Pfarren
Know-how für die Pfarr-Pressearbeit
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
In den Pfarren gibt es viele engagierte Menschen, die in den Pfarr-Medien mitarbeiten: ob in der Öffentlichkeitsarbeit, beim Pfarrblatt oder in den sozialen Medien. Rund um den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 17. Mai gibt „Kirche bunt“ pfarrlichen Medienmitarbeiterinnen und -mitarbeitern Tipps rund um das 1 x 1 im Journalismus.
Pressearbeit in der Pfarre dient dazu, Wissen über das pfarrliche Leben, über den kirchlichen oder sozialen Bereich zu verbreiten. Dabei sollten die journalistischen Standards bezüglich Qualität oder Genauigkeit beachtet werden. Gerade im kirchlichen Bereich gilt vor allem auch ein ethisches Fundament: Pressearbeit wird hier nicht als Manipulation, sondern als verantwortungsvolle Informationsbereitstellung auf Basis christlicher Werte – wie Wahrhaftigkeit und Sorge um die Schwächsten in der Gesellschaft – verstanden. Das mag sehr theoretisch klingen, journalistische Tugenden sind aber in einer Welt, in der wir mit unseriösen Medien, politischer Einflussnahme und kriminellen Netzwerken konfrontiert sind und Fake News verbreitet werden, ein hohes Gut. Gerade als Christen sollten wir da im positiven Sinne „anders“ sein: sachlich, glaubwürdig und zuverlässig.
Für wen schreibe ich?
Ein zentraler Punkt jeder Pressearbeit ist die Frage: Für wen schreibe ich – und an welches Medium schicke ich meinen Text?
Nicht jede Information ist für jedes Medium oder dessen Leserschaft interessant.
Pfarren sind oft an eine kirchliche Fachsprache gewöhnt, die außerhalb kirchlicher Kreise nur schwer verständlich ist. Erfolgreiche Pressearbeit bedeutet daher auch, Inhalte in eine allgemein verständliche Sprache zu übersetzen. Ebenso wichtig ist der Blick auf die mediale Praxis: Welche Art von Fotos verwendet ein Medium? Welche Formate werden bevorzugt?
Ein Beispiel: Gruppenfotos mit 50 Personen werden von manchen Zeitungen gerne abgedruckt, bei anderen Medien haben solche Bilder kaum Chancen. Ein genauer Blick auf die Machart und Bedürfnisse des jeweiligen Mediums lohnt sich daher.
Nachrichtenfaktoren
Ob ein Thema medial aufgegriffen wird, hängt von mehreren klassischen Nachrichtenfaktoren ab:
Aktualität: Im Mai werden keine Sternsingerfotos mehr veröffentlicht – es sei denn, es gibt eine aktuelle Meldung dazu, wie z. B. ein außergewöhnliches Endergebnis der Sammlung.
Nähe/lokale Nachrichten: Menschen interessieren sich besonders für das, was direkt in ihrem Ort oder ihrer Region geschieht. Davon leben Lokal- und Regionalmedien.
Außergewöhnliches wie z. B. Superlative kann eine Meldung wert sein. Wie z. B.: der älteste Pfarrer stammt aus unserer Pfarre; wir haben die meisten Ministranten in der Diözese; wir haben die älteste Glocke Österreichs; unsere Pfarre hat einen neuen Rekord beim Flohmarkt usw.
Menschliches/Emotionales: Medien berichten gerne über konkretes, gelebtes Engagement. Beispiele: Hilfe für Familien in Not; Aufruf in der Pfarre zur Stammzellentypisierung, um eventuell einem schwerkranken Menschen Stammzellen zu spenden; Hilfsprojekte in Missionsgebieten usw.
Personen: Es gibt Personen des öffentlichen Interesses, dazu gehören u. a. auch Pfarrer. Ein runder Geburtstag oder ein öffentliches Engagement – etwa ein Benefiz-Fußballspiel – sind für Lokalmedien relevant.
Gilt jedoch auch umgekehrt: Werden Verfehlungen nachgewiesen, berichten Medien ebenfalls darüber.
Allgemeine Tipps
Um Vertrauen zu schaffen, ist eine sorgfältige Rechtschreibung wichtig. Fehler können natürlich passieren, aber sie sollten nicht gehäuft auftreten. Deshalb ist es gut, wenn man Lektoren im Team hat.
Apropos Team: Das Arbeiten im Team hat sich bewährt. Menschen, die gerne schreiben, fotografieren oder gestalten, bringen unterschiedliche Stärken ein.
Nach Möglichkeit sollten auch junge Menschen eingebunden werden. Gerade im Bereich der „Sozialen Medien“ sind sie oft besonders kompetent und motiviert.
Überhaupt ist es von Vorteil, ein breites Team aufzustellen und Menschen aus verschiedenen Gruppen einzubinden: Jemanden, der von der Pfarr-Jungschar oder vom Katholischen Bildungswerk zuliefert. Jemanden, der sich in Kirchen- und Pfarrgeschichte auskennt. Kreative aus Werbung oder Design. Religionspädagoginnen/-pädagogen mit Zugang zur Jugend und auch Jugendsprache. All diese Menschen sollte man gezielt ansprechen und zur Mitarbeit ermutigen.
