Kunst & Kirche
Feuer in der christlichen Kunst
- Erlösung der armen Seelen aus dem Fegefeuer durch Messopfer (Stadtmuseum Klosterneuburg), zu besichtigen in der aktuellen Ausstellung "In Feuer geboren" im Museum am Dom in St. Pölten.
- Foto: Museum am Dom
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Die epochale Kraft des Feuers hat in vielen Religionen eine tiefe Bedeutung. Schon in der antiken Mythologie ist das Feuer – meist in Götterbesitz – Triebfeder heldenhafter Taten. Prometheus bringt den Menschen das Feuer und befreit sie aus Unwissenheit und Unterdrückung, muss den Diebstahl an den Göttern aber teuer bezahlen. Im Christentum steht Feuer für die Gegenwart und Macht Gottes, aber auch stellvertretend für Zerstörung und Läuterung.
Feuer in der Bibel
In der Bibel tritt Feuer in unterschiedlichen Kontexten auf: Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch (Exodus 3, 1-10), der trotz Flammen nicht verbrennt. Gott beauftragt Moses, das Volk Israel aus Ägypten in das verheißene Land zu bringen.
Feuer – als Zeichen des göttlichen Gerichts – zerstört im Alten Testament die Städte Sodom und Gomorra aufgrund der Sündhaftigkeit der Bewohner (Genesis 19, 24): Gott lässt Schwefel und Feuer vom Himmel regnen und vernichtet die Städte und ihre Umgebung.
Im Neuen Testament erzählt die Apostelgeschichte vom Pfingstereignis (Apostelgeschichte 2, 1-4), bei dem der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf die Jünger herabkommt. Sie ziehen danach in die ganze Welt und verkünden das Evangelium. Pfingsten gilt demnach – 50 Tage nach Ostern – als Geburtsstunde der Kirche. Martin Johann Schmidt (genannt „Kremser Schmidt“) lässt die Feuerzungen in seiner Darstellung des Pfingstereignisses dramatisch auf die Jünger, in deren Mitte sich Maria befindet, herabregnen. Das Gemälde ist eines von zwölf (Wechselrahmen-)Bildern, das der Maler um 1800 für die Pfarrkirche in Kilb geschaffen hat.
Feuer steht im Christentum sowohl für das Mächtigste, Unbegreifbarste (für Gott selbst) als auch für das Schlimmste, das für uns Menschen vorstellbar ist (Höllenqualen).
Eindrückliche Darstellungen waren es auch, die die Vorstellung des Fegefeuers geprägt haben. Wer kennt nicht die drastischen Beschreibungen von Höllenqualen oder die vor Schmerz verzerrten Gesichter der Seelen im Fegefeuer? Die ältesten erhaltenen Beispiele dafür finden sich bereits im Mittelalter. In einer Zeit, in der der Großteil der Menschen nicht lesen konnte, haben die bildgewaltigen Darstellungen maßgeblich Einfluss auf die Frömmigkeit der Menschen, die oft von Angst geprägt war. Viel Geld wurde aufgewendet, um schon zu Lebzeiten für das eigene Seelenheil vorzusorgen – der Nährboden für Machtmissbrauch und finanziell fragwürdige Praktiken. Nach der Reformation kommt es in der Barockzeit zu einem neuerlichen Aufschwung von Fegefeuer-Darstellungen, wie auch ausgestellte Objekte zeigen.
Im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, das in einer ewigen Gemeinschaft mit Gott besteht (Himmel). Dorthin kommt die menschliche Seele aber nicht ohne Bedingung: Sie muss für ihre Taten im irdischen Leben Rechenschaft ablegen. Gott betrachtet nach dem Tod alle Taten und den Glauben eines Menschen. Wenn es für die Aufnahme in den Himmel noch Hindernisse gibt, muss die Seele zunächst eine gewisse Zeit im Fegefeuer (als Läuterungsort) verbringen. Das Fegefeuer ist – im Unterschied zur Hölle – ein Ort mit positiver Perspektive: jener des Himmels.
Der Himmel als Ziel des christlichen Menschen wird weitaus seltener dargestellt als Hölle und Fegefeuer.
Unter Berufung auf verschiedene Bibelstellen sprechen viele Kirchenväter von einem Reinigungsfeuer nach dem Tod. Als maßgeblich und für die späteren Jahrhunderte besonders einflussreich ist Papst Gregor der Große (gest. 604) zu nennen. Vor allem auf den Konzilien von Lyon (1274), Florenz (1439) und Trient (1563) wurde die Glaubenslehre in Bezug auf das Fegefeuer (Purgatorium) formuliert. Barbara Taubinger
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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