Junge Organistinnen und Organisten
Nachwuchs für die „Königin der Instrumente“
- Magdalena Salzmann
- Foto: zVg
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Bach, Buxtehude und Bartholdy – oder vielleicht doch eher Schlager, Musik aus „Star Wars“ oder Hits von Popsängerin Shakira? Junge Organisten und Organistinnen prägen derzeit die Kirchenmusik neu. Da kann es schon vorkommen, dass ein 15-Jähriger zum Auszug ein Stück der US-Band Coldplay oder die Titelmusik zum Film „Fluch der Karibik“ spielt.
Über einen Kilometer war die Schlange lang, als im Sommer 2025 mehr als 10.000 Menschen im Kölner Dom der britischen Organistin Anna Lapwood bei ihrem Konzert zuhören wollten. Die Orgel-Influencerin hat über 1,7 Millionen Follower auf Instagram und TikTok und schafft es, klassische Orgelmusik mit moderner Filmmusik zu kombinieren. Bei ihrer Konzerttour in Deutschland musste der Kölner Dom schließlich gesperrt werden, weil so viele Menschen hinein wollten.
Der Trend vom „Orgel-Influencer“
Aber der Trend vom „Orgel-Influencer“ ist nicht neu: Der US-Amerikaner Cameron Carpenter (Auftritt am 26. September im Bruckner Haus in Linz) begeistert schon seit Jahren mit seinen Videos von Klassischer Musik und Hard-Rock Versionen auf der Orgel, das deutsche Nachwuchstalent Jan Liebermann filmt sich beim Proben für seine Konzerte und der Kirchenorganist Alexander Uhl veröffentlicht Cover-Versionen von Musik aus den 1980er- und 1990er-Jahren, bei denen die Gottesdienstbesucher in seiner Pfarre in Bayern begeistert mitklatschen. Was die jungen Musikerinnen und Musiker dabei zeigen: Die Orgel kann weit mehr als viele vermuten. Von barocken Choralwerken Johann Sebastian Bachs bis zu modernen Hits – gerade diese Vielfältigkeit macht das Instrument für eine junge Generation interessant.
Auch in unserer Diözese gibt es immer mehr junge Menschen, die Freude an der „Königin der Instrumente“ finden.
Auch in der Diözese St. Pölten gibt es immer mehr junge Organistinnen und Organisten, die Freude an der „Königin der Instrumente“ finden und heilige Messen musikalisch begleiten. An vielen Musikschulen und an manchen Gymnasien (z. B. in den Stiftsgymnasien Melk und Seitenstetten) wird Orgelunterricht angeboten und am Konservatorium für Kirchenmusik St. Pölten kann man gleich aus mehreren Angeboten wählen: Vom Reinschnuppern ins Orgelspiel bei einwöchigen Sommerkursen bis hin zum Perfektionieren im Rahmen des Ausbildungszweigs Kirchenmusik, das neben Schule oder Beruf absolviert werden kann.
In den Pfarren freut man sich üblicherweise über junge Leute, die die Orgel spielen wollen. Tatsächlich fehlt es da und dort an Organistinnen und Organisten, die bereit sind, regelmäßig Messfeiern musikalisch zu gestalten. In der Diözese Graz-Seckau etwa wird Nachwuchs für über 600 Kirchenorgeln gesucht. Technische Lösungen wie „Organolas“ können dabei helfen, dass es beim Gottesdienst dennoch Orgelmusik gibt. Die computergesteuerten Aufsätze werden auf den Manualen (Tastatur) montiert und können vorprogrammierte Messlieder spielen. Doch eine Organola kann nicht ersetzen, was die Orgel so interessant macht: Menschen, die das Instrument für sich entdecken, damit experimentieren und zeigen, was in ihm steckt.
Gerade darin liegt wohl die Zukunft der Orgel: Wenn sie nicht nur als Instrument vergangener Jahrhunderte wahrgenommen wird, sondern als modernes und vielseitiges Musikinstrument unserer Zeit, könnte aus dem Social-Media-Trend tatsächlich eine neue Generation von Organistinnen und Organisten entstehen. Von Magdalena Salzmann
Wie wird man Organist?
Sie sind nicht immer sichtbar, aber doch immer hörbar: die über 785 Organistinnen und Organisten unserer Diözese. Kalte Finger und frühes Aufstehen gehören für sie einfach dazu. Aber wie wird man das überhaupt: Organistin oder Organist?
