Corona-Pandemie in armen Ländern
Papst: „Alles wird danach anders“

Papst Franziskus steht am Fenster des Apostolischen Palastes und spricht das Angelusgebet am 31. Mai. Teilnehmer stehen mit Abstand zueinander auf dem Petersplatz.
  • Papst Franziskus steht am Fenster des Apostolischen Palastes und spricht das Angelusgebet am 31. Mai. Teilnehmer stehen mit Abstand zueinander auf dem Petersplatz.
  • Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Während sich die Situation rund um die Corona-Pandemie in Österreich und anderen westlichen Ländern zu beruhigen scheint, entwickelt sich die Coronakrise in armen Ländern der Welt immer dramatischer.

Am Samstag vor Pfingsten betete Papst Franziskus mit Gläubigen aus aller Welt den Rosenkranz gegen die Corona-Pandemie. Das Ereignis, in das mehr als 50 Marienwallfahrtsstätten auf der ganzen Welt einbezogen waren, wurde weltweit über TV und Internet übertragen. Franziskus begab sich dafür zur Lourdes-Grotte in den Vatikanischen Gärten. Mit eindringlichen Worten wandte sich der Papst an die Gottesmutter Maria, damit „diese harte Prüfung endet und dass ein Horizont der Hoffnung und des Friedens zurückkehrt“. Er bat um Erleuchtung für all jene, die an einem Heilmittel gegen das Virus forschten: „Mögen sie die richtigen Lösungen finden.“ Die Menschheit befinde sich in einer „dramatischen Situation, voller Leiden und Ängste, die die ganze Welt umhüllen“.
Auf das Leiden in der Corona-Krise in Amazonien wies das kirchliche Netzwerk Repam hin: Wegen Covid-19 seien bislang mehr als 500 Todesopfer unter der indigenen Bevölkerung zu beklagen. Auch der Papst erinnerte in seinem Mittagsgebet am Pfingstsonntag an die Situation der indigenen Völker und bat einmal mehr um die Fürsprache Marias, Mutter Amazoniens, und für die Menschen der ganzen Welt. Franziskus wörtlich: „Ich appelliere an alle, dass man es niemandem an medizinischer Versorgung fehlen lassen möge.“

Gerade auf dieses Problem wies die Kirche Chiles hin. Anfang Mai wurden aus dem süd­amerikanischen Land mehr als 87.000 Corona-Infektionen gemeldet. Bis zu 95 Prozent der Krankenhausbetten im Großraum Santiago sind ausgelastet. 3.700 Mitarbeiter des Gesundheitswesen haben sich infiziert. Angesichts der immer dramatischeren Lage hat Erzbischof Fernando Chomali von Santiago ein Grundsatzpapier mit dem Titel „Das Dilemma des letzten Bettes“ veröffentlicht. Das Schreiben soll als ethische Richtschnur für Mitarbeiter im Gesundheitswesen dienen. Im Umgang mit dem Coronavirus könnten die Krankenhäuser zwar nichts Unmögliches leisten; es sei aber nicht hinnehmbar, wenn finanzielle Hintergründe eines Patienten über eine Behandlung entscheiden, schreibt Chomali in seinem zehn Punkte umfassenden Leitfaden.

Auch in anderen armen Ländern der Welt spitzt sich die Lage zu. So ist es laut dem Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) im Nord­irak zu einem deutlichen Anstieg von Covid-19-Fällen gekommen – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung: Zumindest bis 6. Juni haben die Behörden der Autonomen Region Kurdistan eine totale Ausgangssperre verhängt. Die Menschen dürfen ihre Häuser nicht einmal mehr zum Kauf von Lebensmitteln verlassen. Obwohl die Behörden der Bevölkerung eine Notversorgung zusgsagt haben, befürchtet ICO, dass sich die Situation verschlechtert.

In Pakistan bedroht neben der Coronapandemie auch eine Heuschreckenplage vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten. Das christliche Hilfswerk „Christen in Not“ (CiN) warnt vor einer Hungerkrise. CiN-Generalsek­retär Elmar Kuhn verdeutlicht die Dramatik mit der Situation im Dorf Chak in Punjab. „Etwa zwei Drittel der christlichen Bevölkerung steht vor dem Nichts und Familien hungern“, so Kuhn. Die meisten Christen seien Tagelöhner auf den Feldern von Großbauern. Ohne Arbeit gebe es keinen Lohn, Reserven seien keine vorhanden. Nicht einmal für die Kinder gebe es genügend Nahrungsmittel. Zudem würden die Wanderheuschrecken im Punjab verheerende landwirtschaftliche Schäden anrichten. CiN versucht mit groß angelegten Nahrungsmittelspenden zu helfen, nun seien aber auch die eignen Reserven erschöpft.

Den ersten Corona-Toten gab es in den Flüchtlingslagern der Rohingya in Bangladesh zu beklagen. Rund 600.000 Menschen sind im Lager Kutupalong untergebracht. Für Gesundheitsexperten und Hilfsorganisationen war es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus die Lager erreicht. Die muslimischen Flüchtlinge leben dicht gedrängt in kleinen Hütten, Abwasser und Fäkalien fließen durch offene Gräben. Als die Behörden Anfang April die ersten Corona-Fälle in Teilen des Lagers feststellten, wurden ein vollständiger Lockdown verhängt und die Zufahrtsstraßen abgesperrt. Ende Mai wurde 15.000 Rohingya unter Quarantäne gestellt.

„Alles wird danach anders“

In einer Videobotschaft an die Teilnehmer einer weltweiten Online-Pfingstwache rief Papst Franziskus zu Pfingsten auf, die Corona-Pandemie als Wende zum Besseren zu nutzen. „Alles wird danach anders sein“, sagt der Papst. Und weiter: Die Menschen müssten endlich erkennen, dass sie alle Teil derselben Gemeinschaft seien. Niemand rettet sich allein, betonte Franzikus. Nun sei es an der Zeit, gemeinsam und mit Gottes Hilfe „eine neue Realität“ zu schaffen. Man könne nicht einfach zur gewohnten Tagesordnung übergehen. Wenn es nun nicht gelänge, eine gerechtere, christlichere Gesellschaft auf den Weg zu bringen, wäre alles Leid der vergangenen Wochen umsonst gewesen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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