Glanz und Gloria:
Die Kunst der sakralen Goldschmiede

Die Messerer Monstranz
von Sixtus Schmutermeir, um 1469-1472,
aus der Pfarrkirche Waidhofen/Ybbs.
Monstranz (um 1747) aus der Pfarrkirche
Annaberg.  | Foto: Museum am Dom
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  • Die Messerer Monstranz
    von Sixtus Schmutermeir, um 1469-1472,
    aus der Pfarrkirche Waidhofen/Ybbs.
    Monstranz (um 1747) aus der Pfarrkirche
    Annaberg.
  • Foto: Museum am Dom
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In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der
christlichen Bedeutung dieses Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer ent-
standen sind. Somit taucht die Ausstellung auch in eine der weltweit glanzvollsten Hand-
werkskünste ein: die der sakralen Goldschmiedekunst.

Schon früh wurde Gold zu einem zentralen Material religiöser Repräsentation. Nicht nur, weil es kostbar und dauerhaft ist, sondern weil es in seinem Glanz die Idee des Göttlichen widerspiegelt. Goldene Kelche, Monstranzen oder Reliquiare sind keine bloßen Schmuckstücke, sondern liturgische Objekte. Sie „verkörpern“
das Heilige, sie sollen sichtbar machen, was man nicht sehen kann. Und das gilt nicht nur für das Christentum: Auch in anderen Religionen hat Gold eine besondere Bedeutung – im Buddhismus etwa steht es für Erleuchtung, das höchste spirituelle Ziel.

Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Werkstätten Mitteleuropas waren „Hightech-Zentren“ ihrer Zeit, aber bisweilen alles andere als himmlisch: Denn ohne
Feuer – keine Metallschmelze, keine Emaille, keine Vergoldung. Die Herstellung dieser Luxusprodukte bedeutete tagelange Arbeit in der Hitze – mit Hammer, Zange, Stichel und viel Geduld. Wer sich zum Gold- oder Silberschmied ausbilden ließ, musste nicht nur Fingerspitzengefühl mitbringen, sondern auch chemische, physikalische und ikono-graphische Kenntnisse haben – und im Idealfall gute Kontakte zu Kirche oder Hof. Es
wurde gegossen, geschmiedet, graviert, gelötet, – kurz: gearbeitet auf höchstem Niveau.

Lehrlinge lernten das Handwerk über viele Jahre, Gesellen gingen auf Wanderschaft,
bevor sie sich als Meister niederlassen durften. Goldschmiede waren meist Mitglieder
einer Zunft, die Qualität, Ausbildung, Preise und das Stadtmonopol regelte. Es gab Pun-
zen (winzige Stempel auf dem Produkt), die den Feingehalt des Edelmetalls garantieren
sollten. Die Zunft überprüfte regelmäßig die Qualität von Material und Arbeit. Fälschung
oder Verwendung zu geringer Goldanteile war streng verboten und wurde bestraft.

Objekte in der Ausstellung. Ein Höhepunkt der heurigen Jahres-Ausstellung ist die sogenannte Messerer-Monstranz aus Waidhofen/Ybbs (um 1470): Ein ganzes theologisches Weltbild gegossen in Silber, verziert mit Emaille, Edelsteinen,

Glas und feinem Sinn für Symbolik. Wer genau hinschaut, erkennt Heilige, Könige – und sogar Szenen der Passion Christi, die sich um den Fuß des Schaugefäßes grup-
pieren. Die Bezeichnung Messerer-Monstranz kommt übrigens tatsächlich von der
Zunft der Messerschmiede, die einst dieses prunkvolle Werk bei Goldschmied Sixtus
Schmuttermeir in Auftrag gab.

Kunstvolle Ausführung und symbolische Tiefe

Die Annaberger Monstranz von 1747 soll der Überlieferung nach von Maria Theresia gestiftet worden sein – historisch lässt sich das nicht belegen, doch ihre Vorliebe für Wallfahrtsorte wie den Annaberg ist
gut dokumentiert. Die Monstranz beeindruckt durch ihre kunstvolle Ausführung
und symbolische Tiefe: Am Fuß ist die Szene der Unterweisung Mariens zu sehen – Anna bringt ihrer Tochter Maria das Lesen bei. Gefertigt aus feuervergoldetem
Silber und reich mit Steinen geschmückt, steht das Werk beispielhaft für die Verbindung von Glauben, Glanz und höfischer Repräsentation in dieser Epoche.

Auch moderne Formen sakraler Kunst finden ihren Platz in der Ausstellung: Die
1962 geschaffene Monstranz „Gott im bewegten Kosmos“ von Bruder Bernward Schmid
verbindet spirituelle Symbolik mit zeitgenössischem Design. Mit leuchtend roter Emaille, Gold und Karneolen erzählt sie von der Dreifaltigkeit und der Auferstehung Christi – und davon, dass das Feuer bis heute ein lebendiger Teil des christlichen Glaubens ist. „In Feuer geboren“ zeigt Feuer nicht nur als Naturkraft, sondern auch als geistliches Bild: für Licht und Läuterung, für Inspiration und Neuanfang. Im Mittelpunkt stehen Objekte, die buchstäblich im Feuer entstanden sind – und die bis heute vom menschlichen Versuch erzählen, dem Unsichtbaren Gestalt zu geben.
Tobias Seebacher

Die Messerer Monstranz
von Sixtus Schmutermeir, um 1469-1472,
aus der Pfarrkirche Waidhofen/Ybbs.
Monstranz (um 1747) aus der Pfarrkirche
Annaberg.  | Foto: Museum am Dom
Die Messerer Monstranz
von Sixtus Schmutermeir, um 1469-1472,
aus der Pfarrkirche Waidhofen/Ybbs.
Monstranz (um 1747) aus der Pfarrkirche
Annaberg.   | Foto: Museum am Dom
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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