll.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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