Geht das auch ein bisschen tiefer?“ Solche spontanen Wünsche des Pfarrers gehören für Organisten zum Alltag. Auch wenn die Kommunion einmal länger dauert als geplant, muss die Musik entsprechend angepasst werden. Flexibilität gehört deshalb genauso zum Orgelspielen wie Üben, Vorbereiten und natürlich die Freude am Musizieren. Hinter diesem selbstverständlichen Teil des Gottesdienstes steckt allerdings viel mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
785 Organisten und
Organistinnen gibt es
in unserer Diözese
Laut Johann Simon Kreuzpointner, Leiter der Abteilung Kirchenmusik in der Diözese St. Pölten, sind derzeit in unserer Diözese 785 Organisten und Organistinnen erfasst. In jeder fünften Pfarre spielen Personen Orgel, die jünger als 30 Jahre alt sind. Allerdings sind die genauen Daten nicht lückenlos t, so Kreuzpointner. In den meisten Pfarren teilen sich mehrere Musiker und Musikerinnen die Orgeldienste. Nur wenige sind hauptberuflich als Organisten angestellt, viele erhalten von ihrer Pfarre ein geringfügiges Honorar.
Einen einheitlichen Werdegang für angehende Organisten gibt es nicht. Oft ist es ein anderer Organist im Bekanntenkreis oder ein Musikschullehrer, der die Orgel vorstellt und damit die Begeisterung für das besondere Instrument weckt. Wer seine Kenntnisse weiter vertiefen möchte, kann etwa das Konservatorium für Kirchenmusik besuchen. Dort geht es nicht nur ums Orgelspielen: Auch Tonsatz, Chorleitung, Stimmbildung und Orgelbaukunde gehören zur Ausbildung.
Voraussetzungen für angehende Organisten
Was braucht es, um Organist zu werden? Grundkenntnisse im Klavierspielen sind hilfreich – ebenso eine gewisse Körpergröße, um die Pedale gut zu erreichen. Vor allem aber Interesse an der Orgelmusik und Begeisterung für das Instrument. Denn wer einmal selbst an der Orgel sitzt und die vielen Register zieht, merkt schnell: Dieses Instrument hat einiges zu bieten.
Und wenn die nächste Messe zu Ende ist und der Organist zum Auszug ordentlich in die Tasten greift: Warum nicht sitzen bleiben und den Klängen der Orgel noch ein bisschen länger lauschen?
Warum spielst du Orgel?
Drei junge Organisten erzählen
Caroline Ofenauer, 17
Pfarre Markersdorf
Schon als kleines Kind habe ich meiner Mama beim Orgelspielen zugeschaut und es sehr bewundert. Daraufhin wollte ich auch Orgel spielen. Am Orgelspielen finde ich cool, dass man Gottesdienste mitgestalten und durch die Orgelregistrierung so viele verschiedene Klänge erzeugen kann.
Lukas Prischl, 18
Pfarre Kilb
Mich haben die Größe und Klangvarietät der Orgel schon immer fasziniert. Außerdem ist die musikalische Begleitung in Gottesdiensten eine Bereicherung. Das Beste am Orgelspielen ist, Stücke aus allen Musikrichtungen spielen zu können und ihnen neue Interpretationen zu verleihen.
Benedikt Neumayr, 16
Pfarre Purgstall
Ich liebe, wie vielseitig die Orgel ist. Man kann sowohl zarte Klänge erzeugen, als auch die Kirche zum Beben bringen. Ich sehe es als meine Aufgabe, moderne Musik in die Kirche zu bringen und mit neuen Ideen für ein wenig Schwung zu sorgen, auch mit meinen Eigenkompositionen.
Kommentar: Magdalena Salzmann, 16, aus der Pfarre Purgstall: Das Schönste am Orgelspielen
Als ich 13 war, nahm mich meine Klavierlehrerin Corinna Pöchhacker mit zur Orgel in Purgstall. Damals half sie dort als Organistin aus. Das gewaltige Instrument hatte es mir sofort angetan und in den kommenden Klavierstunden gingen wir immer öfter hinüber in die Kirche. Ein paar Monate später hatte ich die Ehre, am Ostersonntag in Scheibbs einen Teil der Messe begleiten zu dürfen – für mich ein prägendes Ereignis, denn von da an stand für mich fest, dass ich Organistin werden wollte.
Ungefähr ein Jahr später begann ich unter der Anleitung des Purgstaller Chef-Organisten Toni Sauprügl selbst Messen zu begleiten – und das mache ich bis heute.
Es ist für mich immer noch etwas Besonderes, wenn die Ministranten die Glocke läuten und ich den Einzug zu spielen beginne, auch wenn ich heute längst nicht mehr so nervös bin wie vor zwei Jahren. Besonders beeindruckend war für mich, als ich heuer in der Osternacht das Gloria spielen durfte – da habe ich natürlich alle Register gezogen!
An normalen Sonntagen im Jahreskreis überrasche ich die Kirchgänger in Purg-stall auch gerne mal mit einem modernen Lied zum Auszug.
Wenn ich allein in der leeren Kirche übe, kann ich abschalten und den Trubel des Alltags hinter mir lassen. Vielleicht ist genau das für mich das Schönste am Orgelspielen: Ich kann meine Leidenschaft für Musik mit meinem Glauben verbinden und dabei immer wieder einen Moment der Nähe zu Gott erleben.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.