Das Leben von Bischof Michael Memelauer wird 2020 als Dokumentarfilm erscheinen.
Bischof Michael Memelauers Leben wird verfilmt

Das Leben von Michael Memelauer (1874-1961), der von 1927 bis 1961 Bischof von
St. Pölten war, wird im nächsten Jahr als Dokumentarfilm erscheinen. Zwischen Jänner und Mai 2020 wird ein Team um Regisseurin Anita Lackenberg die biografischen Stationen des Oberhirten verfilmen. Memelauer war in der Zeit des Nationalsozialismus offen gegen das damalige Eu­thanasieprogramm aufgetreten.
Geschichte schrieb der Bischof mit seiner denkwürdigen Predigt in der Silvesterandacht am
31. Dezember 1941: „Du sollst nicht töten. Das ist das gewaltige, die Menschheit auf der ganzen Welt schützende Gottesgesetz. Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben“, sagte er in einer vollbesetzten Domkirche. Die Kirche protestiere scharf und werde „niemals schweigen zur Beseitigung unwerten und unproduktiven Lebens und werde es immer als das bezeichnen, als was es bei allen Kulturvölkern angesehen wird“.
Mit seiner Verurteilung der als „Euthanasie“ bezeichneten Massentötung von Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen blieb Memelauer unter den Bischöfen der damaligen „Ostmark“ in dieser Klarheit der einzige. Der weithin vergessene Predigttext aus einer Zeit, in der die NS-Machthaber die Öffentlichkeit glauben machen wollten, die Euthanasie sei bereits eingestellt worden, war im Jahr 2016 vom St. Pöltner Diözesanarchiv mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) neu herausgegeben worden.

Memelauer sei „der NS-Diktatur von Anfang an misstrauisch gegenüber“ gestanden, heißt es in der zum 75. Jahrestag aufgelegten Broschüre. Schon 1938, vor der Volksabstimmung, mit der nachträglich der „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland legitimiert werden sollte, habe er beim Abdruck der „Ja“-Empfehlung der Bischofskonferenz im St. Pöltner Diözesanblatt die Einleitungsworte „aus innerster Überzeugung und mit freiem Willen“ weggelassen, woraufhin der Text später noch einmal abgedruckt werden musste.
Angestoßen war der Bischofsprotest auch durch ein Dekret der Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre vom Dezember 1940: Es verpflichtete die Bischöfe, die Katholiken über das Verbot zu informieren, an der „Euthanasie“ mitzuwirken. Als Reaktion darauf nahmen auch einige deutsche Bischöfe öffentlich Stellung, u. a. der Bischof von Münster, August von Galen, im August 1941, nach dessen Predigten das NS-Regime seine zentral gelenkte Massenmordaktion abbrach, auf dezentraler Ebene jedoch fortsetzte.

Statisten und historisches Material

Der zwischen Jänner und Mai 2020 entstehende Memelauer-Film basiert die Lebensstationen des Langzeit-Bischofs, darunter neben St. Pölten auch seinen Geburtsort Sindelburg (Bezirk Amstetten) wie auch das Stiftsgymnasium in Seitenstetten. Die zuständige Produktionsfirma „Kreativlösung“ sucht für die Dreharbeiten noch Kleidung aus den 1930er- bis 1950er-Jahren sowie mitwirkende Statisten, die gebeten werden, sich bei der Diözese St. Pölten zu melden. Kontakt: Mag. Kathrin Hahn, Diözese St. Pölten: k.hahn@kirche.at.

Autor:

Sonja Planitzer aus Niederösterreich | Kirche bunt

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