7 W-Fragen
Die sogenannten 7 W-Fragen bilden das Grundgerüst jeder journalistischen Meldung – im Pfarrblatt, auf der Website der Pfarre oder in einer Pressemitteilung. Diese Fragen helfen, alle wichtigen Fakten schnell und vollständig zu vermitteln:
1. Wer? – Die beteiligten Personen, Gruppen oder Organisationen
2. Was? – Das Ereignis oder die Handlung
3. Wann?– Zeitpunkt oder Zeitraum
4. Wo? – Der Ort des Geschehens
5. Wie? – Der Ablauf oder die Umstände
6. Warum? – Ursache oder Hintergrund
7. Woher? – Die Quelle der Information
Nicht jedes „W“ ist gleich wichtig. Oft entsteht der Nachrichtenwert aus einer Besonderheit. Beispiele:
Wer: „Der Papst besucht überraschend ein kleines Kaffeehaus.“ Kaffeehausbesuche passieren täglich zigfach, aber bei einem Papst ist das doch ungewöhnlich.
Was: „Mann beißt Hund.“ – Dass ein Hund einen Menschen beißt, kommt leider vor. Aber umgekehrt ist es eine Meldung wert. Das Beispiel ist ein Klassiker in den Journalismus-Akademien dieser Welt, um angehenden Journalistinnen und Journalisten vor Augen zu führen, was eine Meldung wert ist.
Wann: „Der Oster-Gottesdienst beginnt um 5 Uhr morgens.“ Dass Gottesdienste manchmal früh beginnen, kennen wir, aber so bald hat für manche wohl einen „News“-Wert.
Wo: „Schwerer Wasserrohrbruch direkt unter der Kirche – alle müssen das Gotteshaus verlassen.“ Wasserrohrbrüche geschehen häufig, aber wohl eher nicht so häufig unter der Kirche.
Wie: „Diebe brechen die schwere Eisentür der Kirche mit einem Traktor auf.“ Einbrüche in Gotteshäuser passieren leider immer wieder, aber mit einem Traktor – das wäre doch außergewöhnlich.
Profi-Tipp: Die wichtigsten „W-Fragen“ sollten gleich zu Beginn der Nachricht stehen, damit der Leser sofort im Bilde ist.
Folgend ein Beispiel für den Lead, also die Einleitung mit den „7 Ws“: Die Pfarre XY (Wer) lädt alle Wanderbegeisterten zur traditionellen dreitägigen Fußwallfahrt (Was) nach Mariazell ein. Los geht es am Freitag, 22. Mai, um 6 Uhr (Wann) direkt beim Hauptportal der Pfarrkirche (Wo). Unter dem Motto „Schritte für den Frieden“ legen die Teilnehmer die 80 Kilometer lange Strecke (Was) über den XY-Berg zu Fuß (Wie) zurück, um ein Zeichen für das Miteinander in Krisenzeiten zu setzen (Warum). Dies gab der Pfarrgemeinderat (Woher/Quelle) bekannt.
Aufbau eines gelungenen Beitrags
Titel – Bild – Lead – Zwischenüberschriften – Text. Ein gelungener journalistischer Beitrag gleicht einer Einladung, die den Leser schrittweise tiefer in ein Thema führt.
Titel. Alles beginnt mit dem Titel, der als visuelle und inhaltliche Visitenkarte fungiert. Er sollte das Interesse wecken und den Kern der Nachricht präzise auf den Punkt bringen.
Bild. Unterstützt wird der erste Impuls meist durch ein Bild (Blickfang/Eyecatcher), das als emotionaler Anker dient und Informationen schneller vermittelt, als es Worte könnten, wodurch die Neugier des Betrachters unmittelbar geweckt wird.
Lead. Sobald der Leser hängen bleibt, fasst der Lead, also die Einleitung, die Kernbotschaft zusammen. Dieser erste Absatz bündelt die wichtigsten der „7 W-Fragen“ und liefert die Essenz der Geschichte, noch bevor Details genannt werden. Er entscheidet darüber, ob der Nutzer den Rest des Textes überhaupt noch liest.
Fließtext. Im darauffolgenden Fließtext wird das Thema schließlich vertieft: Hier finden das „Wie“ und das „Warum“ ihren Platz, ergänzt durch Hintergründe, Zitate und Zusammenhänge, die der Meldung Substanz verleihen.
Zwischenüberschrift. Damit der Leser bei längeren Passagen nicht die Orientierung verliert, dienen Zwischenüberschriften als unverzichtbarer Kompass. Sie gliedern die Informationsflut in verdaubare Portionen, ermöglichen das schnelle Erfassen des Inhalts und halten den roten Faden fest im Griff, bis das gesamte Bild der Geschichte vollständig vermittelt ist.
Umgekehrte Pyramide
Ein bewährtes Strukturprinzip im Journalismus ist die umgekehrte Pyramide:
Das Wichtigste steht dabei immer am Anfang, sodass sich der Text nach unten hin verjüngt – genau wie eine Pyramide, die auf der Spitze steht. Dabei stehen im Lead die entscheidenden Fakten. Erst im weiteren Verlauf folgen die Details, die das „Wie“ oder das „Warum“ beleuchten, Hintergründe erläutern oder Zitate von Beteiligten einbinden. Ganz am Ende des Textes finden sich schließlich nur noch ergänzende Informationen und Randaspekte, die für das Grundverständnis der Nachricht nicht zwingend erforderlich sind.
Dieses Modell hat sich deshalb bewährt, weil schon nach kurzer Zeit dem Leser die wichtigsten Informationen vermittelt werdne können. Zudem erlaubt die umgekehrte Pyramide der Redaktion, dass der Artikel schnell und unkompliziert von unten nach oben gekürzt werden kann.
Bei Aussendungen an Redaktionen sollte stets neben der E‑Mail-Adresse auch eine Telefonnummer der Verfasserin/des Verfassers angegeben werden. Das erleichtert Rückfragen und ermöglicht eine schnelle, unkomplizierte Abstimmung.
Wolfgang Zarl/Sonja Planitzer
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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