Einladende Worte von Bischof Alois Schwarz
Ermutigung zum gemeinsamen Gehen

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
  • Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
  • Foto: Diözese St. Pölten/Moritz Schell
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Einladende Worte zum Start der Vorbereitungsetappe der Diözese St. Pölten zur Weltbischofssynode von Diözesanbischof Alois Schwarz. Die erste Phase steht unter dem Motto „Gemeinschaft“.

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele Menschen in unserem Land kennen Kirchen und sind in unseren Pfarren schon Chris­ten begegnet, die ihnen wichtige Worte der Ermutigung gesagt haben. So manches Wort hat aufgerichtet, Hoffnung geschenkt und getrös­tet. Wenn man jemand fragt, wo er Gemeinschaft erlebt hat, dann erzählen viele nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von der Pfarre oder einem Kloster und den Erlebnissen in den pfarrlichen Gruppen oder in kirchlichen Vereinen.

Papst Franziskus hat für das Jahr 2023 eine Bischofssynode zum Thema „Für eine syno­dale Kirche“ einberufen. Er fügt dem Titel die drei Begriffe Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung bei und richtet unseren Blick mit einer Synode auf einen Weg, den wir zur Verkündigung des Evangeliums gemeinsam gehen werden.

In diesem ersten Impuls zum Start der diözesanen Vorbereitungsetappe möchte ich den Fokus auf den ersten Begriff der synodalen Vorbereitungsetappe richten: den Begriff der Gemeinschaft. Papst Franziskus rührt mit dieser Synode etwas an, das im Zweiten Vatikanischen Konzil eines der Bilder für die Kirche ist: das pilgernde Unterwegssein als Volk Gottes – in Gemeinschaft (vgl. LG 11-17).

Jede Pilgerreise verlangt, dass wir eine Standortbestimmung vornehmen, gemeinsam schau­en, wo wir stehen, auf welches Ziel wir uns hinbewegen, was den Kern unserer Gemeinschaft darstellt, mit wem wir unterwegs sind und aus welchem Grund wir diesen Aufbruch wagen sollen. Es geht uns wie den Emmaus­jüngern, die aus einer Gotteserfahrung heraus mit Jesus aufgebrochen sind, im Gehen angesichts des Kreuzestodes aber die Orientierung verloren haben – und es plötzlich mit Jesus selbst zu tun bekommen: Er hört ihre Sorgen und Nöte, und er deutet ihnen erneut den Weg des Christus. Pilgerschaft bedeutet nicht „Gehen des Gehens wegen“, sondern ist ein „Wieder-Sicher-Werden“, dass Jesus Chris­tus mit uns geht: Kein „Der Weg ist das Ziel“, sondern „Der Weg hat ein Ziel“: den barmherzigen Vater, zu dem uns der Sohn führt.

In einer Zeit der individuellen Freiheit ist Gemeinschaft auch herausfordernd: Wo und wie lebe ich Gemeinschaft? Welche Gemeinschaft trägt mich und welche trage ich mit? Was verdanke ich der Gemeinschaft und welche Gaben bringe ich ein? Wer sind wir als Christinnen und Christen in einer Welt, die vielfältig geworden ist, schnell, rasant, plural? Was macht unsere Lebendigkeit aus? Es ist auch die Frage, was wir der Welt aus unserem christlichen Glauben heraus geben können, was Gemeinschaft im Glauben an Jesus Christus mit uns macht.
Das heutige Evangelium (Mk 10,35-45) passt dazu: Wir hören von Streitigkeiten unter den Jüngern, von Rangordnungen, von Sitzordnungen. Es scheint, als wäre den Jüngern selbst abhandengekommen, was Jesus eigentlich will von ihnen, als stellten sie sich das Reich Gottes wie einen Staat oder eine Regierung vor. Doch Jesus sagt: „Bei euch aber soll es nicht so sein!“ Jesus ruft uns dazu auf, ihm aus der Taufe nachzufolgen und als Getaufte Verantwortung zu übernehmen. Auch im Kleinen, im Stillen, im vermeintlich Alltäglichen, als Dienende in der Gemeinschaft in Christus.

Begonnen wird der synodale Prozess in unserer Diözese mit unseren Gottesdiensten am 17. Oktober, in denen wir für den gemeinsamen Weg beten, der vor uns liegt. Wo immer Sie an diesem Sonntag Eucharistie feiern, beten Sie bitte mit der gesamten Weltkirche für die Erneuerung der Kirche. Das weltweite Gebet für die Synode beten wir von all jenen Orten aus, an denen wir in diesem Moment stehen, und es eröffnet uns innerlich eine Perspektive des „Beschenkt Werdens“, des Öffnens auf die Gnade und das Geschenk hin. „Wir stehen vor Dir, Heiliger Geist“: Wir dürfen uns beschenken lassen, mit Orientierung, mit dem rechten Weg, mit der Perspektive der Ewigkeit.
Papst Franziskus erklärt seine Vorstellung einer Synode, indem er uns anregt, „Hoffnung erblühen zu lassen, Vertrauen zu wecken, Wunden zu verbinden, Beziehungen zu knüpfen, eine Morgenröte der Hoffnung aufleben zu lassen, voneinander zu lernen und eine positive Vorstellungswelt zu schaffen, die den Verstand erleuchtet, das Herz erwärmt, neue Kraft zum Anpacken gibt“ (VD 32).

Meine große Einladung geht an Sie alle, die sie als Einzelner und Einzelne Teil vielfältiger Gemeinschaften sind, seien es Ehen, Familien, Kinder, Verwandtschaften, Vereine, Freundeskreise, Arbeitskollegen, Schulklassen, Dienste und das Wirken und Da-Sein im Leben anderer: Fragen wir nach dem „Wir“, fragen wir einander nach dem Ziel des Weges, nach Christus in unserem Leben und nach dem Beistand. Begeben wir uns in eine Haltung der Verletzbarkeit und eröffnen wir eine erneuerte Wertschätzung füreinander. Bemühen wir uns darum, zu heilen und heil zu werden in einer neuen Art des Gesprächs miteinander.

In unserem gemeinsamen Brief zum Beginn des synodalen Prozesses fragen wir österreich­i­schen Bischöfe nach dem „Leben Können“ der Hoffnungsbotschaft Jesu Christi. Papst Franziskus hat in der Eröffnungspredigt betont, dass es nicht um Mehrheiten, um die jeweils lautesten Stimmen oder um eine Meinungsumfrage geht: Es geht um uns alle, uns Menschen, die wir mit der Taufe Teil einer Gemeinschaft werden, die wir durch die Taufe teilhaben am Heilsgeschehen Christi und aus unserer Taufe heraus mit einem Auftrag in die Welt gesendet sind.
Eine wunderbare Idee der Aufbruchsstimmung steht damit im Raum, die allerdings nur gelingen kann, wenn wirklich allen Getauften die Möglichkeit gegeben wird, sich einzubringen und mitzugestalten. Vor allem sollen wir auch jene in den Blick nehmen, die am Rand unserer Gemeinschaften stehen. Machen wir uns besonders in der ersten Phase auch auf die Suche nach denen, die uns und das Evangelium brauchen. Nehmen wir ihre Sorgen und Nöte ernst und binden wir sie in unsere Überlegungen ein.

Pilgernde auf dem Jakobsweg wünschen einander mit dem Gruß „Buen camino“ eine gute und segensreiche Erfahrung des Pilgerns und Unterwegsseins. Ich wünsche Ihnen und uns allen die Erfahrung des Zuhörens, der Gemeinschaft und der Erneuerung im gemeinsamen Gehen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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