Interview mit KA-Präsident Haiderer
„Wir feiern 2021 unter dem Motto 70+1“

MMag. Armin Haiderer (40) stammt aus Prinzersdorf (Bezirk St. Pölten), besuchte das Stiftsgymnasium in Melk und studierte anschließend an der Universität Wien Geschichte und Sozialkunde sowie kombinierte Religionspädagogik. Haiderer war 
ehrenamtlicher Vorsitzender der Katholischen Jugend der Diözese St. Pölten und wurde 2008 zum jüngsten der bisherigen diözesanen KA-Präsidenten in Österreich gewählt. Auf Österreichebene ist er Vize-Präsident. 
Haiderer ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er unterrichtet an der Tourismusschule sowie an der New Design University St. Pölten. Als begeis­terter Sportler hat 
sich Haiderer der chinesischen Kampfkunst „Wing Chun“ verschrieben.
  • MMag. Armin Haiderer (40) stammt aus Prinzersdorf (Bezirk St. Pölten), besuchte das Stiftsgymnasium in Melk und studierte anschließend an der Universität Wien Geschichte und Sozialkunde sowie kombinierte Religionspädagogik. Haiderer war
    ehrenamtlicher Vorsitzender der Katholischen Jugend der Diözese St. Pölten und wurde 2008 zum jüngsten der bisherigen diözesanen KA-Präsidenten in Österreich gewählt. Auf Österreichebene ist er Vize-Präsident.
    Haiderer ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er unterrichtet an der Tourismusschule sowie an der New Design University St. Pölten. Als begeis­terter Sportler hat
    sich Haiderer der chinesischen Kampfkunst „Wing Chun“ verschrieben.
  • Foto: Sarah Triml
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Vor 70 Jahren wurde die Katholische Aktion (KA) der Diözese gegründet. Heute zählt die KA rund 25.000 Mitglieder, zu ihr gehören sieben kirchliche Laienorganisationen wie die Katholische Frauen- und Männerbewegung oder die Katholische Jugend. MMag. Armin Haiderer, der seit 2008 KA-Präsident in der Diözese St. Pölten ist, zieht im Interview mit „Kirche bunt“ Bilanz über die letzten 70 Jahre, sagt, wo die Organisation heute steht und wo ihre Hauptaufgabe in der Zukunft liegt.

Die Katholische Aktion (KA) wird heuer 70 Jahre alt. Wie kann dieses Jubiläum in diesen Zeiten gefeiert werden?
MMag. Armin Haiderer: Wir hatten eine Reihe von Veranstaltungen im heurigen Jubiläumsjahr geplant. Der Höhepunkt wäre eine Festveranstaltung mit Festmesse am 20. Juni mit Bischof Alois Schwarz gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir leider alle Veranstaltungen absagen. Darüber sind wir natürlich sehr traurig, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir haben die Feierlichkeiten auf nächstes Jahr verschoben. Dann lautet das Motto: 70+1.

Was wäre heuer denn geplant gewesen?

Haiderer: Die Veröffentlichung einer Dip­lomarbeit über die KA, die Hannes Geirhofer in Arbeit hat. Und dann wird es auch ein Buch geben, das einen Rückblick über die letzten 70 Jahre gibt. Aber es soll nicht nur eine Nabelbeschau werden, sondern wir wollen darin auch die heutige Situation analy­sieren und schauen, welchen Herausforderungen wir uns in Zukunft stellen müssen. Darüber hinaus gibt es spannende Projekte zum Thema „Ehrenamt“ sowie ein neues Statut.

Wo sehen Sie die Aufgabe der KA?

Haiderer: Die Hauptaufgabe sehe ich in der gesellschaftlichen Verantwortung, d. h. vor allem im Dialog mit Playern außerhalb der kirchlichen Institutionen, ob das nun Regierungsstellen, Parteien oder Interessenvertreter sind. Das ist manchmal unbequem, aber es geht darum, katholisches Gedankengut im gesellschaftlichen Diskurs einzubringen, an Entscheidungsträger heranzutragen, um der Kirche ein Gesicht zu geben und um die Kirche im Gespräch zu halten.

Haben Sie den Eindruck, dass heute in der Gesellschaft kirchliche Themen im Gespräch sind?
Haiderer: Ja, absolut. Das sehen wir, wenn es z. B. um Themen wie Sterbehilfe geht, um Lebensschutz, Ethikunterricht, um die Karfreitagsdebatte oder ob der Sonntag arbeitsfrei bleiben soll – es gibt so viele Themen, wo wir uns zu Wort melden und Einfluss nehmen, weil genau das unsere ureigenste Aufgabe ist. Kirchenintern gelungen ist der KA sicherlich, dass wir seit Jahren das Thema Schöpfungsverantwortung und Umweltschutz gut platzieren konnten.

Dieses gesellschaftspolitische Wirken der KA wird in der Kirche und außerhalb mitunter kritisch gesehen. Haben Sie Sorge, dass die KA in ein politisches Eck gestellt wird?
Haiderer: Das Problem gibt es! Ich sehe, dass die KA manchmal in ein politisches Eck gedrängt wird oder sich auch politisch vereinnahmen lässt – allerdings weniger bei uns in der Diözese St. Pölten, sondern eher auf Österreichebene oder in anderen Diözesen. Ich betone aber: Nur, weil wir z. B. mit dem Gewerkschaftsbund bei einem Thema ein gemeinsames Anliegen haben, heißt das ja nicht, dass die KA genuin sozialdemokratisch ist. Mir ist wichtig, dass wir in der KA im gesellschaftspolitischen Handeln auf eine Äquidistanz achten bzw. dass die Parteien die Nähe zur Kirche selbst definieren.

Man hat den Eindruck, dass das Ansehen der KA in der Kirche über die Jahre gesunken ist. Wie sehen Sie das?
Haiderer: Vermutlich stimmt dieser Eindruck. Das hat etwa finanzielle Gründe, im Vergleich zu früher wurden unsere Dienstpos­ten um ein Drittel gekürzt, aber auch die angesprochene politische Exponiertheit der KA. Manche in der Kirche sehen es kritisch, dass die KA eben z. B. mit dem Gewerkschaftsbund kooperiert. Ich zitiere hier Bischof Alois, der sagt, dass die KA ­kirch­enextern wesentlich besser, genauer und wichtiger wahrgenommen wird als kirchenintern. Man beobachtet von Seiten der Parteien oder der Interessenvertreter, wie die KA zu bestimmten Themen steht und was sie dazu macht. Das ist kirchenintern nicht so sehr der Fall.

Wohin soll sich die KA entwickeln?

Haiderer: Zu dem kirchlichen Experten in Sachen Ehrenamt und Laienschaft und weiterhin zu einem der kirchlichen Haupt­ansprechpartner für außerkirchliche Institutionen. Das sind jetzt schon wichtige Themen, die in Zukunft noch wichtiger werden.

Wie kann man heute Menschen für das Ehrenamt in der Kirche begeistern?

Haiderer: Da gibt es leider kein Rezept, aber es ist die entscheidende Frage. Wobei es nicht nur darum geht, Menschen für das Ehrenamt in der Kirche zu gewinnen, sondern auch sie langfris­tig zu halten. Da geht es schon um Fragen, die gestellt werden müssen, wie z. B.: Wie zufrieden sind die Ehrenamtlichen in ihren Einsatzgebieten? Was traut man Ehrenamtlichen in der Kirche zu? Auch Leitungsfunktionen? Diesen Eindruck habe ich nämlich nicht. Und bei der Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern geht es darum, von anderen zu lernen. Es ist absolut recht und gut zu schauen, wie es andere erfolgreiche Organisationen wie die Feuerwehren oder die Landjugend machen. Daraus muss man dann lernen und gewisse Strukturen adaptieren.

Und wie wichtig werden Laien für die Kirche der Zukunft?
Haiderer: Der Wert der Laien muss in den Pfarren gehoben werden – das ist unabdingbar. Die Last, die Pfarrer heute zu tragen haben, ist doch unglaublich schwer. Wir alle wissen, wie es um den priesterlichen Nachwuchs steht. Es ist unausweichlich, da Laien mehr einzubinden und mehr Aufgaben zu übertragen. Die Pilotprojekte, die es in der Diözese gibt, sind sehr begrüßenswert.

Sie wurden 2008 mit 28 Jahren der jüngste KA-Präsident, den es je in Österreich in einer Diözese gegeben hat. Wie geht es mit Ihnen weiter?
Haiderer: Ich halte nichts vom Satz: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich brenne noch immer für katholische Themen und dafür, diese in der Gesellschaft unterzubringen. Aber ich sehe gerade bei kirchlich bestellten Ehrenamtlichen die Gefahr, betriebsblind oder Sesselkleber zu werden. Und das will ich auf keinen Fall! Meine Periode läuft heuer im Herbst aus – eine Wiederwahl für ein Jahr ist eine Option. Aber ewig will und kann ich dieses Amt auch nicht ausführen. Ein neuer Präsident, eine neue Präsidentin bringen auch neue Impulse. Und das ist gut so und notwendig!

70 Jahre KA

20. September 1950: Gründung der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten. Im selben Jahr Start der Sternsingeraktion und ers­ter Familienfasttag.

1960er-Jahre: Gründung der Fastenaktion; Einführung von pfarrlichen Sozialreferenten und erste Ostergrußaktion.

1970er-Jahre: Apostolatskurse für neue Mitarbeiter/innen und neue Schulungen in der Jungschar; Missionskerzen-Aktion startet.

1980er-Jahre: Renovierung des Karmel Jeutendorf; Gründung des Arbeitslosenfonds, Gedenkmarsch „Reichspogromnacht“.

1990er-Jahre: Ostkontakte und Gründung der Osthilfe, „Rainbows“; Lichtermeer gegen Ausländerfeindlichkeit am Domplatz; „Tingl Tangl“ – Sommerlager der Jungschar, Start der Minitage.

Die Nullerjahre: Ökumenische Gottesdiens­te; „72h ohne Kompromiss“; Broschüre „Heiligen Abend feiern“; Begegnungstage in mehreren Dekanaten; Aktion Vatertag.

2010er-Jahre: Schöpfungsfreundliche Pfarr­feste und Diözesaner Umweltpreis; Tag des Judentums; Jugendumweltvernetzungstag, Politiker-Gespräche.

2020er-Jahre: Dank an tausende ehrenamtlich Engagierte in den Gliederungen der KA.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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